Wäre die Welt besser, wenn jeder nur noch rational und pragmatisch handelt?

Aurel8317648  26.02.2025, 00:21

... besser als wenn was der Fall ist? Könntest du die Antithese näher erläutern.

Qwertz2u 
Beitragsersteller
 26.02.2025, 00:22

Die Realität ist eine Mischung aus Rationalität und emotionaler Irrationalität.

5 Antworten

Eine Welt, in der jeder nur noch rational und pragmatisch handelt? Klingt erstmal effizient, oder? Keine impulsiven Käufe mehr, keine dramatischen Liebesgeschichten, keine chaotischen Nächte mit Freunden, die in absurden Anekdoten enden. Alles läuft glatt, logisch, durchdacht. Klingt perfekt – bis du merkst, dass das Leben dann ungefähr so spannend wäre wie eine Excel-Tabelle. Es gibt nicht ohne Grund zwei Gehirnhälften. Die eine ist der Buchhalter: organisiert, logisch, strukturiert. Die andere ist der Künstler, der Lebemann, der Verrückte, der manchmal Entscheidungen trifft, die überhaupt keinen Sinn ergeben – aber genau deshalb unser Leben erst lebenswert machen. Stell dir mal vor, du würdest jede Beziehung nach Effizienz bewerten: „Diese Person bringt mir einen Return on Investment von 7,4 Prozent – ich bleibe mit ihr befreundet.“ Oder: „Romantische Liebe ist ein irrationales Konstrukt, das evolutionär nicht mehr notwendig ist. Wir optimieren das lieber mit einer Vertragsbeziehung.“ Klingt nach einem dystopischen Sci-Fi-Film, in dem Roboter die Hauptrollen spielen.

Und dann haben wir noch die neun Enneagramm-Typen. Die Natur hat nicht aus Versehen verschiedene Persönlichkeitstypen erschaffen. Stell dir eine Welt vor, in der alle nur analytisch denken – keine spontanen Ideen, keine Visionäre, keine Träumer. Kein Picasso, kein Mozart, kein Elon Musk, der auf die irrwitzige Idee kommt, Menschen auf den Mars zu schicken. Fortschritt entsteht nicht nur durch Berechnung, sondern auch durch Wahnsinn, Intuition und dieses magische Bauchgefühl, das uns manchmal zu den besten Entscheidungen unseres Lebens führt. Ja, Rationalität kann Probleme lösen. Aber sie kann keine unvergesslichen Momente erschaffen. Pragmatismus kann uns effizienter machen, aber ohne Emotionen gibt es nichts, wofür sich Effizienz überhaupt lohnt. Wer nur rational lebt, wird vielleicht wohlhabend, erfolgreich und perfekt organisiert sein – aber er wird nie nachts um drei lachend mit Freunden auf einer Parkbank sitzen und sich denken: „Das hier ist das Leben.“

Wichtig wäre eine demokratisierte und rationale Wirtschaftsordnung. Aber 100% rational will doch keiner, siehe zB Kunst


Qwertz2u 
Beitragsersteller
 26.02.2025, 00:25

Schließt es zwangsläufig Kunst aus?

chaessus0000  26.02.2025, 00:26
@Qwertz2u

Künstler handeln nicht rational und pragmatisch, sondern emotional, unkonventionell oder auch chaotisch

Qwertz2u 
Beitragsersteller
 26.02.2025, 00:27
@chaessus0000

Unkonventionell und chaotisch schließt in meinen Augen nicht Rationalität aus.

Unsere rechte Gehirnhälfte, die angeblich für Gefühle Kreativität Intuition und Symbole steht, wird sicher auch ihren Sinn haben. Welche Ziele und Werte soll sich denn der Pragmatismus setzen und mit dem Werkzeug der Rationalität anstreben, wenn wir - pointiert ausgedrückt - nichts mehr fühlen.

Nein. Mitgefühl und Einfühlungsvermögen sind für eine gute Welt unerlässlich. Emotionen sind für eine schöne Welt unerlässlich.