Richtiges Verhalten bei Krankheit einer Freundin?
Guten Abend,
ich bin ein vom Typ her recht offener, fröhlicher Mensch, meist gut drauf, denke immer positiv und genieße das Leben, so gut es geht - ich bin lebensfroh. Ich lache zwar nicht immer, aber ich bin kein introvertierter, stiller und nachdenklicher Typ.
Normalerweise gibt es da nie Probleme mit anderen, wobei mir auch schon bei einem Krankheitsfall in der Familie unterstellt wurde, ich wäre "nicht traurig genug" (da ging es um meinen Bruder, wobei Familie bei mir so ein Thema ist... muss man nicht erörtern an der Stelle).
Jedoch hat eine Freundin von mir große familiäre und gesundheitliche Probleme und ich weiß nicht, wie ich ihr begegnen soll. Wir haben eigentlich schon immer ein total liebes und gutes Verhältnis, momentan geht es ihr jedoch sehr schlecht wegen der Familien- und Gesundheitssache.
Ich habe (ohne dass sie es je gesagt hat) im Herzen das Gefühl, dass sie mit meiner Art ein Problem haben könnte, weil es ihr so schlecht geht und ich einfach wie immer der Fröhliche bin, der gern lacht, positiv denkt, weder traurig noch betroffen ist, sondern "so wie immer".
Ich möchte mich nicht verstellen und ihr gegenüber auf traurig, introvertiert und sonstiges machen, allerdings will ich sie auch nicht verletzen, wenn ich einfach ich selber bin - denn eigentlich hasse ich es, wenn man sich verstellt. Ganz aus dem Weg gehen und den Kontakt vermeiden kann ich nicht.
Nicht falsch verstehen: Ich bin anteilnehmend und mitfühlend, aber ich versinke nicht in Trauer, wenn was ist, sondern blicke immer nach vorne. Ich habe aber das Gefühl, dass ihr meine Art, die manche als herzlich und heiter ansehen, im Moment eher zusetzt - sie sieht ja, wie gut es mir geht und wie schlecht es ihr geht. Ich bedauere sie sehr!
Einerseits sollte mir das sicherlich egal sein, andererseits bin ich nicht unempathisch und wollte euch fragen, was ich machen sollte...
Danke & Grüße!
Wie alt seid ihr?
Beide Anfang 30.
Passiert dir das mit der Empathielosigkeit oft oder nur bei bestimmten Ereignissen? Schränkt dich das im Alltag sehr ein?
Ganz selten mal und es schränkt mich gar nicht ein.
Ich habe nur bei "traurigen Anlässen" als den Gedanken, ich könnte den Leuten zu positiv sein.
3 Antworten
So wie du es beschrieben hast, kann ich dir Recht geben: sie ist verträgt durch ihre familiären und gesundheitlichen Probleme keine Freude - oder nur wenig. Falls wenig, dann kannst du sie kurz treffen, bis sie es nicht weiter aushält.
Also da du mir das ein wenig mehr erklärt hast, würde ich dir einfach raten, dass du der Freundin einfach offen gestehst (sowie hier), dass du manchmal eben keine Empathie fühlen kannst und das nicht wegen ihr persönlich etwas ist. Somit weiß sie vornherein Bescheid und ist bei einer empathielosen Reaktion von dir "bewaffnet", sodass sie sich nicht verletzt fühlen muss bzw. weniger verletzt fühlt
Einfühlungsvermögen,
lieber rotesand,
und Anteilnahme sind sowohl die grundlegenden Voraussetzungen als auch die Bestandteile einer Freundschaft zwischen zwei Menschen.
Wenn der Freund nun in eine Lebensphase gerät, in der ihm gewisse Umstände und Entwicklungen zusetzen und er auch um seine Gesundheit bangen muss, so nimmt ein jeder gute Freund daran Anteil.
Wichtig ist dann jedoch, vor lauter Anteilnahme mit dem Freund nicht im Mitgefühl zu versinken, sondern innerlich so viel Kraft zu haben, einen klaren Kopf zu bewahren, um die Lage überblicken zu können und dem Freund angemessen beistehen und ihn unterstützen zu können.
Diese wichtigen Dinge, lieber rotesand, sind bei Dir als Freund gegeben. Auch denke ich nicht, dass Deine Freundin Dein Verhalten und Deine Haltung als unangemessen betrachtet, weil Du Dich selbst in dieser Situation als zu heiter wahrnimmst.
Vielmehr denke ich, dass es Dein eigenes Erleben ist, dass Dich nun darüber perplex darüber bist, dass Du wegen der Sorgen Deiner Freundin aus Anteilnahme nicht in grenzenlosen Seelenschmerz und Gram verfällst! Mir kommt es gerade so vor, als dass Du darüber haderst, dass es Dir gut geht, wo es Deiner Freundin doch so schlecht geht!
Es ist, lieber rotesand, nach meinem Dafürhalten, ein Schutzmechanismus Deiner Psyche, der sich eingeschaltet hat und zum Tragen kommt, durch Deine Anteilnahme nicht in grenzenlosen Schmerz des Mitleids zu verfallen, sondern Dich emotional so weit einzusetzen, dass Du zwar mitfühlst, aber dennoch nicht Gefahr läufst, im Schmerz zu versinken!
Und das ist gut so, lieber rotesand! Denn Du musst Dir überlegen, dass Du Deiner Freundin damit nicht hilfst, wenn Du Dich um ihretwillen so bekümmerst, dass Ðu vor lauter Mitgefühl in Niedergeschlagenheit und Schwermut untergehst. Sondern ich bin der Überzeugung, dass d a s, was Du an Dir als "heiter" ansiehst, in Wirklichkeit nichts anderes als Zuversicht und Hoffnung ist, die Du als positiv denkender Mensch Deiner Freundin entgegenbringst und Deiner Freundin mit Glauben an die Zukunft und einer optimistischen Lebenseinshaltung zur Seite stehst!
Ich bin mir ganz sicher, lieber rotesand, dass Deine Freundin dies genauso sieht und froh darüber ist, dass Du die Zuversicht nicht verloren hast und ihr dadurch Mut gibst! Denn nichts ist für einen Freund schlimmer, als wenn man mit ihm in Hoffnungslosig-keit verfällt und dem Freund dadurch signalisiert, dass es in seinem Leben keine Chance mehr auf bessere Zeiten gibt und ihm so jeden Mut nimmt!
So sage ich, lieber rotesand, es ist gut, dass Du nicht in Trübsinn versinkst!Bleibe Dir und Deiner positiven und lebebsbejahenden Einstellung und Sicht der Dinge treu und stehe weiter zu Dir. Du kannst Dir selber, und dadurch auch Deiner Freundin, keinen Besseren Dienst tun, als ihr in Zuversicht, Mut und Beherztheit zur Seite zu stehen! Und wenn Du dies dann auch noch auf herzliche Weise tust, dann kann ich Deine Freundin zu Dir als Freund nur beglückwünschen! Denn einen solchen Freund kann man sich nur wünschen, wenn es einem im Leben wirklich einmal schlecht geht! Und ich denke, Deine Freundin sieht dies genauso!
Versuche daher, lieber rotesand, über Dich und Deine Haltung nicht unsicher zu sein! Sondern sei Dir Deiner konstruktiven und wertvollen Gefühle und Hilfe als Freund bewusst und stehe Deiner Freundin auch weiter unverzagt, tapfer und heherzt zur Seite! Denn dadurch gibst Du ihr die lebenswichtige Hoffnung: "Alles wird gut!"
Alles Liebe und Gute!
Mit herzlichen Wünschen!
Regilindis