Kann ich mir mit dem Gehalt ein Pferd leisten?

15 Antworten

Ob man sich mit 3100 € netto im Monat ein Pferd leisten kann, hängt von vielen Faktoren ab.

Wo wird das Pferd gehalten?

Die Stallkosten variieren stark:

  • Offenstall/Selbstversorger: 300–600 €
  • Vollpension in einfacher Anlage: 450–900 €
  • Reitanlagen mit Rundum-Service: 800–2500 €
Welche Leistungen braucht man wirklich?
  • Fütterung & Misten: Selbstversorgung ist "günstiger", aber zeitaufwendig. Mehrkosten für Heu, andere Futtermittel.
  • Reitunterricht & Beritt: Monatlich 100–500 € extra.
  • Hufschmied: 50–150 € (je nach Hufbearbeitung oder Beschlag).
  • Tierarzt & Versicherung: 50–200 € pro Monat (je nach Bedarf).
Umfeld & persönliche Situation
  • Lebt man in einer teuren Region? (z. B. Ballungsräume sind teurer)
  • Hat man weitere finanzielle Verpflichtungen (Miete, Auto, Familie)?(Plötzliche)
  • Gibt es finanzielle Puffer für Notfälle? (OPs können mehrere Tausend Euro kosten)(Auch für andere Gebiete, Wohnungsverlusst, Trennung etc.)
Soziale Sicherheiten & Unterstützung

Eltern, Familie & Freunde

  • Können und wollen die in Notfällen finanziell einspringen?(Dauerhaft) (z. B. teure Tierarztrechnungen, plötzliche Arbeitslosigkeit)
  • Haben sie Zeit, das Pferd zu versorgen, wenn man selbst verhindert ist? (z. B. Krankheit, Urlaub, Überstunden)(Dauerhaft)

Partner/Freund

  • Ist er/sie bereit, Verantwortung mitzutragen? (Emotional, finanziell, zeitlich)
  • Ist er bereit mehr Kosten zu übernehmen, wenn das Pferd mal wieder Geld frist?(Geld fürs neue Auto fehlt, für den neuen Kühlschrank, fürs mal eben Urlaub machen?)
  • Kann er/sie gelegentlich mithelfen oder so gut reiten, um Kosten für Beritt oder Betreuung zu sparen?
Also bleibt immer:
  • Ja, wenn man sparsam wirtschaftet und auf Luxus verzichtet.
  • Nein, wenn man kaum Spielraum im Budget hat oder ein teures Umfeld hat.
  • Vielleicht, wenn man bereit ist, auf andere Freizeitaktivitäten zu verzichten und genau kalkuliert.

Man kann mit deutlich weniger Einkommen Pferde halten, wenn man es kann. Andere benötigen deutlich mehr Geld, weil sie es eben nicht können.

Echte Selbstversorgung – Kosten, die oft unterschätzt werden:

Grundkosten (200–460 €/Monat sind unrealistisch niedrig)

  • Steuern/Abgaben/ Wasser & Strom für Tränken, Licht, Elektrozaun
  • Entsorgungskosten
  • Versicherungen (Haftpflicht, evtl. OP-Versicherung)
  • Hufschmied/Hufbearbeitung (mind. alle 6–8 Wochen)

Investitionen für eigenen Stall & Weiden

  • Bau & Erhalt des Stalls (Material, Arbeitszeit) (Sturm/Hochwasser/Dürreschäden)
  • Zäune (Elektrozaun hält nur 3–5 Jahre, Holzzäune müssen regelmäßig repariert werden)
  • Tränkesysteme (Frostsicherheit, regelmäßige Wartung)

Maschinen & Betriebsmittel

  • Maschinen: Traktor, Weidemäher, Anhänger – kaufen, leasen oder mieten?
  • Betriebsmittel: Benzin/Diesel, Wartungskosten für Maschinen
  • Bodenpflege: Bodenproben, Saatgut, Dünger, Drainagen – alles kostet Geld

Bei einer Stallmiete von 300-350 Euro dürfte aber einiges an Eigenleistung dabei sein, oder? Kannst du die zeitlich gewährleisten? Ich mein, über 3000 Euro netto verdient man ja eher nicht in 08/15-Jobs, wo man sich Punkt 16 Uhr in den Feierabend verabschiedet und freitags schon mittags verschwindet... Was ist, wenn du mal heftig krank bist? Und da du Urlaub bereits erwähnst - wie willst du das dann organisieren? Und bist du auch bereit dazu, deine möglicherweise eh schon knappe Freizeit dann wegen dieser Eigenleistungen nahezu vollständig im Stall zu verbringen? Sind die anderen Menschen in deinem Leben auch fein damit ;)?

Wenn ich hier bei mir in der Gegend - Großstadt, aber Niedriglohnregion - mal kurz google, stoße ich bei Ställen, die eine geeignete Vollpension für Vollzeit-Plus-Berufstätige anbieten, eher auf Preise zwischen 450 und 600 Euro pro Monat. Eben inklusive Futter, Einstreu, Misten, Koppelgang plus Raus- und Reinstellen, Hallennutzung.

Auch im Pferdebereich sind etliche Kosten, gerade auch fürs Futter, in letzter Zeit massiv gestiegen. Werte aus dem Netz vor 5 oder 10 Jahren dürften inzwischen oft nicht mehr passen. Sollte es mal wieder einen extrem trockenen Sommer geben, schießen auch ganz schnell die Kosten für geeignetes Heu komplett durch die Decke (siehe 2018...).

Von daher, wenn du eine realistische Rechnung willst, schau dich nach Ställen um, die dir von der Haltungsform grundsätzlich gefallen könnten und frag dann dort ganz konkret nach, welche Kosten für welche Leistungen auf dich zukommen. Überleg dann, ob die Leistungen ausreichen, so in Verbindung mit der Uhrzeit und Dauer, die du im Stall langfristig verbringen kannst und möchtest. Bei dieser Tour durch die Ställe in deiner Umgebung kannst du dann sicherlich dort auch direkt mal nachfragen, mit welchem Hufschmied sie arbeiten und welche Kosten dafür anfallen.

Und vergiss dabei auch nicht, die Möglichkeiten für Unterricht abzuklopfen, am besten auch direkt in Form von ein paar Probestunden auf Schulpferden dort! Denn auch und gerade mit dem eigenen Pferd sollte man professionelle Trainerunterstützung niemals vernachlässigen.

Mit dem Gehalt ist die Pferdehaltung sicherlich schon in greifbarer Nähe, geht aber natürlich dann trotzdem mit Einschränkungen an anderer Stelle einher. Entweder in finanzieller Hinsicht, weil du die Arbeitsleistung anderer bezahlen musst, oder aber in zeitlicher Hinsicht, weil du diese Arbeitsleistungen selbst erbringen musst. Ob und auf welche Weise du das möchtest, solltest du genau durchdenken. Realistisch und selbstkritisch, nicht euphorisch mit der rosaroten Brille des Traums aus Kindertagen...


Maraliiis 
Beitragsersteller
 21.03.2025, 23:59

In meiner Gegend ist tatsächlich ein Stall der viel in den 350€ beinhaltet. Heu, abäppeln, Einstreu, Pferde rein und raus stellen, halle, Plätze. (Die ganzen Service Sachen gelten wohl nur Sonntags nicht). Bei anderen Ställen stehen zumindest online keine Preise, da müsste ich nachfragen. Der Job wäre tatsächlich als nachtwache, also habe ich tagsüber, zumindest in der freien Woche den ganzen Tag Zeit. Vertretungstechnisch falls krank hätte ich auch schon Leute im Kopf. Natürlich ist es eine große Entscheidung die einiges an Geld, Zeit und Arbeit beinhaltet. Daher informiere ich mich einfach ganz genau und kann dann in den nächsten Jahren abwägen ob ich das ganze wagen möchte oder eher nicht. Danke für deine ausführliche Antwort :)

HappyMe1984  22.03.2025, 00:20
@Maraliiis

Nachtwache? Hui. Wie viel würdest du in deinem Beruf denn ohne (ausschließliche) Nacharbeit verdienen? Wärst du dort sehr wahrscheinlich weiterhin in dieser Gehaltsklasse unterwegs? Oder basiert die ausschließlich auf dem Plus durch Nachtzuschläge?

Denn wenn du ohne Nachtarbeit deutlich weniger raus hättest, dann ist dein Plan insgesamt EXTREM riskant! Nachtarbeit kann erhebliche gesundheitliche Folgen haben, nur die Wenigsten halten diese Art der Arbeit über viele Jahre oder gar Jahrzehnte hinweg aus! Wenn du dann nach 5, 6 Jahren merkst, dass dir dieser verdrehte Rhythmus ebenfalls auf die Gesundheit schlägt, hat dein Pferd aber noch gute 15, 20 Jahre vor sich, in denen es weiterhin gut versorgt werden muss...

Wolpertinger  22.03.2025, 08:12
@Maraliiis

Du willst vollzeit in der Nachtwache arbeiten, das bedeutet in regulären Einrichtungen 18 Nächte im Monat, da ist nichts mit einer frei Woche.

Davon abgesehen, dass du als Dauernachtwache nach deinen Nächten mindestens 1-2Tage brauchst um wieder klar zu kommen.

Dauernachtwache ist anstrengend, körperlich auch

psychisch.

und wenn du aebeitest muss das Pferd trotzdem versorgt werden wenn du keine Stall findest wo das Pferd ausreichend Bewegungsanreize hat zum laufen (und so Ställe gibt es kaum) bededeutdt das Reiten putzen, füttern usw, bedeutet spätestens um 15Uhr I’m Stall sein.

Ich Mach 12Std Nachtdienste ich habe mit ausreichend Schlaf und dem

was man halt so machen muss

am Tag kaum Zeit an den Tagen wo ich arbeiten muss und das obwohl in ch zum Stall und the Arbeir nur kurze Strecken habe

Und lads dir gesagt sein ein Stall der die for 350€ diese Leistung anbietet der kann entered nicht kalkulieren oder er spart an der Qualität.

Dieses Jahr kostet Stroh die Tonne im Durchschnitt 130€ es gibt Preise bis 160€

Was meinst du wie der Pensionsbetreiber diese Kosten stemmt bei den niedrigen Einkünften?

Ee wird weniger Enstreueu oder mangelhafte Ware kaufen.

Maraliiis 
Beitragsersteller
 22.03.2025, 16:39
@Wolpertinger

Sorry vollzeit stimmt nicht ganz, 35 Std Woche ist es bei uns. Heißt 7 nächste a 10 Std am Stück und dann halt 7 Tage frei. Natürlich weiß ich das nachtdienste anstrengend sind, deshlab möchte ich das ganze ja auch erstmal eine Zeit lang testen und schauen wie ich es verpacke. Das pferd muss nicht morgen auf der matte stehen, ich lasse mir Zeit es kann ruhig noch ein paar Jahre dauern. Und dann wird man sehen ob der Wunsch immer noch so präsent ist :)

HappyMe1984  23.03.2025, 01:21
@Maraliiis

Es ist sicherlich klug, diesen Plan nicht zu überstürzen. Ich würde dir für diese "Testphase" aber auch unbedingt dazu raten, zumindest regelmäßig Unterricht zu nehmen oder, noch besser, eine Reitbeteiligung zu suchen! Gerade mit einer RB simulierst du das Leben mit einem eigenen Pferd ja auf gewisse Weise und kannst somit besser abschätzen, ob dieser Job und ein eigenes Pferd für dich gut zusammenpassen oder eher nicht. Und im Austausch mit dem Besitzer dieser RB kannst du dann ja auch umso besser ein Bild davon bekommen, welche Kosten so anfallen :).

Maraliiis 
Beitragsersteller
 23.03.2025, 22:15
@HappyMe1984

Ich bin aktuell auch auf der Suche nach einer reitbeteiligung :) Ich hatte jahrelang Unterricht hatte aber jetzt auch mehrere Jahre eine reitpause also muss ich sowieso wieder komplett reinkommen. Außerdem hab ich einen jungen Hund der auch erstmal an pferde und pferd reiten gewöhnt werden muss :) Deshalb mache ich mir da zeitlich gar kein Stress.

lynnmary1987  25.03.2025, 07:14
@Maraliiis
Heißt 7 nächste a 10 Std am Stück und dann halt 7 Tage frei. 

Heißt: Pferd steht für eine Woche und soll dann eine Woche als Unterhaltung dienen.

Heißt: kein kontinuierliches Training möglich = kein vernünftiger Muskelaufbau und -erhalt möglich! Und ja, Muskeln verlieren sich tatsächlich SO schnell wenn das Tier eine Woche lang steht und das alle zwei Wochen.

Wenn man so ein Tier dann trotzdem noch gesundherhaltend reiten möchte, also mehr als nur 5-8 Jahre ein reitbares, gesundes Tier haben möchte, dann muss in der Woche in der du tagsüber deinen Schlaf nachholst mindestens ein zweiter Mensch für kontinuierliches Training sorgen können. Mit einer RB wirst du das nicht VERLÄSSLICH hin bekommen. Nicht weil es keine verlässlichen RBs gibt sondern weil du die erstmal finden musst und wenn dein Plan auf Leuten basiert, die du jetzt noch gar nicht kennst, dann ist es ein Wolkenschloss und kein Plan.

Was du fix planen kannst ist ein Mensch den du für diese Arbeit bezahlst. Aber das sprengt dein ohnehin schon wackeliges Budget.

Ich denke das geht aber Versuch vielleicht dir erstmal einen Puffer von ca 5000 Euro anzulegen dass du das Pferd nicht sofort verkaufen musst wenn sich deine Situation ändert oder das Pferd mal krank ist. Du musst auch darauf achten was ein Pferd alles an Anschaffungskosten kostet( Sattel der gut passt ist oft sehr teuer). Dann musst du dir die Fragen stellen:

  • Will ich mal Kinder?
  • Habe ich Menschen die mich finanziell absichern?
  • Hab ich Vermögensanlagen (Haus etc)? Wenn ja welcher Wert und könnte ich sie verkaufen?
  • Was passiert wenn meine Lebenshaltungskosten steigen?
  • Was passiert wenn mein Pferd einen teureren Stall braucht (Allergiker oder so)?
  • Was passiert wenn ich meine Wohnung verliere?
  • Hab ich finanzielle Rücklagen?
  • Rentenvorsorge?
  • Urlaub?

Ich kann dir ans Herz legen eine Excel Tabelle zu erstellen mit allen Einnahmen und Ausgaben von dir.

Bei dem Pferd musst du einrechnen:

  • Stallpreise bei dir in der Nähe
  • Hufschmied (Eisen oder Barhufer)
  • Versicherungen
  • Tierarzt (Impfungen Wurmkur Kontrolle usw)
  • Verschleiss von Zubehör
  • Unterricht
  • Ostheopathie
  • Futter
  • Vielleicht hab ich was vergessen

Ich hab Freunde die arbeiten Wochenends Abends auf 538 € Basis an der Kino Kasse so etwas könntest du auch machen.

Wäre ne Reitbeteiligung auf deinem Pferd ne Option für dich weil wenn dein Pferd gut geritten ist bringt das auch noch etwas Zusatz

Ich hoffe ich konnte helfen🤍

Woher ich das weiß:Hobby – Kontakt mit Pferden seit ich denken kann

"Ich habe bald vor den Job zu wechseln" heißt... du hast weder bereits gekündigt, noch bereits eine neue Stelle oder gar den Job überhaupt sicher bekommen, kein Vertrag unterschrieben, keine trockene Tinte...

Mach erst mal das save und übersteh die Probezeit, die jeder Job mit sich bringt, gern mal bis zu 6 Monate. Wenn du dann einen unbefristeten Arbeitsvertrag hast, kannst du Geld beiseite sparen für ein Pferd + Tierarztpuffer.

Spar bitte nicht an den Anschaffungskosten, sonst zahlst du am Ende nur drauf. Große AKU, gesundes Pferd, gute Ausbildung - Minimum!

Zukünftige Puffer bitte nicht vergessen, stell dir vor, dein Gehalt bleibt gleich, aber die Haltungskosten steigen, dass musst du abfangen können! Ich zB habe seit 10 Jahren das gleiche Gehalt, Lebenshaltungskosten sind aber gestiegen, Stallmiete fürs Pferd auch!

Das reicht im Moment. Nur kennt man deine Gesamtsituation nicht. Gewisse Unwägbarkeiten birgt das Leben ja immer - und wenn das Polster nicht sehr dick ist, und der Lebensplan nicht komplett festgezurrt ist, kann es natürlich eher passieren, dass einem das Leben einenStrich durch die Rechnung macht. An deiner Stelle würde ich mir bei der Anschaffung eines Pferdes immer darüber im Klaren sein, dass man im Zweifel auch bereit sein muß, sich unter Umständen auch wieder vom lieb gewonnenen Tier zu trennen.

So ging es mir… Es schien alles zu passen, aber am Ende wuchs mir alles doch über den Kopf. Ich habe dann die Gelegenheit genutzt, das Pferd in gute Hände weiterzugeben. Denn „Lieben heißt loslassen können“, statt sich eine schwierige Situation schönzureden.


Maraliiis 
Beitragsersteller
 22.03.2025, 16:25

Ja da hast du vollkommen recht...Darüber muss man sich immer im klaren sein.

Das tut mir leid für dich das du dein geliebtes pferd abgeben musstest! Aber Stärke heißt auch sich darüber im klaren zu sein wenn man seinem pferd nicht mehr gerecht werden kann weil man selbst mit allem überfordert ist🙏🏻