Wehrpflicht: Die Logikfrage?
Abgesehen davon ob eine Wehrpflicht im Bezug auf unsere Sicherheit nötig ist, stellt sich eine weitere Frage: Die Logikfrage.
Macht eine Wehrpflicht in unserer modernen Welt derzeit überhaupt Sinn? Durch eine Wehrpflicht hätte man erst mal wahrscheinlich nur unmotivierte Kandidaten, die sowieso nicht an der Landesverteidigung bzw. am Kriegseinsatz interessiert wären.
Und der größte Punkt der derzeit gegen eine Wehrpflicht spricht: Wie Kriege aktuell geführt werden.
Der Ukrainekrieg ist einer der ersten Kriege der Welt, der extrem unkonventionell und primär über Drohnen geführt wird. Ich habe das Gefühl, Deutschland hat das noch nicht mitbekommen.
Der klassische Fußsoldat der sich mit militärischem Gerät durch die Front kämpft, existiert kaum noch, die Rolle von Panzern im Ukrainekrieg ist von Experten auch fraglich bewertet.
Drohnen sind extrem effizient. Für im Durchschnitt 500€ schalten Drohnen militärisches Gerät aus, dass in der Anschaffung Millionen kostet.
Wenn eine Drohne für 500€ einen gegnerischen Soldaten ausschaltet, hat der Gegner immer noch ein gutes Geschäft gemacht. Die Ausbildung von Soldaten/Berufssoldaten ist auch nicht günstig.
Staaten wie die China konzentrieren sich auf die Massenfertigung von Drohnen und durch Ki können ganze Drohnenschwärme intelligent gesteuert werden.
Wäre es nicht schlauer, wenn Deutschland die aufgenommenen Schulden nicht in eine Wehrpflicht und die dafür benötigte Infrastruktur investiert, sondern in Berufssoldaten und Experten, die sich mit modernen Kriegen und der benötigten Technologie beschäftigen?
Solche Kandidaten sind auch motiviert, die werden ja nicht gezwungen.
Hier ein journalistisch extrem gut aufgearbeitetes Video zur modernen Kriegsführung:
7 Antworten
die sache mit der motivation stellt sich irgendwie immer nur beim militärdienst.
einen pflichtdienst für andere dienstleistungen sehen viele ja komischerweise positiver an. ob die leute aber da bock drauf haben?
ich kenne z.b. etliche junge leute die es zur bundeswehr zieht.
weil eben klassische "männerdinge". :D
es geht ja auch nicht nur darum ob man jetzt gut kämpfen kann sondern militär und wehrdienst ist so viel mehr.
angefangen bei der disziplin über ordnung, anstand, pflichtbewusstsein, durchhaltevermögen, kameradschaft etc.
einfach auch mal an die eigene grenze geraten und belastbar zu werden.
ich weis das klingt wie so ein altherren-stammtischgeschwätz aber das war so das erste mal für etliche, dass sich junge männer wirklich abnabeln und "da draussen" klarkommen müssen. ich denke das kann tatsächlich von vorteil sein.
was bringts dir denn ein paar geübte drohnenpiloten zu haben aber der rest ein einziger sauhaufen ist? dann sind wir genau so effektiv wie die taliban.
Der klassische Fußsoldat der sich mit militärischem Gerät durch die Front kämpft, existiert kaum noch, die Rolle von Panzern im Ukrainekrieg ist von Experten auch fraglich bewertet.
Das ist so nicht richtig. Gerade der Ukraine-Krieg hat ja gezeigt, dass Abnutzungskriege mit Frontverläufen nicht der Vergangenheit angehören und da wurden auch jede Menge Wehrpflichtige als Kanonenfutter einfach verheizt.
Das die Ausrüstung sich ändert und Drohnen ein wichtiger Teil der Taktik sind, ändert nichts an der Tatsache.
Btw. "Lambda-Ritter" ist nicht unbedingt die beste Quelle. Ja, der kann seine Argumentation oft mit Quellen belegen aber seine ganze Argumentation hat eben auch immer einen BIAS. Quellen, die seine Argumentation nicht stützen, kommen bei ihm nicht vor und Kontext geht bei ihm sehr gerne unter. Er ist halt ein Meinungs-Influencer und keine Info-Quelle.
Ich bin aus Österreich und bei uns gibt es heute quasi noch die Wehrpflicht, aber ich zählte sogar noch zu den Jahrgängen, die zum Bundesheer mussten und Zivildienst war nur unter Angabe von schwerwiegenden Gründen möglich, die es einem verbieten, den Dienst mit der Waffe durchzuführen. Vor eine Kommission wollte ich dann doch nicht, also musste ich da durch, das war 1989 auf 90, und ich muss sagen, dass ich immer gegen die Wehrpflicht war, denn wie du richtig als Argument angibst, sind dann die allermeisten unmotiviert. So war es auch bei uns. Die ganz wenigen Motivierten strebten nach dem Grundwehrdienst sowieso eine Karriere als Soldat an. Ich muss aber auch noch dazu bemerken, dass zu meiner Zeit noch mehrere unmotiviert waren, weil man den Zivildienst noch nicht freiwillig machen durfte. Nachdem das dann doch so war, waren beim Heer dann doch mehr Motivierte, weil die Zeit zu dienen außerdem auch noch kürzer als beim Zivildienst war.
In Österreich ist es heute also immer noch so, dass man irgendeine dieser beiden Optionen machen muss , aber man kann sich einfach so zum Zivildienst melden, im Unterschied zu früher. Dies wird bei uns also höchstwehrscheinlich beibehalten. Überhaupt realisierte ich erst vor ca 3 Jahren (als ich es las), dass es in Deutschland schon länger keine Wehrpflicht nmehr gibt, aber ich hatte mit dem Thema ja auch wenig zu tun in den letzten Jahren.
Also bei der Frage der Wehrpflicht im Allgemeinen muss man eben noch dazu bemerken, ob man es sinnvoll findet, auch den Zivildienst als Pflicht zu machen (also entweder Heer oder Zivildienst) oder nur Heer. Und die weitere Frage, ob man Untaugliche (also eingeschränkt Taugliche, nicht total Untaugliche) dann zum Zivildienst verpflichtet.
Wie auch immer , ich fände es sinnvoll, wenn den Heeresdienst nur Freiwillige ausführen, denn diese sind auch motiviert. Ich wäre auch für ein Berufsheer, aber hier stellt sich die weitere Frage, ob das mit den Gehältern dann auch für den Staat gut finanzierbar ist und ob es dann zu wenig Soldaten wären ? Oder ob man heutzutage mit den neuen Bedrohungen nicht eher wieder auf eine allgemeine Wehrpflicht zurückkommen sollte. Wie gesagt, wenn ich es als mein eigenes Gefühl bewerte, dann bin ich gegen eine Wehrpflicht, aber es ist ja im Leben auch so, dass man nicht immer nach seinen Gefühlen leben darf, da es auch Pflichten gibt, die sich stellen und sinnvoll wären. Es ist also nach wie vor eine Frage , über die es viele Diskussionen gibt und die Politik ist gefragt. Diese ist ja auch beeinflusst, wie man weiß und tut nicht immer das beste, um es gelindert auszudrücken. Das ist wohl in jedem Land so.
Dein Argument betreffend "Weiterentwicklung des Krieges" und das mit den Drohnen finde ich aber auch gut überdacht und ich glaube auch, dass bei einer allgemeinen Wehrpflicht (wie das auch früher schon war) viel Geld heruasgeworfen wird und wenig Sinnvolles dabei herauskommt.
Abgesehen davon, daß das Unsinn ist, um gegen die wiedereinsetzung der Wehrpflicht sich was aus den Fingern zu saugen, erläuter mal, ob die Ukraine, ohne Infranterie, Artellerie und Infranterie, irgendein ydorf hätte zurück erobern können, oder irgendwas aufhalten können. Bin gespannt. Weder Panzer noch Infanterie oder gar Artellerie sind überflüssig. Das Einsatzspektrum hat sich verschoben - auch dem geschuldet, daß die Ukraine, bezüglich Luftüberlegenheit, im Nachteil war.
FALLS es dazu kommt, dass es eine allgemeine Dienstpflicht für ALLE geben wird, werden sich auch genügend junge Leute ( nicht nur Männer!) finden , die Wehrdienst leisten wollen. Die bilden dann die Grundlage für die Berufsarmee.
Natürlich können auch "Wehruntaugliche" zu einem sozialen Dienst heran gezogen werden.