Latein Stilmittel richtig analysiert?
Moin,
Ich musste aus einem bestimmten Teil aus Senecas 5. Brief Stilmittel heraussuchen und wollte Fragen, ob ihr diese auch so gesehen hättet.
"Non splendeat
toga, ne sordeat quidem; non habeamus argentum, […] sed non putemus
frugalitatis indicium auro argentoque caruisse."
Hier hätte ich eine Anapher mit "non ... non" bei "Non splendeat ...; non habeamus" und ein Parallelismus wieder bei "Non splendeat ...; non habeamus"
"illud quoque
efficimus, ut nihil imitari velint nostri, dum timent, ne imitanda sint
omnia."
Hier hätte ich ein Polyptoton gesehen bei "imitari ... imitanda", bin mir hier aber unsicher, da das erste "imitari" ja im Infinitiv steht.
Kann man diese drei Stilmittel so stehen lassen, oder würde man die als was anderes sehen?
LG
1 Antwort
Das Polyptoton geht in Ordnung.
Die Anapher mit nur zwei Gliedern ist etwas schwach, kann man aber noch gelten lassen.
Der Parallelismus ist zu schwach. Da gibt's bei mir maximal einen Trostpunkt für. Eigentlich gilt das nicht. Das ist einfach zu wenig aussagekräftig. Das sind zwei Prädikate, die durch non verneint werden. Das ist zu wenig Paralleles. Weißt du, was ich meine?
=> Nimm doch immitanda sint omnia. Das ist ein Hyperbaton.
VG
Hyperbaton ist, wenn zwei syntaktisch (also durch KNG-Kongruenz ) verbundene Worte (omnia + imitanda) durch ein Wort oder einen Wortblock (sint) im Satz räumen von einander getrennt sind.
=> Ja, das ist ein Hyperbaton.
=> Aber ja, du hast insofern Recht, dass diese Satzstellung nicht sehr selten ist. Solche Hyperbata sind für das antike Ohr "stilistisch schön" und mitnichten selten. Hier wird das nachgestellte "omnia" durch die Stellung noch einmal besonders betont und herausgehoben, was ja durchaus auch Sinn ergibt, wenn man den Satzinhalt betrachtet.
VG
Danke für deine Klarstellung, nun ergibt das deutlich mehr Sinn. Mein Gedankengang war nämlich, dass das „imitanda“ sich eben nicht auf „omnia“ bezieht, sondern auf „sie“ (hier: die breite Masse an Menschen), da „omnia“ akkusativisch übersetzt wird (, dass sie alle (Dinge) nachahmen müssen). Da war ich irgendwie ein bisschen verwirrt. Aber wenn das so richtig ist, dann passt ja alles. Danke nochmal!
Ich bewundere immer die Gabe der Menschen sich in ein solches Denkmuster hineinzuversetzen. Danke für deine Antwort!
Moin, ich habe mir das nochmal genauer angeschaut und weiß nicht, ob ich das irgendwie falsch verstanden habe, aber ist das wirklich ein Hyperbaton? „Imitanda sint“ wäre ja ein prädikatives Gerundivum und würde somit nebeneinander stehen. Müsste es nicht „imitanda omnia sint“ für ein Hyperbaton heißen (was ja nicht der Fall wäre)? Wäre nett, wenn darauf nochmal kurz antworten könntest. Danke für deinen Aufwand!