Technisches Gymnasium, ja oder nein?
Ich bin weiblich, 15 Jahre, gerade in der 9. Klasse auf der Realschule in BaWü. Nächstes Schuljahr werde ich meinen Realschulabschluss machen und die Realschule verlassen. Ich möchte auf ein Berufliches Gymnasium wechseln und Abitur machen.
Meine Familie sagt die ganze Zeit, dass ich auf ein technisches Gymnasium (mit Schwerpunkt Technik und Management) soll, da ich sehr gut in Mathe und Physik bin und mir Technische Sachen gut liegen. Das macht mir by the way auch Spaß. Im Technischen Gymnasium fängt man auch bei 0 an, sodass jeder irgendwann auf dem gleichen Stand ist. Allerdings sagt jeder (die meisten haben keine Ahnung wie das ist), dass es der Horror ist und viel schwieriger als Wirtschaftsgymnasium. Stimmt das? Meine Freundin hat derzeit Technik in der Realschule und sagt, dass ich so etwas (mit Technik) auf gar keinen Fall nehmen soll. Allerdings sind wir manchmal komplett verschieden und anders.Ich habe kein Technik in der Schule gewählt, sondern Französisch. Informatik habe ich auch seit der 8. nicht mehr, weil ich es abgewählt habe. Ich weiß halt eben nicht, ob es mir wirklich so liegt.
Meine Grundkenntnisse sind in der Technik leider gar nicht vorhanden. Gerade weil ich ein Mädchen bin sagen viele, dass nur Jungs auf der Schule sind und dass ich auf gar keinen Fall dorthin gehen soll. Ich finde aber, dass die meisten Mädchen noch besser sind als Jungs.
Das Profilfach, für das ich mich interessieren ist noch mit Management, also Wirtschaft. In WBS stehe ich gerade auf einer 1,5 und es interessiert mich auch (meine Schwester ist auf einem Wirtschaftsgymnasium und zeigt mir hin und wieder Themen, die sie haben, was mich auch sehr interessiert). Eine Lehrerin hat mal auf der Berufsbörse (als das techn. Gymnasium sich vorgestellt hat) gesagt, dass es eine gute Mischung aus Technik und Wirtschaft ist. Manche haben dann eher das Interesse an Technik und die anderen eher an Wirtschaft.
Meine Mutter und ich waren auf einem Informationsmittag an dem Technischen Gymnasium, an das ich möchte. Allerdings hat es mir wenig geholfen, auch wenn ich begeistert von den Themen (, die man in der Eingangsklasse und Jahrgangsstufe 1&2 machen wird) war.
Vor einem halben Jahr habe ich ein Praktikum als Industriemechanikerin gemacht, was mir auch sehr viel Freude bereitet hat. Allerdings kommt eine Ausbildung für mich nicht infrage. In den Osterferien werde ich auch noch Praktikas machen. Einmal als Elektronikerin und dann noch als Technische Produktdesignerin. Ich bin gespannt, ob es mir gefällt und bei meiner Zukunftswahl helfen wird.
Ich stehe übrigens derzeit im Zeugnis auf 1,5, wobei ich die letzten Jahre immer auf 1,6 oder 1,7 stand. Seit Jahren habe ich immer in Mathe eine 1 und dieses Halbjahr hatte ich in Physik eine 1,5 (die letzten zwei Jahre stand ich auf 2, weil ich die Lehrerin nicht mochte und sie die KAs sehr schwierig gemacht hat).
Hat denn irgendjemand Erfahrung mit dem Technischen Gymnasium? Vielen Dank und sorry für den langen Text.
4 Antworten
Grundsätzlich solltest du dir überlegen, ob dir für deinen späteren Berufsweg das Technische oder das wirtschaftliche (oder ein anderes Gymnasium, es gibt z.B. auch noch ernährungswissenschaftliche Gymnasien) den besseren Weg bereitet.
Am Technischen Gymnasium geht es zwar überwiegend, aber eben nicht ausschließ-lich um Mathe und Physik. Da spielen dann auch solche Dinge wie Konstruktionslehre oder Werkstoffkunde mit rein. Wie notting schon schreibt, fallen Fächer wie Biologie oder Geografie am TG oft weg, was das Ganze evtl. auch etwas eintönig macht.
Am Wirtschaftsgymnasium hast du viel Wirtschaftsmathematik und Themen wie Jura, Recht und Geografie (Ökonomie, Volkswirtschaft). Ich war am WG und finde nicht, dass das viel einfacher ist – der Schwerpunkt ist eben ein anderer. Es gab auch da genügend Leute, die sich vor allem bei Jura sehr gequält haben.
Im Prinzip machst du mit beiden Schulen nichts falsch. Das Gute daran ist ja, dass alle beide auf Realschul-Abgänger ausgelegt sind und z.B. auch die Möglichkeit bieten, mit der zweiten Fremdsprache (bei mir Spanisch) ganz von vorne anzufangen.
Mach es! Am Ende entscheidet Mathematik und Physik. notting hat alles wichtige schon erklärt! Egal was Du danach machen willst, ein technisches Gymnasium ist eine gute Grundlage! Mein "Großer" hat unlängst seinen Bachelor in Maschinenbau abgeschlossen und er sagt im Nachhinein, das wichtigste sei, im richtigen Moment die richtige Formel herleiten zu können. Wenn Dir das liegt, bist Du richtig!
Elektronik und IT ist mittlerweile an Schulen und auch an TH's zusammengewachsen, lies Dich mal ein bisschen in das Thema "Arduino" ein ("Say hello to the breadboard"). Wenn Dich solche Dinge "verlocken", hast Du Deinen Weg gefunden!
Folgedes ist immer gleich, egal wo du in die Oberstufe in BW willst:
- Hast du dich schon über die genauen Notenanforderungen und Bewerbungsfristen informiert? Bei der Bewerbung zählen MINT-Fächer eher weniger. Wenn es bei dir an der Stelle eng werden könnte (es zählen nur ganz best. Fächer, da bringt dein o.g. Schnitt nix), musst du spätestens _jetzt_ Gas geben!
- Nicht alle berufl. Gymnasien haben alle Fächer. Z. B. gab's bei uns am TG weder Bio, Erdkunde noch Musik.
- Wenn du nicht mind. 4 Jahre 2. Fremdsprache nachweisen kann, musst du die in den 3 Jahren Oberstufe mit erhöhter Stundenzahl nachholen. Insb. berufl. Gymnasien sind auf solche "Nachholer" eingestellt.
- Mach dich darauf gefasst, dass selbst aus einem Realschul-Mathe-1er erstmal eine 4 oder bestenfalls 3 wird. War bei uns auch so. Hatten uns aber alle wieder gefangen, als es für's Abi gezählt hat.
- Falls du an einem berufl. Gymnasium bist: Das meiste ist bei allen berufl. und allg. Gymnasien gleich, gibt an berufl. Gymnasien quasi nur ein Spezialfach.
Ich (männl.) war an einem TG mit Elektro-/Metalltechnik (nennt man heute vllt. Mechatronik).
- Vergiss das Gelaber, dass Technik nix für Frauen ist. Später im Beruf z. B. als Ing. muss man sich auch ständig mit Kollegen, Kunden etc. absprechen, falls du Angst hast, dass du dann nix mit Menschen zutun hast.
- Das "handwerkliche" hält sich sehr in Grenzen (spätestens im Studium ist es eh die absolute Ausnahme, dass du wirklich Elektronik bzw. Mechanik baust).
- Im Fach Technik geht's, wenn man den handwerkl. Teil der sich wie gesagt in Grenzen hält ausklammert, zu 80% um Themen die man im Grunde auch in Mathe bzw. Physik dran bringen könnte, wenn man so spezielle Dinge dort bringen wollte. Die restl. 10% musst man halt mit einer Mischung aus verstehen und auswendiglernen ins Hirn bekommen, wie du das sicher bisher auch z. B. in Erdkunde & Co. machst.
Schau dir den Lehrplan an. Das folgende ist wahrscheinlich alles andere als vollständig, weil aus meinem Kopf.
Was Elektronik angeht, schau dir auf https://www.elektronik-kompendium.de/ insb. folgende Themen an (nicht auswendig lernen, einfach nur damit du ungefähr weißt, was auf die zukommt):
- Grundlagen des elektr. Stromkreises, also Spannung, Strom, Widerstand, Leistung, Energie, ohmsche Widerstände, Kondensator-Arten, Spulen, Parallel-/Reihenschaltung von Widerständen und Kondensatoren (kam evtl. schon in der Realschule in Physik spätestens in der 10. Kl.?).
- Hoch-/Tiefpass mit Kondensatoren und Spulen.
- Grundlegende Halbleiter wie Dioden und Transistoren inkl. z. B. Berechnung von Vorwiderständen (damit nix durchbrennt) bzw. Verstärkungsfaktor. Ggf. auch z. B. Sachen wie Operationsverstärker (Grundbaustein analoger Rechner, falls du dir halbwegs was darunter vorstellen kannst) und NE555 (Timer-Baustein, im Datenblatt stehen da im wesentl. ein paar Formeln, wo du dir ausrechnen kannst, was für Widerstände und Kondensatoren man braucht, damit der Baustein das Zeitverhalten hat, was du willst).
- Boolsche Algebra bzw. Logik-ICs.
- Wechselstromtechnik mit Wirk-/Blind-/Schein-Leistung/-Strom.
Was grundlegende elektr. Bauteile angeht, kannst du dir evtl. einen kleinen Elektronik-Experimentierkasten und ein einfaches Multimeter schenken lassen (Achtung, vorher informieren, wie man Multimeter verwendet ohne sie kaputtzumachen, könnte auch auf der Webseite stehen).
Zu den "Metall"-Themen:
- Statik starrer Körper (was für Kräfte wirken da, also Lagerkräfte etc.).
- Metalllegierungen (Mischkristall vs. Kristallgemisch mit Eutektikum & Co.).
- Härten von Metallen bzw. Härte-/Zugprüfung.
- Techn. Zeichnen.
- Thermodynamik.
notting
Es klingt so als ob es dich interessiert. Ich würde sagen mach es. Der Stoff dort ist immernoch "nur" Schulniveau, das schafft jeder der auch ein Abitur auf einem allgemeinbildenden Gymnasium geschafft hätte. Ich war selbst auf so einer Schule und war dort sehr zufrieden. Und es gab dort nicht nur Jungs.