Blickwechsel 26. März 2025
AMA: Deine Fragen an eine Mutter, die ihre Kinder weggegeben hat
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Welcher Art waren die Probleme?

2 Antworten

Vom Beitragsersteller als hilfreich ausgezeichnet

Der größte Schlüsselmoment war der Tag, an dem mir mein "Mann" offenbarte, daß am nächsten Tag Möbelpacker kommen und die Bude leerräumen, weil wir wegen Mietrückständen aus der Bude fliegen.

Nein, er hat mir nicht schon Monate vorher bescheid gegeben daß die Kacke am Dampfen ist. Er hat seelenruhig einfach weitergemacht als sei nix los.

Ich fasse es immer noch nicht obwohl das nun schon über 20 Jahre her ist...

Ein weiteres Problem, daß ich aber erst später verstanden habe, war die Tatsache, daß mein Sohn (also das zweite Kind) das exakte Gegenteil von meienr Tochter ist. Sie war absolut unkompliziert und er war einfach ein Brüllbaby. Klar, Babys schreien halt viel, aber er hatte so eine Tonlage drauf, die mich einfach nur fertig machte. Inzwischen weiß ich, daß das mit Autismus zu tun hat. ich bin halt nur begrenzt belastbar was Sinneseindrücke wie laute Geräusche und so angeht.

Das ganze Chaos, was durch den Vater der Kinder drumherum passierte führte leider auch dazu, daß ich keine richtige Bindung zu meinem Sohn aufbauen konnte. Ich empfand den kleinen Wurm immer mehr als störend obwohl das so nicht sein sollte. 😞

Das Jugendamt bot an, mir den Jungen halt zeitweise abzunehmen damit ich mich neu sortieren kann. Das wiederum fand ich auch nicht gut. warum nur den Jungen und nicht auch das Mädchen? Wie soll ich meinem Sohn erklären, daß er nichts für die Situation kann wenn er weg soll und sie nicht? Also entweder beide oder keinen weggeben hieß es von meiner Seite aus.

Und zum Thema dauerhaft weggeben: ich hatte inzwischen schon erste Anzeichen meiner Panikstörung, wegen der ich dann später auch in EM-Rente gehen musste weil einfach nicht mehr arbeitsfähig. Sowas kriegt man wohl wenn man hoffnungslos überfordert ist. Da ich nicht abschätzen konnte, wann und wie ich die aktuelle Krise der Obdachlosigkeit und die Angstzustände überwinden kann entschied ich mich für Dauerpflege.

Ich war ja mal selbst im Kinderheim und hab dort gesehen, was mit Kindern passiert, die einem ständigen Bezugspersonenkarussell ausgesetzt sind. Das wollte ich meinen Kindern nicht antun. Die haben doch eine Familie verdient, in der sie behütet aufwachsen können und nicht so einen Scherbenhaufen den sie bei mir hätten. Die beiden waren 2,5 bzw. 1,5 Jahre alt als ich sie weggab. Ich hätte auch nicht länger warten dürfen. Wären sie noch älter gewesen wäre der Schaden größer gewesen als der, den sie nunmal durch diese Trennung erlitten.

Was der Vater dazu sagte? Naja, nicht viel. Es gefiel ihm nicht sonderlich, aber ich hatte halt die überzeugenderen Argumente. Als unverheiratete Mutter wog mein Wort halt auch mehr als seines und so konnte ich auch verhindern, daß er die Kinder zu sich holt. Die hätte er eh nicht lange behalten weil er aufgrund seiner Alkoholsucht mehrere Schlaganfälle hatte und schließlich selbst zum Pflegefall wurde bevor die Kinder in die Schule kamen.

warehouse14


Suboptimierer 
Beitragsersteller
 27.03.2025, 06:42

Da sind wohl mehrere schwierige Umstände zusammen gekommen, insbesondere deine und seine psychische Stabilität hätten das wohl kurz über lang ins Wanken gebracht, unabhängig von Schulden.

Was mich so ein bisschen wundert ist, dass man damals so einfach mit Kindern (!) aus einer Wohnung fliegen und auf der Straße landen konnte. Ich habe den Eindruck, dass man heutzutage viel besser geschützt wird. Da müsste der Vermieter erstmal klagen. Kein Möbelpacker dürfte heutzutage ohne Gerichtsvollzieher mit Gerichtsbeschluss die Wohnung betreten. Usw.
Die entsprechende Post muss er abgefangen haben, ohne dass du sie zu Gesicht bekommen hast, damit du keinen Verdacht schöpfen kannst.

Also das ist schon ziemlich krass gelaufen.

Ich hoffe, dass im späteren Verlauf alle ihr bestmöglichstes Glück finden konnten.

warehouse14, UserMod Light  27.03.2025, 08:58
@Suboptimierer

Naja... ich nehme an das die Möbelpacker nicht ohne die anderen Leute ankamen. Ich hab nur nicht so lange gewartet um denen zu begegnen. ich hab halt einfach direkt gehandelt nachdem mir der Typ das mitteilte. Also am Tag bevor die die Wohnung räumten. War wohl auch ein bisschen ne Kurzschlußreaktion von mir. Aber wenigstens hab ich reagiert. 🙃

Ich hab innerhalb einer Woche ne kleine 1-Zimmer-Wohnung gefunden während der Mann ne ganze Weile durch die Obdachlosenunterkünfte tingelte. Er bekam aber dann irgendwann den ersten Schlaganfall und daraufhin einen Betreuer, der ihm half, ein Zimmer in einem Wohn heim für Männer von der Caritas zu bekommen. Später dann auch eine kleine 1-Zimmerwohnung. Er hat dann auch nen "Job" bekommen bei diesem Sozialmagazin, bei dem Obdachlose und andere Bedürftige ne Zeitung verkaufen und sich somit was dazuverdienen können zur Sozialhilfe. Ich hätte das auch gemacht, gatte aber erst mal mit Therapien genug zu tun. Und da ich im Alter von 28 Jahren in die Erwerbsminderunsgrente gerutscht bin war mein Leben quasi vorbei. Ich bin seitdem halt auf dem "Abstellgleis" und komme damit inzwischen gut zurecht.

Bin hier auf GF zum Usermod mutiert um mir manchmal halbwegs das Gefühl geben zu können, nicht ganz so nutzlos für die Welt zu sein. 🤣

"Das wiederum fand ich auch nicht gut. warum nur den Jungen und nicht auch das Mädchen? Wie soll ich meinem Sohn erklären, daß er nichts für die Situation kann wenn er weg soll und sie nicht? Also entweder beide oder keinen weggeben hieß es von meiner Seite aus."

Das finde ich echt fair und ethisch von dir. Und so konnten ja auch die Geschwister zusammen aufwachsen.