Sollte Jobcenter nur Sachleistungen an Arbeitssuchende geben?

Authenti  24.03.2025, 20:36

Wärst auch dafür Alkohol, Spielautomaten etc. für nicht Arbeitlose zu verbieten um diese vor sich selbst zu schützten?

Bekim741 
Beitragsersteller
 24.03.2025, 21:02

Wünschen würde ich es mir, aber weil wir nicht in Sharialand leben muss ich mich mit diesem System zufrieden geben.

Velbert2  25.03.2025, 10:30

Wer soll denn die Güter und vor allem Dienstleistungen bereitstellen? Das Jobcenter?

Bekim741 
Beitragsersteller
 25.03.2025, 10:39

Jobcenter stellt nicht selbst die Güter her, sondern arbeitet mit Anbieter zusammen. Mit Gutscheinsysteme können Bedürftige einkaufen gehen.

19 Antworten

Wenn jemand meint, er muss statt essen n Handy kaufen, ist das sein Problem.

Da muss sich der Staat nicht einmischen. Vorallem kostet das wieder viel mehr als vorher und das nur um die Leute zu nerven.


Doesig  24.03.2025, 19:46

"Vorallem kostet das wieder viel mehr als vorher" – korrekt!

Authenti  24.03.2025, 20:39
@Doesig

Ja. Es ist bereits so, dass manche zeitweise Lebensmittelgutscheine bekommen, wenn die Pleite sind oder gar nicht mit Geld umgehen können. Doch dafür gibt es ja Primär das Konzept des Betreuers für finanzielle Angelegenheiten, ist jedoch krankheitsabhängig (Demenz etc.) nicht ob jemand gerade Arbeit hat. Miete, Kondome und Tampongs als Sachleistung?

Sebastiankntnxt  25.03.2025, 10:37
@Authenti

Dies Lebensmittelscheine werden nicht nur krankheitsbedingt rausgegeben, sondern beispielsweise, wenn das Amt im Rückstand mit Leistungen steht.

Miete wird schon separat an den Vermieter gezahlt.

Und warum darf man als Armer Mensch nicht entscheiden ob man zb Tabak kauft oder Schokolade? oder darf man dann nur gesundes Obst und Gemüse kaufen?

Was übrigens nicht billig ist.

und wusstest du das Sachleistungen weit teurer sind durch die Verwaltung?

Immerhin ist das keine Überweisung, es benötigt nen Büro, Papier auch für Leute ohne Handy, es braucht Stempel und das nicht nur einmal, überall mit locker 5-10 Mitarbeitern. Das muss dann Termine geben mit Datum damit jeder einzeln was bekommt und wie genau wird der Gutschein aufgeteilt?

Achja wusstest du das die Supermärkte das ablehnen dürfen?

Wo kauft man wenn der Supermarkt nein sagt? In der Mülltonne?

Probier das doch mal in deinem direkten Umfeld für zwei Wochen aus. Biete 5-10 Freunden an, dass du für zwei Wochen die Einkäufe für sie übernimmst - der Einfachheit halber ruhig erst mal beschränkt auf Lebensmittel, Haushaltsbedarf, Hygiene- und Kosmetikprodukte. Sie geben dir das Geld dafür, aber du kümmerst dich darum, dass alle das, was sie jeweils brauchen, in ausreichender Menge zur richtigen Zeit und in der passenden Qualität und Art bekommen.

Ich wette mit dir, dass du bereits nach dem ersten Großeinkauf aufgeben wirst. Dann, wenn du für die Familie mit dem Säugling die falsche Creme, auf die das Kind mit Pickelchen reagiert hat, besorgt hast. Oder die Freundin, die eine Glutenunverträglichkeit hat, mit dem Brot und den Nudeln, die du besorgt hast, nichts anfangen kann, weil ihr sonst der Bauch explodiert. Oder wenn du dem vegetarisch lebenden Freund den Wackelpudding mit Gelatine in die Tüte gepackt hast. Oder wenn für die ältere Dame die Inkontinenzeinlagen fehlen. Oder auch, wenn du für die menstruierenden Frauen nur Tampons besorgt hast, aber einige dann doch Binden, Menstruationstassen oder Menstruationsunterwäsche bevorzugen würden.

Und genau das ist der Haken an der Idee von "Sach- statt Geldleistungen". Menschen haben so extrem unterschiedliche Bedürfnisse und Bedarfe, dass die Logistik, die so ein System bräuchte, wahnsinnig aufwendig, personalintensiv und somit einfach extremst teuer wäre.


Bekim741 
Beitragsersteller
 24.03.2025, 20:31

Die Digitalisierung kann den bürokratischen Aufwand minimieren. Zudem kann es Gutscheinsysteme geben wo man eine gewisse Auswahl an Produkten wie zum Beispiel Arbeitskleidung, Lebensmittel hat. Wer sich mit dem Internet nicht auskennt, der kann mit den Gutscheinen in den Geschäften einkaufen gehen.

HappyMe1984  24.03.2025, 20:36
@Bekim741

Und alles nur, damit Menschen ohne Job ihr weniges Geld nicht für Dinge ausgeben können, die du nicht gut heißt? Ein bisschen überzogen, oder?

Viel weniger Aufwand wäre es übrigens, wenn man dort, wo viel Einkommen und Vermögen lauert, einfach mal intensiver die Steuerzahlungen kontrolliert. Dort sollen geschätzt um die 100 Milliarden jährlich (!!!) lauern, die dem Staat entgehen, wegen Steuerhinterziehung.

Auch könnte man mal fragen, warum insbesondere die Superreichen in den Jahren der Pandemie und starken Inflation ihre Vermögen um ein Vielfaches vermehrt haben, während die breite Masse immer ärmer wurde. Oder wieso die Produktivität in Deutschland so viel stärker gestiegen ist als die Gehälter im gleichen Zeitraum. Was übrigens auch alles die Frage beantwortet, wieso die Schere zwischen Reich und Arm immer weiter aufgeht.

Aber klar, wieso sollte man das tun, wenn man stattdessen den Schwächsten der Schwachen das Leben noch ein bisschen schwerer machen kann?

Bekim741 
Beitragsersteller
 24.03.2025, 21:05
@HappyMe1984

Das eine schließt das andere nicht aus. Man kann sich sowohl für eine gerechtere Steuerpolitik einsetzen als auch darüber nachdenken, wie Sozialleistungen so gestaltet werden, dass sie denen am meisten nützen, die sie wirklich brauchen. Was wäre denn aus deiner Sicht ein gerechteres Modell?

HappyMe1984  24.03.2025, 21:20
@Bekim741

Ich finde, dass wir jetzt schon viel zu viel G'schiss um angeblich das System ausnutzende Sozialleistungsempfangende machen. Selbst wenn dort jemand mal 5, 50 oder 500 Euro mehr bekommen sollte, als ihm eigentlich zusteht - das macht in den Finanzen des Staates sowas von absolut keinen Unterschied, das fällt bei den Summen, um die es da geht, sowas von nicht auf! Ein bisschen weniger auch mediale Skepsis, Unterstellungen und Stigmatisierung, durchaus auch mit der Inkaufnahme, dass ein paar wenige Einzelne das dann eventuell echt ausnutzen, würde uns als Gesellschaft einfach soooo viel weiter bringen...

Stattdessen wird es eben echt Zeit, all die Punkte anzugehen, die ich oben angesprochen habe. Also mal dort ordentlich auf die Finger zu kloppen, wo eben doch relevante Summen hinterzogen, verschubst und abgegriffen werden. Summen, mit denen man wirklich gesamtgesellschaftlich sinnvolle Dinge tun könnte!

Mein persönliches Rechenbeispiel: ich arbeite bei einem freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe. Unsere Einrichtung der offenen Kinder- und Jugendarbeit, also ein Ort, an dem Kids ihre Freizeit sinnvoll, geschützt und sozialpädagogisch betreut verbringen können und was somit unglaublich hilfreich gerade für die aus schwierigen Verhältnissen rund um Prävention und Perspektivfindung ist, kostet pro Jahr ca. 250.000 Euro. Also all in, Personal- und Sachkosten.

Wenn also z. B. ein superreicher Mensch 10 Millionen Steuern durch gerade noch so legale oder sogar illegale Steuertricks nicht bezahlt, bedeutet das, dass 40 Jahre (!) dieser sinnvollen pädagogischen Arbeit uns als Gesellschaft durch die Lappen gehen. In diesen 40 Jahren würden ganze Generationen von Kids dort Tag für Tag einen sicheren und nützlichen Ort finden, Werte lernen, Unterstützung in schulischen Dingen erhalten, Inspiration hinsichtlich ihrer Berufswahl bekommen und eben nicht in Kriminalität und Perspektivlosigkeit abrutschen.

Von den 1500 Euro, die man ungefähr spart, wenn man einem Bürgergeldempfänger drei Monate lang die Leistungen auf Null setzt, hätte man hingegen nicht mal das Gehalt einer der pädagogischen Fachkräfte für einen Monat bezahlt...

Also, wo sind strengere Kontrollen nützlicher, wo haben sie den gesellschaftlich wichtigeren und größeren Effekt?

Bekim741 
Beitragsersteller
 24.03.2025, 22:21
@HappyMe1984

Viele Menschen kritisieren Sozialleistungsbetrug nicht, weil sie denken, dass es das größte Problem der Gesellschaft ist, sondern weil sie das Gefühl haben, dass Hilfen manchmal nicht dort ankommen, wo sie wirklich gebraucht werden. Gerade bei langfristigem Bürgergeldbezug könnte man überlegen, wie man Anreize zur Arbeitsaufnahme verbessert, ohne jemanden zu bestrafen.

Ich finde, man sollte beide Themen angehen – Steuervermeidung und faire Sozialleistungen. Wenn du sagst, dass Sozialleistungsmissbrauch kaum ins Gewicht fällt, würdest du dann trotzdem sagen, dass das System optimiert werden könnte? Oder hältst du es für komplett gut, so wie es ist?

HappyMe1984  24.03.2025, 22:43
@Bekim741

Wie ich schon schrieb - ich finde, es sollte mit WENIGER Kontrolle, Druck und Stigmatisierung auskommen!

Die Frage ist halt, wie weit will man erwachsene Menschen bevormunden? Wenn jemand meint, er müsse sein Geld für Kippen oder Alkohol ausgeben und dann beim Essen oder der Kleidung sparen, dann ist das zwar eher dumm, aber eben eine Entscheidung, die einem erwachsenen Menschen zusteht und halt auch jemandem, der arbeitslos ist.

Aber vielleicht willst du im nächsten Schritt ja auch die Rente in Sachleistung auszahlen? ;-)