Warum sollte man sich ehrenamtlich engagieren?

8 Antworten

Von Experte notting bestätigt

Weil unsere Ansprüche in vielerlei Hinsicht größer sind als das, was wir uns mit Geld leisten können.

Stell Dir einmal vor, es gäbe keine ehrenamtliche Arbeit. Dann müsste all das, was jetzt ehrenamtlich geleistet wird, teuer bezahlt werden - oder würde schlichtweg wegfallen.

Dann benötigst Du hauptberufliche und entsprechend bezahlte Trainer für die Jugendmannschaften in Fußball, Handball, Volleyball usw. - und die werden dann entweder direkt von den Spielern bezahlt oder aber (wie z.B. die Trainer der Schulen in den USA) über die Steuern. Mit der Folge, dass sich das viele Menschen sicherlich nicht mehr leisten könnten oder wollten. Mit unserem in Deutschland sehr ausgeprägte Vereinssystem, das in der Hauptsache auf ehrenamtlicher Arbeit beruht, hat hier jeder die Möglichkeit, für relativ kleines Geld Sport zu treiben oder anderen Hobbys nachzugehen.

Und das Leben wäre auch deutlich unsicherer. 95% aller Feuerwehrleute in Deutschland sind ehrenamtlich tätig, fast 100% aller Helfer des THW und unzählige Freiwillige im Katastrophenschutz und in den Hilfsorganisationen wie DRK, ASB, JUH, MHD, DLRG usw.
Wenn wir mal die Feuerwehren nehmen: Aktuell kann man sich darauf verlassen, dass innerhalb von max. 15 Minuten nach einem Notruf die Feuerwehr eintrifft und zumindest schon einmal erste Maßnahmen treffen kann (Ausnahmen bei sehr abgelegenen Einsatzorten oder anderen Problemen durch versperrte Wege usw.). Das geht nur, weil es in jedem Ort mindestens eine Feuerwehr gibt. Die einzelnen Feuerwehren haben dadurch ein sehr kleines Einsatzgebiet und nur relativ wenige Einsätze pro Jahr. Aber die Einsatzkräfte haben eine kurze Anfahrt zum Feuerwehrhaus und die Einsatzfahrzeuge eine kurze Anfahrt zur Einsatzstelle, so dass eben sehr schnell Hilfe vor Ort ist. Würde man alle Freiwilligen Feuerwehren in Berufsfeuerwehren mit 24/7 Wachbesetzung und Vollzeitkräften umwandeln, dann wäre das quasi unbezahlbar! Man müsste also die Anzahl der Wachen reduzieren - mit der Folge, dass aufgrund des größeren Einsatzgebiets die Anfahrt länger wird und länger dauert und in der Masse weniger Kräfte zur Verfügung stehen, was dann gerade bei parallelen Einsätzen oder Ausnahmelagen zum Problem wird. Was dann passiert, dass sieht man beispielsweise in Spanien und Griechenland, wo die Feuerwehr gut und gerne mal 1 bis 2 Stunden zum Einsatzort benötigt...

Außerdem wäre das kulturelle Leben quasi nicht mehr vorhanden. Denn die meisten Veranstaltungen werden von den Kommunen, von den Vereinen und Verbänden ehrenamtlich organisiert und durchgeführt.

Und dann die soziale Komponente. Nehmen wir mal die "Grünen Damen" im Krankenhaus, die den Patienten den Alltag erleichtern, indem sie ihnen etwas vorlesen, Besorgungen machen, Bücher verleihen oder einfach mal reden. Oder das Kinder-Hospiz hier gleich um die Ecke. Das finanziert sich zu 50% aus Spenden und ehrenamtlicher Arbeit, da die Krankenkassen nur die Kosten für das sterbenskranke Kind selbst, nicht aber für die Betreuung und Unterkunft der Eltern und Geschwister zahlen.

Wie gesagt: Wir leisten uns in Deutschland einigen Luxus, der für uns völlig normal und selbstverständlich geworden ist. Und der ist nur durch ehrenamtliche Arbeit möglich. Möchte man diesen Luxus erhalten, dann muss man auch etwas dafür tun.

Davon einmal abgesehen, dass die ehrenamtliche Arbeit in der Regel ja auch Spaß macht und man viele Kontakte knüpft und Freude findet. Und dass es ein gutes Gefühl ist, etwas sinnvolles mit seiner Zeit anzufangen.

Hallo Atifmastoi!

Hinsichtlich des Engagements meine ich, dass man durch ein Ehrenamt etwas Gutes, sinnvolles und bereicherndes tun kann. Ferner kann man sich weiterbilden, informieren und kann Chancen/Möglichkeiten durch diverse Kontakte nutzen. Des Weiteren ist das Hauptmerkmal, dass man anderen Menschen hilft oder generell Hilfe anbietet; sich zur Verfügung stellt. Ferner kann man social skills erwerben bzw. erweitern und viel von anderen Menschen lernen. Zudem hat man einmal einen Einblick, dass nicht immer alles rosig auf der Welt ist und es auch andere Probleme und Menschen gibt. Obendrein kann man sich betätigen, Hilfe leisten und sich sinnvoll einbringen. Andere Menschen sind froh, wenn diese Hilfe erhalten. Außerdem kann es ja nach Berufszweig, Studiengang, Ausbildung etc. sinnvoll sein, wenn man schon in bestimmten Bereichen ein Praktikum und/oder ein Ehrenamt ausgeübt hat. Bei manchen ist vorab sogar ein Praktikum/Ehrenamt Pflicht.

Ich interessiere mich für sinnvolle Dinge und helfe gerne. Kann ich etwas oder tue etwas Gutes dadurch, dann mache ich das gerne. Manche Ehrenämter unbezahlt, andere sind aktiv bezahlt. Bei den unbezahlten bekommt man hier und da eine "kleine" Aufwandsentschädigung, bei den bezahlten bekommt man richtigen Stundenlohn + Zusatzboni. Rechnet man den Aufwand, die Zeit und Unkosten, dass verdient man dadurch logischerweise nichts. Ich finde es gut, da man mit Geld nur die falschen Leute anlockt. Beim Ehrenamt geht es um das Sinnvolle und um die Leidenschaft.

Dennoch muss man aufpassen, da die meisten Firmen Azubis, Praktikanten, Studenten, FSJler, Zivis, Bufdis, Minijobber usw. ausnutzen. Würden nämlich alle günstigen Mitarbeiter und alle Gratis-Mitarbeiter wegfallen, dann würde das ganze System nicht mehr funktionieren. Alles prüfen kann man leider nicht und irgendeinen Kompromiss muss man eingehen.

Ich finde es gut, da es ein Geben und Nehmen ist. Ich tue etwas Gutes, helfe Menschen, lerne dabei etwas, kann Möglichkeiten nutzen, mich in Thema x reinfuchsen bzw. mich informieren und könnte hier und da andere Wege ebnen.
Praktika und Ehrenämter verbindet Menschen und schafft zudem Möglichkeiten. Ich mache es nicht deswegen, aber es ist eben ein netter Nebeneffekt. Zudem sieht man einmal, dass das echte Leben "unten" ganz anders ausschaut. Weg von der Alltags-Blase und Medienshowtraumwelt.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Weil unsere Gesellschaft nicht nur auf Geld basiert. Und das ist gut so. Es gibt auch Menschen, die ganz altmodisch Werte haben und diese Leben. Ich z.B. betreue eine einsame Witwe und bin außer dem Pflegedienst der einzige Mensch, der sie besucht. Früher war ich Jahrzehnte lang ehrenamtlich in der Bildung tätig. Da ich selbst kaum über die Runden komme, ist Zeit das einzige, was ich spenden kann. Für die Frau, die ich besuche, mache ich einen Unterschied.

Abgesehen von Geld hat man im Ehrenamt gerne auch mal noch viele andere Vorteile für sich selbst. Das kommt auch auf einen selbst an und wo man gerade ist.

Manchen liegt ein Thema so sehr am Herzen, dass sie es auch ohne Bezahlung und Geld bedienen wollen.
Sie erfahren dadurch innere Erfüllung.

Uns allen geht es in D gut, weil sehr viele ein Ehrenamt ausführen.
Ist in D eine tragende Säule.
Und ein angenehmer Ausgleich zum Kapitalismus.

Manche Menschen können uneigennützig denken und handeln und haben am Ende doch einen gewissen Nutzen davon.
Manchen Menschen tut es gut, wenn sie handeln, des Handelns wegen, nicht wegen einer Bezahlung oder eines Nutzens. #Fruchtverzicht.

Weil man das, was man dort tut, für wichtig hält und es einem das befriedigende Gefühl gibt, was Gutes getan zu haben.

Manche Dinge funktionieren halt nur, wenn man sich gemeinschaftlich dafür einsetzt. Wir können uns nicht von A-Z von Vater Staat bedienen lassen. Dafür ist das System viel zu träge - und zu teuer.