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Wann -es als Suffix im Genitiv bei Substantiven?

Hallo, bis vor kurzem war ich der Ansicht, es sei der Förmlichkeit zuliebe möglich, bei der Bildung des Genitivs im Singular maskuliner oder neutraler Nomen beliebig -es statt -s als Suffix anzuhängen (Außer wenn -en, -em, -el oder eine Verkleinerungssilbe als Endung vorliegen). Nun kam es kürzlich zu Uneinigkeiten bezüglich der Deklination des Wortes "Atomwaffentest", wobei ich durch meine Recherche lediglich auf weitere Fragen gestoßen bin.

So bin ich heute auf dem Stand, dass -es in der Regel nur als Suffix angewandt wird, falls eine der folgenden Bedingungen vorliegt:

  • Das Substantiv endet auf einen Zischlaut
  • Der Genitiv wird vorangestellt, z.B.: "des Tages Hitze, des Waldes Kühle"
  • Bei Komposita mit Fugen-s
  • Bei ein- / zweisilbigen Nomen
  • Bei einfachen Nomen die mit mehreren Konsonanten enden

So kam ich zu dem Schluss, dass der einzig korrekte Weg "Atomwaffentest" in den Genitiv zu setzen Atomwaffentests lautet, und es sich bei Atomwaffentestes um einen Deklinationsfehler handelt. Während mir das online Wiktionary, wie auch das aktuellste Chat-GPT-Modell mit dem ich debattiert habe (da ich keinen Germanistikstudenten, Deutschlehrer, o.Ä. kennte wusste ich mir nicht anders zu helfen) hier zustimmt, versetzt die Hypothese mich in einen Zwiespalt, da Komposita mit ähnlichen Eigenschaften, wie Birkenwald, vom Wiktionary alternativ mit -es versehen werden.

Ich erhoffe aus den Antworten etwas Klarheit fassen zu können und wünsche einen angenehmen Abend.

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Ab wann habt ihr angefangen, nach der neuen Rechtschreibform zu schreiben? Oder benutzt ihr noch die alte Rechtschreibung?

Die Rechtschreibreform war im Jahr 1996 und wurde 1998 angenommen – aber die wenigsten fingen ab 1996 oder 1998 an, „dass“ zu schreiben, anstelle von „daß“.

Laut Google Ngram überholte „dass“ „daß“ erst ab Anfang 2002 – und da zählen nur Bücher, Bedienungsanleitungen oder aber auch Unternehmen wie beispielsweise Microsoft übernahm die neue Rechtschreibreform schon recht früh, nämlich bereits ab etwa Sommer 1998 oder etwas früher (bei Windows 95 und NT 4.0 wurde noch die alte Rechtschreibung verwendet, ab Windows 98 wurde bereits die neue Rechtschreibreform übernommen).

Bei inoffiziellen Situationen hielte die ältere Rechtschreibung vor 1996 wahrscheinlich noch etwas länger als bei Büchern, Unternehmen,…

Auch Wörter wie „plazieren“, „Pußta“, „potentiell“, „Schiffahrt“, „wieviel“ und „aufwendig“ wurden nach der Rechtschreibreform von 1996 in „platzieren“, „Puszta“, „potenziell“, „Schifffahrt“, „wie viel“ und „aufwändig“ angepaßt. Und tausende andere Wörter waren ebenfalls von der Rechtschreibreform betroffen, auch Zeilentrennungen waren betroffen, beispielsweise wurde „Zuk-ker“ in „Zu-cker“ umgeändert.

Weitere Beispiele siehe hier: https://de.m.wiktionary.org/w/index.php?limit=500&offset=0&profile=default&search=Sie+ist+nach+der+reformierten+Rechtschreibung+von+1996+nicht+mehr+korrekt.&title=Spezial:Suche&ns0=1

Auch interessant: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Reform_der_deutschen_Rechtschreibung_von_1996/Neuerungen

Ab welches Jahr habt ihr nach der neuen Rechtschreibung geschrieben? Oder gebraucht ihr auch im Jahr 2025 noch die alte Rechtschreibung?

Bild zum Beitrag
Ich kenne nur die neue - ich war zu jung oder noch nicht geboren. 40%
1996–1997 (oder früher) 27%
1998–1999 7%
2000–2002 7%
2006–2009 7%
2020–2025 7%
Ich gebrauche heute noch die alte Rechtschreibung. 7%
2003–2005 0%
2010–2014 0%
2015–2019 0%
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Was haltet ihr von Menschen, die noch die alte Rechtschreibung verwenden?

Mir ist es unbegreiflich, wieso manche, insbesondere Millennials und Generation Z, sich beschweren, wenn jemand „daß“ statt „dass“ schreibt, oder „Schiffahrt“ statt „Schifffahrt“, denn das war die einzig richtige Schreibweise bis 1996, „dass“ und „Schifffahrt“ sind demnach eher die falschen, insbesondere vor 1996.

Denen müßten schon klar sein, daß die Rechtschreibreform nur eine Empfehlung ist, keine Pflicht (außer in Schulen), auch im Jahr 2025. Und auch die nächstfolgenden Jahre.

Die deutschsprachigen Staaten (Bund und Länder) können und dürfen zwar Regeln für Sprache und Rechtschreibung erlassen, Gesetzeskraft haben diese Regeln aber nicht. Der einzelne Bürger kann also nicht verpflichtet werden, eine besondere Rechtschreibung einzuhalten.

Und auch an meiner Rechtschreibung ändert sich nix, egal wieviele sich beschweren.

Was haltet ihr also davon, wenn jemand nach der alten Rechtschreibung schreibt, also „daß“, „potentiell“, „Schiffahrt“, „plazieren“ und die Zeilentrennung „Zuk-ker“ (für „Zucker“) schreibt, statt „dass“, „potenziell“, „Schifffahrt“, „platzieren“ und „Zu-cker“ (und tausende weitere Wörter, die sich verändert haben)?

Oder seid ihr diejenigen davon, die auch die alte Rechtschreibung verwendet und die neue Rechtschreibung ablehnt (ich bin einer davon)?

Was ist eure Meinung über die Rechtschreibreform 1996? Hat sie die deutsche Sprache verbessert oder verhunzt?

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