Euer Standpunkt zum thema Abtreibung?

17 Antworten

Generell finde ich die aufgeklärte freie Entscheidung gut und richtig.

Es gibt x Gründe für eine Abtreibung Z.b. Schwangerschaft aus Vergewaltigung oder gesundheitliche Risiken für die Mutter.

Solange mit einer neutralen Person darüber gesprochen wurde ist alles gut und ich würde mir eigentlich mehr Aufklärung und Zugang zu Informationen zum Thema wünschen. Beratung durch eine neutrale Person kann helfen abseits von erwartungshaltungen der Familie eine eigene Entscheidung zu treffen.

Es sollte halt nicht Ersatz für die Pille sein oder auf Druck dritter (werdender Vater, Eltern der schwangeren) geschehen. Aber das sind vermutlich Einzelfälle.

Es sollte legal sein bis zur 30. Schwangerschaftswoche (ca 7. Monat), weil erst dann ein Fötus körperlich weit genug entwickelt ist um wirklich Schmerzen empfinden zu können, laut dem aktuellen Stand der Wissenschaft (meines Wissens nach, siehe Quelle weiter unten).

Ich dachte immer es sei bis zum 3. Monat straffrei machbar, aber jetzt habe ich nachgelesen das es auch im 5. Monat noch geht. Verwirrend, aber gut. Jedenfalls kenne ich mehrere Frauen, die erst im 6. Monat erfahren haben das sie schwanger sind.

3 Monate würden kaum ausreichen um sicher zu wissen das man schwanger ist, sich Gedanken darüber zu machen was man will, es ggf mit dem Partner zu besprechen, eine Beratung bekommen zu haben und eine Entscheidung zu treffen. So etwas sollte man nicht überstürzen, also braucht es Zeit.

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* Quelle: https://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/abtreibungsgegner-vier-aussagen-im-faktencheck-a-1253778.html

Behauptung: Das ungeborene Kind ist zwischen der sechsten und zwölften Woche schon sehr weit entwickelt - und deshalb in der Lage, Schmerzen und Panik zu spüren.

Die Sicht der Abtreibungsgegner: Auf der Seite "Pro Leben" heißt es, die ungeborenen Babys seien früh in der Lage, Schmerzen und Panik zu empfinden, wenn ihr Leben bedroht werde. Auch die "Ärzte fürs Leben" schreiben, dass Kinder ab der neunten Schwangerschaftswoche durch die schon vorhandenen Nervenstrukturen ein Schmerzempfinden haben.

Der Check: In Deutschland können Frauen bis zur 12. Woche* straffrei abtreiben, wenn sie nachweisen, dass sie an einer Beratung teilgenommen haben. Bis zu diesem Zeitpunkt sind im Fötus zwar schon alle Organe angelegt. Gerade komplexe Funktionen müssen sich jedoch noch ausbilden. Das gilt auch für das Schmerzempfinden.

Damit ein Mensch Schmerz bei einer Verletzung spürt, müssen drei Strukturen in seinem Körper vorhanden sein und miteinander interagieren:

  • Ein Rezeptor, der den Schmerz wahrnimmt und in einen Nervenreiz umwandelt.
  • Nervenbahnen, die das Signal über das Rückenmark bis in das Gehirn weiterleiten.
  • Strukturen im Gehirn, die den Reiz in ein Schmerzgefühl übersetzen.

Fehlt eine dieser Komponenten oder ist eine Verbindung gestört, bricht das ganze System zusammen, wie Querschnittslähmungen zeigen: Mit dem Durchtrennen der Nervenbahnen im Rückenmark geht auch das Schmerzgefühl in Teilen des Körpers verloren.

Föten entwickeln in der Regel erst im letzten Drittel der Schwangerschaft die körperlichen Voraussetzungen, um Schmerzen zu empfinden, wie unter anderem in einer Studienzusammenfassung aus dem Jahr 2005 nachzulesen ist.

Demnach bilden sich zwar schon in der 7. bis 15. Schwangerschaftswoche die Schmerzrezeptoren. Die Nerven in der Wirbelsäule sind jedoch erst rund um die 19. Woche so weit, Signale der Rezeptoren weiterzuleiten. In der 23. bis 24. Schwangerschaftswoche erreichen die Reize die entscheidenden Regionen im Gehirn. Bis das Baby wach ist und etwas wahrnehmen kann, dauert es den Forschern zufolge jedoch noch mindestens bis zur 30. Woche.

Demnach ist ausgeschlossen, dass Föten in der zwölften Woche Schmerzen empfinden können. Was sie allerdings schon früher entwickeln, sind Reflexe. So kann es etwa sein, dass sich ein Fötus instinktiv zurückzieht, wenn er berührt wird. Solche Reflexe geschehen unbewusst, in der Regel ist das Gehirn nicht beteiligt. Aus diesem Grund ist es falsch, von der Existenz von Reflexen auf die Existenz von Schmerzen zu schließen.

Fazit: In der zwölften Woche fehlen dem Fötus die körperlichen Voraussetzungen, um Schmerzen zu empfinden.

Woher ich das weiß:Hobby – Allround-Laie 🤳

Grundsätzlich finde ich es derzeit ganz in Ordnung. Die grundsätzliche Kriminalisierung gehört allerdings ebenso abgeschafft wie der Beratungszwang.


Ich bin nicht "für" Abtreibung. Ich bin für Aufklärung und Verhütung, so dass es gar nicht erst soweit kommen muss.

Dennoch kann ich akzeptieren, dass manchmal eine Frau ungewollt schwanger wird und aus Gründen, über die ich nicht zu urteilen habe, eine Abtreibung möchte und dann ist es auch "ok".

Ich halte ganz grundsätzlich ein Abtreibungsverbot für nicht zielführend.

Nur weil Abtreibungen verboten sind, heißt das ja nicht, dass es keine gibt. Es gibt sie halt dann im Ausland oder unter medizinisch, bzw. hygienisch fragwürdigen Umständen. Als der stern 1971 seine berühmte "wir haben abgetrieben"-Titelstory veröffentlichte, haben ja immerhin 374 Frauen öffentlich zugegeben, abgetrieben zu haben, obwohl es damals in Deutschland noch komplett illegal war. (Ja, okay, 373 - Alice Schwarzer zählt nicht, die hat gelogen, ich weiß).

Es gibt Frauen, die wollen einfach kein Kind. Und eine Sterilisation ist für kinderlose Frauen im gebärfähigen Alter noch schwerer zu bekommen als ein bezahlbarer Krippenplatz im Ballungsraum. Dann gibt es auch eine gar nicht mal so geringe Anzahl Frauen, die sich zuverlässige Verhütungsmittel wie Pille oder Spirale einfach nicht leisten können. Was bleibt denen denn? Enthaltsamkeit, klar. Wenn sie aber in einer Beziehung sind und der Partner "sein Recht einfordert"?

Es ist halt so: Man hat bei dieser Fragestellung eine Rechtekollision.

Auf der einen Seite ist die Frau und ihre Rechte und auf der anderen Seite das Ungeborene. In jedem Fall, wo es eine Kollision verschiedener Rechte gibt, muss man abwägen, welches Recht schwerer wiegt. Ein Kompromiss ist gerade bei der Abtreibung halt auch nicht möglich.

Ich persönlich habe ein Problem mit der Ansicht, dass grundsätzlich das Ungeborene wichtiger sein soll, als die Frau, in der es wächst. Wie weit geht man dann? Dürfen Schwangere nicht mehr Auto fahren, weil das gefährlich sein könnte für das Ungeborene? Dürfen Schwangere keine Kneipe mehr betreten, um geschützt zu werden vor Passivrauch? Wie viele Rechte der Schwangeren kann man einschränken, um das Ungeborene maximal zu schützen?

Das Argument von Abtreibungsgegnern "ich bin gegen Abtreibung, nur bei Vergewaltigung ist es okay" halte ich für inkonsequent. Denn wenn man gegen Abtreibung ist, weil das Leben an sich heilig ist und auf jeden Fall geschützt werden muss, was macht das Leben eines Kindes, das bei einer Vergewaltigung entstanden ist, dann weniger schützenswert?

Eine ungewollte Schwangerschaft auszutragen ist wahrscheinlich immer ziemlich schwierig, auch wenn die Frau bei der Zeugung vielleicht Spaß hatte. Dass sich das Trauma möglicherweise potenziert, wenn schon die Zeugung ungewollt stattfand, ist sicher richtig, macht aber eine ungewollte Schwangerschaft an sich nicht leichter ertragbar.

Entweder man akzeptiert, dass Frauen über ihren Körper selbst bestimmen können - und zwar, ob und wann sie mit jemandem Sex haben wollen genauso wie die Tatsache, ob sie eine ungewollte Schwangerschaft austragen wollen oder nicht - oder man akzeptiert dieses Selbstbestimmungsrecht für Frauen nicht.

Ich freue mich über jede nicht notwendige Abtreibung. Aber manchmal, aus Gründen, über die ich nicht richten möchte, ist es halt für die Betroffene der einzige Ausweg. Und dieser Ausweg sollte legal und unter zumutbaren Bedingungen zur Verfügung stehen.

Es ist ein emotionales und sehr kompliziertes Thema, bei dem es kein schwarz oder weiß gibt, obwohl viele genau in nur zwei Kategorien denken.

In 5 Sätzen kann man das gar nicht ethisch ausreichend erfassen.

Die schwierigste Frage, die allem zu Grunde liegt, nämlich WANN das Leben beginnt, kann man nicht so einfach beantworten. Es gibt viele Meinungen, die alle irgendwie richtig sind und irgendwie auch argumentative Schwachstellen haben.

Insofern ist eigentlich jede Antwort auch extrem subjektiv.

Meine Meinung ist (und ich bitte darum sie ausführlich und vollständig zu lesen und bei Unklarheiten lieber erst nachzufragen und dann zu urteilen! - Ich kenne GF zu gut und weiß, was passieren kann):

Abtreibung darf niemals eine nachträgliche Verhütungsmethode werden.

Wenn gesundheitliche Risiken vorliegen muss abgewogen werden. Das ist soweit normal in der Medizin.

Das heißt nicht zwangsläufig, dass die Mutter das immer nach eigenem Ermessen entscheiden sollte. Wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist kann eine Abtreibung der richtige Weg sein. Ein Mediziner weiß das vermutlich am besten.

Es darf aber kein Standardverfahren werden, dass immer nur die (werdende) Mutter nach freiem und eigenem Ermessen entscheidet, das Leben des (ungeborenen) Kindes zu beenden oder nicht.

Der Satz: "Mein Körper - meine Entscheidung!" funktioniert nicht bedingungslos, weil eben innerhalb der Gebärmutter der eigene Körper aufhört und ein anderer Körper ist. Das ist irgendwie so etwas ähnliches wie eine Enklave - wenn man so will.

Es geht nun mal nicht nur um den Körper der Frau. Dieser (werdende) Mensch hat keine Chance, sich zu verteidigen oder seine Stimme zu erheben und muss daher unter besonderem Schutz stehen. Die Mutter kann niemals die Stimme des Kindes sein und die Rechte des Kindes vertreten, sie ist befangen.

Daher bin ich gegen ein bindungsloses und alleiniges Abtreibungsrecht der Mutter nach völlig eigenem Ermessen. Und auch mit einer 30-minütigen Beratung ist es NICHT getan. (fett gedrucktes ist zwingend zu beachten!)

Ergänzung:

Die Regelung so wie es momentan ist, ist gut.

Ich würde die Strafbarkeit aus §218 hinterfragen.