Erfahrungen Leberzirrhose und Leberkrebs?


29.03.2025, 14:38

Das ist aus dem Arztbericht

4 Antworten

Ich kann Deine Sorgen sehr gut verstehen!

Eine Leberzirrhose ist das Endstadium einer Leberschädigung und bedeutet einen irreversiblen Funktionsverlust der Leber. Leider besteht bei einer Leberzirrhose ein sehr hohes Risikofaktor für Leberkrebs.

Vermutlich waren/sind bei Deinem Vater die Leberparameter > Gammgt. und die Transaminasen > GOT und GPT extrem erhöht.

Bitte zunächst den histologischen Befund abwarten. Du schreibst von einer Metastasierung des Primärtumors. Wurde zur Metastasensuche ein PET/CT Scan durchgeführt?

Dein Vater wäre am besten in einem speziellen, onkologischen Zentrum aufgehoben. Diese sind überwiegend an ein Universitätsklinikum angegliedert. Dort finden sogenannte Tumorkonferenzen statt, an dem Ärzte differenzierter Fachrichtungen teilnehmen > Chirug, Onkologe, Strahlentherapeut, Palliativmediziner, der Pathologe, der die Gewebeproben begutachtete. Die Ärzte beraten gemeinsam über das weitere Vorgehen.

Eine Prognose zur Lebenserwartung kann man nicht geben.

Alles Gute für Deinen Vater und für Dich!

Woher ich das weiß:Berufserfahrung

Flauipaui1985 
Beitragsersteller
 29.03.2025, 14:59

Danke. Ja es wurde ein CT vom Brust und Bauchbereich gemacht. Multiple Metastasen in Lunge. Tumor an Leber oder Leberlappen. Child Score 10. Also alles nicht so gut.

In dem Krankenhaus wo die Biopsie gemacht wurde ist ein guter Onkologe tätig. Aber es ist keine Uniklinik oder so. Meinst du wir sollten mal zum Uniklinikum Aachen? Das wäre hier das nächste.

1. Lebenserwartung und Prognose

Patienten mit einem hepatozellulären Karzinom (HCC), die bereits Fernmetastasen (etwa in der Lunge) aufweisen, haben leider eine sehr ungünstige Prognose. Die Anwesenheit von Metastasen ist – neben der Tumorgröße, lokalen Ausdehnung und dem Zustand der Leber – einer der entscheidenden Faktoren, welche die Überlebenszeit bestimmen​

Statistisch liegt die 5-Jahres-Überlebensrate beim HCC mit Fernmetastasen nur noch bei etwa 2–3 %​. Ohne Behandlung beträgt die mediane Überlebenszeit in einem so fortgeschrittenen Stadium oft unter sechs Monaten

Ist der Patient jedoch körperlich noch relativ fit (Allgemeinzustand gut) und die Leberfunktion trotz Zirrhose einigermaßen erhalten (Child-Pugh A-B), können palliative Therapien eingesetzt werden, die die Lebenszeit zumindest verlängern. So hat z.B. eine moderne Immuntherapie-Kombination (Atezolizumab plus Bevacizumab) in Studien das mediane Gesamtüberleben von fortgeschrittenen HCC-Patienten auf rund 19 Monate angehoben

Dennoch bleibt dieses Krankheitsstadium sehr ernst, und nur wenige Betroffene erreichen ein längerfristiges Überleben

2. Behandlungsmöglichkeiten im metastasierten Stadium

Eine Heilung durch Operation oder Lebertransplantation ist bei ausgedehntem HCC mit Metastasen nicht mehr möglich – eine Tumorausbreitung außerhalb der Leber gilt als Ausschlusskriterium für solche kurativen Eingriffe​

  • Die Behandlung fokussiert daher auf palliative Therapien, die das Tumorwachstum bremsen und die Lebensqualität erhalten sollen. Es gibt mehrere Ansätze, die je nach Patient kombiniert werden können:Systemische medikamentöse Therapie: Hierbei handelt es sich um Arzneimittel, die im ganzen Körper wirken (Tabletten oder Infusion). In diesem fortgeschrittenen Stadium ist eine systemische Therapie mit zielgerichteten Medikamenten (z.B. Tyrosinkinase-Inhibitoren wie Sorafenib, Lenvatinib) oder Immuntherapie (Checkpoint-Inhibitoren, oft in Kombination mit Antikörpern gegen Gefäßwachstumsfaktoren) die empfohlene Standardtherapie
  • Diese Erstlinientherapien können das Tumorwachstum verlangsamen und in vielen Fällen die Überlebenszeit verlängern. So zeigte z.B. Sorafenib in Studien ein verlängertes Gesamtüberleben von ~11 Monaten vs. 8 Monaten unter Placebo​
  • Noch bessere Ergebnisse erzielt die Kombination aus Immun- und Antiangiogenese-Therapie – Atezolizumab plus Bevacizumab – mit einer medianen Überlebenszeit von rund 19 Monaten (vs. ~13 Monaten unter Sorafenib)​
  • Diese Medikamente werden eingesetzt, sofern die Leberfunktion und der Allgemeinzustand es erlauben. Sie wirken zwar nicht heilend, können aber das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen und einigen Patienten wertvolle zusätzliche Lebenszeit verschaffen.
  • Transarterielle Chemoembolisation (TACE): TACE ist ein lokales Verfahren, bei dem ein Chemotherapeutikum zusammen mit winzigen Kunststoffpartikeln über einen Katheter in die Leberarterie injiziert wird. Dadurch wird das Tumorgewebe in der Leber gleichzeitig mit Chemotherapie behandelt und die Blutzufuhr verstopft, sodass Tumorzellen absterben. TACE kommt klassisch in Frage, wenn Tumoren nicht operabel sind (z.B. wegen Größe/Anzahl), aber noch auf die Leber beschränkt sind. In dieser Situation kann TACE die durchschnittliche Lebenserwartung auf über zwei Jahre verlängern​
  • Bei bereits metastasiertem HCC ist der Nutzen von TACE allerdings begrenzt, da außerhepatische Metastasen damit nicht behandelt werden. TACE kann dennoch erwogen werden, um die Tumorlast in der Leber zu verringern – insbesondere wenn die Leberherde die Prognose dominieren – sofern die Leberfunktion noch gut ist und der Patient den Eingriff toleriert. In solchen Fällen kann TACE wiederholt durchgeführt werden, solange ein Ansprechen beobachtet wird und keine schweren Nebenwirkungen auftreten
  • Aktuell wird auch untersucht, ob eine Kombination von TACE mit modernen systemischen Therapien (z.B. Immuntherapie) Vorteile bringt
  • Insgesamt dient TACE in diesem Stadium der Lebensverlängerung und Symptomkontrolle, ist aber kein kuratives Verfahren.
  • Selektive Interne Radiotherapie (SIRT): SIRT (auch Radioembolisation genannt) ist ein weiteres lokal-regionales Verfahren. Dabei werden winzige radioaktive Kügelchen (mit Yttrium-90) über einen Katheter in die Leberarterie eingebracht. Diese Mikrosphären reichern sich vor allem im gut durchbluteten Tumorgewebe der Leber an und geben dort hochdosiert Strahlung ab, wodurch Tumorzellen zerstört werden​
  • Der Vorteil von SIRT ist, dass das umliegende Lebergewebe relativ geschont wird und das Verfahren auch noch möglich ist, wenn z.B. der Tumor in die Pfortader eingewachsen ist (dann wäre TACE wegen Durchblutungsgefahr riskant)​
  • Studien zeigen, dass SIRT und TACE hinsichtlich der Tumorkontrolle vergleichbare Erfolge erzielen​
  • Heilend ist SIRT zwar ebenfalls nicht, aber es handelt sich um eine palliative Maßnahme, die zu einer Verbesserung der Lebensqualität und oft auch zu einer Verlängerung der Überlebenszeit führen kann
  • Insbesondere für Patienten, die eine systemische Therapie nicht vertragen oder ausschöpfen konnten, kann SIRT eine wichtige Option sein
  • In der französischen SARAH-Studie (2017) wurde SIRT direkt mit Sorafenib bei fortgeschrittenem HCC verglichen (ohne extrahepatische Metastasen): Das Gesamtüberleben war in beiden Gruppen ähnlich (median ~8–10 Monate), jedoch war die Lebensqualität unter SIRT signifikant besser
  • Patienten unter SIRT berichteten von deutlich weniger Nebenwirkungen und Beschwerden als unter der Tabletten-Chemotherapie (Sorafenib)
  • Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass SIRT in geeigneten Fällen das Wohlbefinden erhält und die Krankheitskontrolle in der Leber unterstützt. Wichtig bleibt aber auch hier: SIRT wirkt nur in der Leber und dient primär der Symptomlinderung und Tumorreduktion – nicht der Heilung.
  • Unterstützende Therapie (Palliativmedizin): Begleitend zu den oben genannten tumorgerichteten Behandlungen ist eine palliativmedizinische Betreuung wichtig. Ziel der Palliativmedizin ist es, Leiden zu lindern und die bestmögliche Lebensqualität für Patienten und Familie zu erreichen​
  • Das bedeutet z.B. wirksame Schmerztherapie, Behandlung von Symptomen wie Übelkeit, Appetitlosigkeit, Fatigue, Atemnot oder Angst sowie psychologische Unterstützung. Eine frühzeitige Einbindung eines palliativen Teams kann helfen, dass der Patient trotz schwerer Krankheit möglichst lange aktiv am Leben teilnehmen kann. Studien zeigen sogar, dass Patienten mit frühzeitiger palliativer Versorgung oft länger leben als solche ohne diese Unterstützung
  • In fortgeschrittenen Stadien von HCC – gerade wenn keine spezifische Tumortherapie mehr greift – steht die Lebensqualität an erster Stelle. Alle Maßnahmen (Ernährungsunterstützung, Physiotherapie, soziale Betreuung etc.) zielen darauf ab, die verbleibende Lebenszeit so lebenswert wie möglich zu gestalten.
3. Erfahrungsberichte und Fallbeispiele

In der medizinischen Praxis und in Online-Foren wird die schwierige Situation von HCC-Patienten im metastasierten Stadium häufig thematisiert. Fachärzte betonen dabei oft die begrenzten Möglichkeiten in solch einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium. So meinte beispielsweise ein Onkologe in einem öffentlichen Forum, bei einem HCC mit Metastasen seien die „therapeutischen Spielräume nicht sehr groß“, da eine Chemotherapie hier nur begrenzt wirksam sei​

Diese Aussage (aus den 2000er-Jahren) spiegelte lange Zeit die Realität wider – herkömmliche Zytostatika zeigten kaum Wirkung bei fortgeschrittenem Leberkrebs. Erst in den letzten Jahren haben neue Medikamente wie Sorafenib und vor allem Immuntherapien etwas Besserung gebracht. Dennoch bleibt die Prognose eingeschränkt, was auch Ärzte ehrlich kommunizieren.Angehörige und Patienten berichten in Foren von den emotionalen und praktischen Herausforderungen solcher Diagnosen. So schrieb eine Betroffene, dass ihre Mutter nach dem Auftreten von Lungenmetastasen psychisch sehr niedergeschlagen war und am liebsten die belastende Chemotherapie abbrechen wollte​

Solche Schilderungen machen deutlich, wie wichtig eine gute psychologische Betreuung und ehrliche Aufklärung sind, um Hoffnung zu bewahren und die richtige Balance zwischen Lebensverlängerung und Lebensqualität zu finden. Viele Patienten stellen sich – verständlicherweise – die Frage nach dem Aufwand-Nutzen-Verhältnis weiterer Therapien, insbesondere wenn Nebenwirkungen stark spürbar sind.Es gibt jedoch auch ermutigende Erfahrungsberichte. Einige Patienten konnten mit Verfahren wie TACE oder SIRT ihre Tumorerkrankung zumindest eine Zeit lang stabilisieren und berichten von einer guten Lebensqualität während dieser Therapiephasen. Gerade SIRT wird häufiger als „weniger belastend“ empfunden, da typische Nebenwirkungen einer systemischen Therapie (Müdigkeit, Durchfall, Hand-Fuß-Hautreaktionen etc.) deutlich schwächer ausfallen​

In Fachkreisen wird hervorgehoben, dass durch solche lokalen Behandlungen manche Patienten länger aktiv und symptomarm bleiben konnten, als es die Statistik vermuten ließ. Natürlich reagiert jeder individuell: Während manche Patienten auf Medikamentenkombinationen erstaunlich gut ansprechen und über ein Jahr Stabilität erreichen, profitieren andere eher kurz – hier spielen Faktoren wie die Biologie des Tumors und der Zustand der Leber eine Rolle.Wichtig ist, dass Betroffene und Angehörige eng mit einem erfahrenen Behandlungsteam zusammenarbeiten. In Tumorkonferenzen wird individuell entschieden, welche Therapiekombination noch sinnvoll ist. Gleichzeitig sollte frühzeitig über palliative Maßnahmen gesprochen werden, damit für den Fall eines weiteren Fortschreitens vorgesorgt ist. Ärzte berichten, dass ein offenes Gespräch über Prognose und Ziele der Behandlung den Patienten helfen kann, eigene Prioritäten zu setzen – sei es maximale Lebensverlängerung durch aggressive Therapien oder eher Schonung und Symptombehandlung. Die Lebensqualität des Patienten steht stets im Mittelpunkt dieser Entscheidungen. Zusammenfassend zeichnen sowohl Studienergebnisse als auch Erfahrungsberichte das Bild, dass ein metastasiertes HCC zwar eine sehr ernste Diagnose ist, aber mit modernen Therapien und guter unterstützender Betreuung manchmal wertvolle zusätzliche Lebenszeit in relativ guter Verfassung erreicht werden kann​

Jeder Fall ist individuell – daher gilt: so viel wie möglich informieren, eine zweite Meinung einholen, und die verfügbaren Optionen gemeinsam mit den Ärzten abwägen. So kann der Patient die informierte Entscheidung treffen, die am besten zu seinen Wünschen und seinem Gesundheitszustand passt.

Quelle: Chat-GPT-4o (Deep Research)

Bei Metastasen in der Lunge ist infaust eine sehr schlechte Diagnose. Meist ist der Leberkrebs von wo anders her, meist vom Darm. Geniessen sie ihre Zeit mit ihren Vater. Und viel Kraft.

Die Lebenserwartung kann sehr unterschiedlich sein. Das kann von ein paar Monaten bis zu ein paar Jahren alles sein.