Ist "Saudis" für Saudi-Arabier*innen abwertend?
Seit Jahrzehnten ist, auch in seriösen Medien wie Tagesschau und Heute-Journal, immer nur von "den Saudis" die Rede wenn es um die Einwohner von Saudi-Arabien oder um deren Regierung/Königshaus geht.
Zig andere Begriffe wurden seit meiner Kindheit geändert: Als sich die Tschechoslowakei in zwei Länder spaltete benutzte man nicht mehr den Ländernamen "Tschechei", sondern benannte das Land in "Tschechien" um.
Die Einwohner Ghanas hießen plötzlich nicht mehr "Ghanesen", sondern "Ghanaer", was absolut falsches Deutsch ist, denn die Einwohner Chinas heißen weiterhin Chinesen.
"Eskimos" heißen jetzt "Innuit", Pakistanis heißen "Pakistaner". "Zigeuner" heißen "Sinti und Roma".
Und "Flüchtlinge" nennt man neuerdings "Geflüchtete", weil die Endung "...ing" angeblich negativ besetzt sei. Und zwar wegen "Schädling", "Häftling" uvm. Und das obwohl es auch positive...ing-Endungen gibt wie "Liebling" oder "Silberling".
"Saudi" ist hingegen echt kein schönes Wort. Die Königsfamilie in diesem arabischen Land kann ja nichts dafür, dass ihr Familienname uns Deutsche an das weibliche Schwein erinnert, aber da wir "Pakistanis" ja auch schon zu "Pakistaner" umbenannt haben (obwohl sich die Menschen in Pakistan selber "Pakistani" nennen), wäre dann nicht "Saudier" zeitgemäßer?
Warum sagen wir nicht "Saudier" und "Chinaer"?
Oder bennenen wir nur unterprivilegierte Völker alle zehn Jahre um?
19 Stimmen
7 Antworten
Das scheint einer arabischen Aussprache nachgebildet zu sein (allerdings ist es im Arabischen kein Diphthong), also läßt sich dagegen nicht viel einwenden.
Und ja, ich sage auch Pākistānī, weil die Leute sich selbst so nennen, allen politischen Regeln des deutschen Außenministeriums zum Trotz.
Außerdem ist mir das völlig egal und die Diskussion darüber halte ich für überflüssig.
Ich nenne sie auch so. Aber die ständige Umbenennung geht mir auch auf die Nerven. Du hast übrigens das Wort "Säugling" vergessen, aber vielleicht heißt es auch bald "Saugende", weil man "Säugling" nicht gendern kann. Fürchterlich!
Ich war übrigens noch Lehrling, aber lange schon hat man "Azubi" draus gemacht, weil Lehrlinge angeblich nur für Hilfsarbeiten herangezogen werden, die sonst keiner machen will. Das kann ich in meinem Fall jedoch nicht bestätigen. Und ein *in kann man da auch nicht dranhängen.
Auch bei "Saudier" kann man an ein weibliches Schwein denken, aber ich denke auch bei "Saudis" nicht daran.
Noch etwas: Tschechien hat man nach der Teilung so genannt, auf Wunsch der tschechischen Regierung bzw. der Bevölkerung. Dort wollte man das Wort "Tschechei" nicht mehr hören, weil es an Nazideutschland erinnerte
"Eskimos" heißen jetzt "Innuit", Pakistanis heißen "Pakistaner". "Zigeuner" heißen "Sinti und Roma".
Und "Flüchtlinge" nennt man neuerdings "Geflüchtete", weil die Endung "...ing" angeblich negativ besetzt sei. Und zwar wegen "Schädling", "Häftling" uvm. Und das obwohl es auch positive...ing-Endungen gibt wie "Liebling" oder "Silberling".
In meinem Umfeld ist keine einzige dieser Änderungen relevant. Flüchtlinge werden Flüchtlinge oder Flüchtis genannt. Gelegentlich auch Goldstücke.
Zigeuner kommt von "ziehende Gauner" und ist meiner Erfahrung mit den Roma nach komplett gerechtfertigt.
Als Arabisch-Dolmetscher sage ich: Saudis (mit kurzem s und langem betonten u, also nicht wie das weibliche Hausschwein) ist in Ordnung, denn "Saudi" bedeutet im Arabischen das Adjektiv "saudiarabisch" und das Substantiv "Person aus Saudiarabien, Saudiaraber".
Am Rande sei bemerkt, dass das -an in Taliban die Pluralendung ist, ein einzelner ist ein Talib.