Bremsen, Beschleunigen oder nichts tun in der Kurve?
Hallo!
Wenn man eine Kurve mit einer bestimmte Startgeschwindigkeit gerade noch erwischen möchte, sollte man dann während der Kurve Gas geben, bremsen oder gar nichts tun und wieso?
Lg
9 Antworten
Hallo Usedefault
Es gilt immer noch die alte Regel: Vor der Kurve bremsen, in der Kurve weder bremsen noch beschleunigen (evtl. auskuppeln).
Warum? Der Reifen kann nur eine begrenzte Kraft, die Reibungskraft, auf die Straße übertragen. Die Reibungskraft ist mü mal der anteiligen Gewichtskraft des Autos auf den Reifen. Mü ist der Reibungskoeffizient. Er ist bei trockener Straße ungefähr 0,7, bei nasser Straße deutlich weniger, bei Schnee noch weniger und bei Eis fast Null. Bei starkem Regen (hohem Wasserfilm auf der Straße) und bei schon etwas abgefahrenem Reifenprofil ist er außerdem geringer als bei nur leichtem Regen und tiefem Profil. Wenn also ein Auto einschließlich Ladung 1200 kg wiegt und diese Kraft gleichmäßig auf die vier Räder verteilt ist, dann drückt auf jeden Reifen die Kraft von 400 kg und jeder Reifen kann 0,7*400 kg = 280 kg Reibungskraft bei trockener Fahrbahn übertragen.
Wenn ein Reifen erst einmal ins Rutschen gekommen ist, dann giilt nicht mehr mü = 0,7 sondern schlagartig ein deutlich niedrigerer Reibungskoeefizient.. Daher sollte man sich nicht auf ABS usw. verlassen.
In der Kurve wirkt neben der Antriebskraft (beim Beschleunigen) oder der Bremskraft (beim Bremsen) noch die Radialkraft auf den Reifen und addiert sich dazu. Daher fährt man bei kritischer Geschwindigkeit in der Kurve am sichersten, ohne zu bremsen und ohne Gas zu geben, weil dann der Reifen "nur" die Radialkraft "verdauen" muss.
Die kritische Geschwindigkeit ist übrigens sehr schnell erreicht. In einer Kurve mit dem Kurvenradius 20 m fliegt man bei trockener Fahrbahn bereits bei Geschwindigkeiten über 42 km/h aus der Kurve. Das ist immerhin eine Kurve, die als 90°- Kurve, also im rechten Winkel rechts ab, von Anfang bis Ende 31,4m, also knapp 6 Autolängen misst.
Es grüßt HEWKLDOe.
Auskuppeln.
Hier wird das relativ gut erklärt.
Auch bei modernen Fahrzeugen:
Lass dich nicht von ABS, ESP oder sonstwas verrücktmachen, Bremsen in der Kurve ist auch mit ABS extrem gefährlich und kann nach wie vor zum Untersteuern führen.
Also: Bremsen oder lenken-das gilt nach wie vor, auch wenn man es heute anders lernt. Das stimmt nicht. Wenn du mir nicht glaubst, rede mit einem Unfallgutachter. Eine Verwandte wurde Opfer eines Fahranfängers, der diesem Irrtum aufsaß-> 1 Toter, 2 Schwerstverletze, weil die Fahranfänger gebremst+gelenkt hat und dachte, ausweichen zu können, da der Wagen ja ABS hat. Pustekuchen...
ALSO: Bremsen oder Lenken. Im Notfall natürlich lieber Bremsen als nichts zu tun, aber darauf vorbereitet sein, dass das Heck ausbrechen kann oder das Fahrzeug untersteuert-und natürlich auch dementsprechend reagieren.
Was etwas bringen kann beim Untersteuern:
Ein kurzer Bremsschlag (bei Fahrzeugen mit ABS). Aber eine Vollbremsung macht die Sache im Zweifelsfall nur schlimmer.
Natürlich muss man ein Gefühl dafür bekommen, heißt, solche Extremsituationen zu üben.
LG
Kommt drauf an. Das ganze hängt maßgeblich davon ab, ob die Startgeschwindigkeit so hoch ist, dass es sowieso nicht mehr reicht, oder ob sie noch tief genug ist, das es reicht.
Ist die Geschwindigkeit im vornherein zu hoch, wirst du die Kurve nicht kriegen, egal was du tust.
Ein Reifen kann nur eine bestimmte maximale Kraft übertragen. Schrammst du mit zu hoher Geschwindigkeit durch die Kurve ist der Reifen maximal mit dem Übertragen der Seitenführungskraft beschäftigt, und da die bereits nicht ausreicht, fliegst du aus der Kurve. Tritts du in dieser Situation auch noch auf die Bremse, bringst du eine Bremskraft in den Reifen, die den bereits überforderten Reifen, noch mehr überfordert. Und in dieser Situation wird dir wie roboboy schon gesagt hat, kein ABS und ESP der Welt den Asch retten, da deren Aufgabe es ist, ebenfalls durch gezieltes Einbringen von Kräften den Reifen zu regeln.
Im Fall das die Geschwindigkeit grade noch in Ordnung ist, steht man auf der Kippe. Der Reifen ist zwar maximal mit Seitenführung beschäftigt, aber die kann er ja in dem Fall auch übertragen. Wenn man hierbei mit einem guten ESP/ABS ausgerüstet ist, verringert sich durch das Bremsen die Seitenführungskraft , sodass mehr Platz für die Bremskraft da ist.
Dennoch lege ich es dir absolut nahe, das nicht auszureizen. Denn man kann hierbei sehr leicht sein System überfordern. Tritt man nämlich stark auf die Bremse, entlastet sich durch die dynamische Achslastverteilung das kurveninnere Hinterrad so sehr, das das ESP wahrscheinlich nicht mehr nachkommt. Im Zweifelsfall tut man in dieser Situation also gar nix außer lenken.
(Ein ESP kann dich wie gesagt nur in einer hoffnungsvollen Situation retten, aber eine hoffnungslose Situation ist auch mit ESP hoffnungslos)
Gas geben ist in diesen beiden Situation wohlgemerkt falsch.
Fährst du mit genügend geringer Geschwindigkeit durch ne Kurve, sodass die Reifen nie an ihre Haftgrenze kommen, dann kannst du dich sowohl rollen lassen, als auch bremsen oder Gas geben. Der Reifen hat ja ,,genug Luft". Durch Gefahrenbremsen hierbei bringt du den Reifen an seine Haftgrenze in Bremsrichtung, aber das ist ja gewollt.
Und weil es hier schonmal so schön gesagt wurde nochmal:
ABS und ESP dienen NICHT dazu, den Grenzbereich nach oben zu verschieben, sondern sie können den ungeübten Fahrer ggf. dort unterstützen, wenn er unverhofft in einen Grenzbereich kommt.
PS: Gönn dir mal ein Fahrsicherheitstraining, ganz egal wie lang du schon fährst. Für Neulinge sollte das imo sowieso Pflicht werden, aber auch grade für Leute die meinen Fahren zu können. Denn wenn man sowas mal gemacht hat, merkt man wie wenig man eigentlich tatsächlich konnte. Und Spaß macht das ganze noch obendrein.
Grüße
gerade noch erwischen möchte
Was genau ist darunter zu verstehen ?
Und redest Du vom theoretischen oder praktischen Ansatz ?
Praktisch ist es so, dass Du aus der Kurve fliegst, wenn die Reifen die Haftung verlieren.
Wenn Du also den Punkt triffst, bei dem der Reifen die optimale Haftung in Querrichtung hat, dann darfst Du weder bremsen noch beschleunigen, da sich in beiden Fällen eine zusätzliche Längsbelastung ergibt.
Man könnte sich jetzt noch überlegen, dass man die Kurve innen anfährt und am Ende am äußeren Rand landet (d.h. ein gewisses 'Rutschen' in Kauf nimmt), aber dass dürfte praktisch nur nach Gefühl gehen ...
Praktisch hast Du aber Rollreibung und Luftwiderstand.
D.h. leichtes Gasgeben zum Halten der Geschwindigkeit ist möglich ...
Hi,
- NICHT Bremsen. Eine entsprechendes Kurven-ABS kann dies zwar möglich machen, sollte aber nur genutzt werden wenn es der letzte Ausweg ist (und das Motorrad es überhaupt hat / normales ABS kann bei Kurvenbremsungen sogar gefährlich werden). Bremsen in der Kurve führt von blockierenden Reifen (Grip-verlust) bis hin zu einem extrem starken Aufstellmoment (wodurch du plötzlich geradeaus fährst) zu allen Möglichen ungewollten Effekten. Vom Lowsider bis zum Highsider ist alles drin
- Die Kurvengeschwindigkeit und der richtige Gang werden VOR der Kurve eingestellt
- NICHT auskuppeln, davon wird die Maschine instabil
- In der Kurve Gas geben, aber NICHT beschleunigen! Sogenanntes Stützgas, genau so viel Gas geben, dass man weder langsamer noch schneller wird
- Sobald man aus der Kurve rausfährt vorsichtig beschleunigen um das Motorrad wieder aufzurichten. Vollgas erst (wenn überhaupt) wenn die Maschine wieder gerade ist.