Weiß man wie viele Deutsche ungefähr für den Einmarsch in Polen waren (von der Zivilbevölkerung)?

8 Antworten

Man kann heute unmöglich sagen wie viele dafür waren, denn zu diesem Thema wurden damals ja keine Umfragen gemacht. Zudem gab es zu diesem Zeitpunkt keine Meinungsfreiheit mehr. Da konnte man nicht mehr so einfach sagen, was man dachte. Zu dieser Zeit war das bereits sehr gefährlich. Das haben alle zu spüren bekommen, die nicht so dachten, wie die Nazis. Die wurden alle weggesperrt, bis nur noch die übrig geblieben sind, die "Heil" geschrien oder das Maul gehalten haben. Das heißt, die Nazis konnten zu diesem Zeitpunkt bereits machen, was sie wollten. Es gab keinen Widerstand mehr. Niemanden, der aufstand und sich mit seiner Meinung aus dem Fenster lehnte.

Allerdings gab es in der Bevölkerung viele, die nicht unbedingt Nazis waren, die in dieser Frage aber mit den Nazis übereinstimmten. Denn die Ergebnisse des ersten WK und die neuen Linien auf der Landkarte wurde von vielen als ungerecht empfunden.

Historiker gehen davon aus, dass etwa 70 - 80% dem Einmarsch nicht negativ gegenüber stand. Wie weit man daraus aber Zustimmung machen kann, weiß ich nicht. Denn die Bandbreite war ja enorm. Die einen wollten nur die verlorenen Gebiete zurück. Die anderen wollten ganz Polen haben. Wieder andere stimmten nur stillschweigend zu und wieder andere waren nur nicht gegen den Krieg.

Hätte man die Frage anders gestellt und hätten die Deutschen darauf antworten können, wer gegen den Krieg ist, dann hätten wohl ebenso viele die Hand gehoben. Denn obwohl man die Gebiete gern zurück haben wollte, war die Angst vor einem neuen Krieg enorm und sehr weit verbreitet. Das legte sich erst, nach dem Frankreich besiegt war. Von da an waren alle wie besoffen.

Die deutsche Bevölkerung war in dieser Zeit keineswegs ein homogener Block, es gab eine breite Palette von Meinungen, von begeisterter Unterstützung über Gleichgültigkeit.

Das nationalsozialistische Regime setzte eine mächtige Propagandamaschine ein, um den Krieg zu rechtfertigen und die Bevölkerung zu mobilisieren. Diese Propaganda war äußerst effektiv und konnte große Teile der Bevölkerung für die Kriegsziele begeistern. Bei Kriegsbeginn gab es tatsächlich eine große Volksbegeisterung, insbesondere bei jungen Männern und in bestimmten Bevölkerungsgruppen.

Es ist davon auszugehen, dass ein großer Teil der deutschen Bevölkerung den Einmarsch in Polen zumindest anfangs befürwortete oder tolerierte. Allerdings ist es wichtig zu betonen, dass dies nicht bedeutet, dass alle Deutschen Nationalsozialisten waren oder die Verbrechen des Regimes gutheißen. Die deutsche Gesellschaft war damals ebenso vielfältig und gespalten wie heute, Anfangs zumindest, das änderte sich aber bis hin zur bedingungslosen Gefolgschaft.

LG aus Tel Aviv

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Geschichte Schwerpunkt Deutsches Reich / Nationalsozialismus
Nein

Diese Frage lässt sich nicht sicher beantworten, weil es dazu keine Datengrundlage gibt. Es gibt aber Quellen die nahelegen, dass die Deutschen in der übergroßen Mehrheit keinen Krieg wollten und eine besonders relevante ist eine Organisation der Nationalsozialisten selbst, der SD.

Der SD (Sicherheitsdienst der SS) war für die Bekämpfung und Überwachung politischer Gegner im Dritten Reich verantwortlich und hatte in den Vorkriegsjahren stets ein Auge auf die Befindlichkeiten des Volkes, ziemlich unvoreingenommen konnte der SD die Führungsriege mit zuverlässigen Einschätzungen versorgen.

Der SD bemängelte die fehlende Kriegswilligkeit der Deutschen, die mit dem Erreichten mehr als zufrieden war und einen Krieg fürchtete.

Ich schätze die allgemeine Zustimmung auf 30 % fanatischen Nazis, 30% Mitmacher, 15% Drückeberger und max 15% Kritiker.

da sich keiner auflehnen durfte, haben die meisten sich zwar ihr Teil gedacht aber geschwiegen

zumal sie mit Fake-News über den Volksempfänger*** berieselt wurden (ja, die gab es schon immer) oder im Kino mit der staatlich gelenkten Wochenschau, welche den Eindruck vermitteln sollten, die ergriffenen Maßnahmen wären völlig gerechtfertigt

selbst wenn ich gar nicht weiß, was los ist : ich würde mir immer erst überlegen, was ich eigentlich davon haben sollte: die Antwort wäre gewesen: NICHTS - warum also soll ich für ein NICHTS sein ?

*** wer es nicht kennt, es handelte sich um ein preisgünstiges Radiogerät, mit dem man aber nur den Staatssender empfangen konnte