Warum ist Deutschland weniger stark nach rechts gerückt als seine Nachbarländer?

5 Antworten

Einmal sind die Deutschen traditionell das "Volk der Linken" im Sinne von Gutmenschen, Weltverbesserern, Idealisten ohne nationalen Stolz aber mit großer Bewunderung für andere Völker. Das war schon vor 500 Jahren so und hat sich bis heute nicht wesentlich geändert. Somit haben es Parteien mit nationaler Gesinnung traditionell schwer in Deutschland. Das ist ähnlich in anderen germanischen Ländern wie Schweden oder den Niederlanden, allerdings bei Weitem nicht so extrem wie bei uns. So hat Agricola bereits 1530 in seinen Deutschen Sprichwörtern feststellen müssen:

Allein wir Deutschen haben auf andrer Leute und fremder Nation Wesen, Sitten und Geberde gegaffet, gleich als hätten unsere Alten und Vorfahren nie nichts gehandelt, geredet, gesetzt und ge-ordnet, das ihnen ehrlich und rühmlich nachzusagen wäre.

Zum anderen lastet ein enormer psychischer Schulddruck auf den Deutschen wegen der Nazizeit bzw. der Omnipräsenz der Geschichtsschreibung über diese. Damals sind die Deutschen sozusagen in ihren verdrängten nationalistischen „Schatten“ hinübergeswitcht mit fatalen Folgen für sie und die Welt. Die Gründe dafür waren der Deutschland 1914 von Großbritannien und Frankreich aufgezwungene Weltkrieg, die Friedensfalle des US-Präsidenten Wilson mit seinen verlogenen 14 Punkten sowie die exorbitante und ungerechte Brutalität des Versailler Diktates, das für viele Deutsche grauenvollen Hunger und bitterste Armut, den Menschen der Dritten Welt vergleichbar, bedeutete.

Das war dann doch zuviel selbst für die duldsame deutsche Seele und diese schwenkte in ihr Gegenteil um, in den verdrängten Schatten. Im Grunde stand die deutsche Seele 1933-45 neben sich (zumindest in der Zeit 1941-45). Hier kamen Dinge wie Rassenchauvinismus und Nationalismuswahn in einer Ausprägung zum Vorschein, wie es sie bei Deutschen sonst niemals gab und wie wir sie sonst vielmehr bei Völkern wie den Angelsachsen, Franzosen oder manchen nichteuropäischen Völkern kennen.

Durch das Ergebnis des Krieges wurde die deutsche Seele enorm neurotisiert, so dass der traditionelle deutsche Weltverbesserungsidealismus seitdem eine nationalmasochistische, unterwürfige und desperat-suizidale Form annimmt: Manche Deutsche glauben heute ernsthaft, die Welt bessern zu können, wenn sie diese nur vom Deutschtum befreien. Antifa-Sprüche wie „Deutschland ist kein Grund zum Feiern“ oder gar „Bomber Harris do it again“ bezeugen diesen tiefliegenden Neurotizismus der deutschen Seele. Entsprechend sind die Westdeutschen seit 1945 auch äußerst anfällig nicht nur für antinationale Propaganda, sondern auch für die absurdesten Formen neulinker Ideologie, z. B. „Gender Studies“, oder die „Critical Race Theory“, die zwar in den USA von (Pseudo)intellektuellen wie Judith Butler oder Noel Ignatiev oder geschaffen wurde, aber nirgends so leicht Verbreitung findet wie bei uns.

Das Ergebnis ist die rigide Unterdrückung aufkeimender nationaler Bestrebungen oder auch nur Versuche, zu einer volkshaften Normalität zu gelangen. Selbst hinter grundlegenden vernunftpolitischen Notwendigkeiten wie z. B. einer Abschiebung schwerkrimineller Ausländern wird „Rassismus“ oder „Fremdenfeindlichkeit“ gewettert von den tief neurotisierten „antifaschistischen“ Pseudointellektuellen an bundesdeutschen Universitäten, Presseagenturen und im Bundestag.


Rotti733  27.02.2025, 20:02

Interessante Darlegung der deutschen Psyche. Ich würde jedoch noch auf die bedeutenden Mentalitätsunterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen hinweisen.

Bei den „Ossis“ ist der nationale Stolz stärker, er resultiert aus einer Art Trotz gegenüber dem vermeintlich siegreichen Westen.

Für die „Wessis“ hingegen gilt vollständig, was Du geschrieben hast. Als Schlüsselfaktoren würde ich hier a) die Umerziehung nach 1945 sowie b) die kulturelle Revolution durch die 68er in Betracht ziehen.

Wegen der Vergangenheit :)

Schulthemen und Aufklärung und da haben viele Angst und überdenken ihre Wahl.

Ich denke dass viele einfach Angst davor haben dass sowas ähnliches wie in der Vergangenheit nochmal passiert. Es könnte in Deutschland genauso gut passieren wie in jedem anderen Land, aber wir haben das ja auch im Unterricht gemacht und daher sind viele wohl einfach vorsichtiger. Was viele nicht verstehen ist dass der Faschismus von jeder Seite kommen kann. Von links kommt ja bereits Faschismus rüber, ziemlich Doppelmoralisch. Extremismus ist immer schlecht. Ich denke die Medien spielen da eine große Rolle, die jungen Leute wählen übermäßig viel die linke wogegen Erwachsene eher zu CDU neigen. Die Medien sind links, so ist es nun mal. Und es passiert viel zu oft dass sogar das ,,radikale links“ normalisiert wird und den Kindern stets eingehämmert wird, dass es halt nunmal paar Morde von der linken Seite gab aber die sind schließlich Gerechtfertigt, waren ja nur paar Polizisten und Afd Wähler. Es liegt ganz einfach daran dass Leute das wählen womit sie am meisten sympathisieren und ganz bestimmt haben die hälfte der 18-20 Jährigen Wähler nichtmal die Programme derer Parteien gelesen. Deswegen wählen sie einfach links, es ist halt das ,,sicherste“

Wirf die Schweiz und Dänemark bitte nicht mit den Anderen in einen Topf.

  1. In Dänemark regieren Sozialdemokraten, also Linke. Nur sind die sehr restriktiv, was Migration angeht.
  2. In der Schweiz sind die Rechtspopulisten schon seit mehr als zwei Jahrzehnten stärkste Kraft. Anders als z. B die AfD haben die schon bewiesen, dass sie keine Gefahr für die Demokratie darstellen. Bei der AfD und ähnlichen Parteien wäre ich mir da nicht so sicher

Ich denke, aufgrund der Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus sind die Deutschen da sehr vorsichtig.

Woher ich das weiß:Recherche