Ist ein FH-Abschluss heute genauso viel wert wie ein Uni-Abschluss?
Es wird immer öfter behauptet, dass es in der heutigen Zeit keinen nennenswerten Unterschied macht, ob man seinen Bachelor/Master an einer Universität oder "nur" einer Fachhochschule erwirbt. Wie denkt ihr darüber? Hat der Uniabsolvent bessere Karriere- und Gehaltschancen, oder hat der FH-Absolvent inzwischen genauso gute Chanchen?
Mich würde besonders die Lage im Bereich Ingenieurwesen interessieren.
18 Stimmen
10 Antworten
Die Abschlüsse sind formal grundsätzlich gleichgestellt. Manche Arbeitgeber bevorzugen die relativ praxisnah ausgebildeten FH-Absolventen, andere die etwas stärker theoretisch geschulten von der Uni.
Am Ende kommt es für die Karriere auf das Fach und auch auf die Abschlussnote an. Die Art der Hochschule spielt meines Erachtens keine Rolle mehr.
Beste Grüße!
Hi. Ich möchte gern etwas mit Mythen aufräumen...
1.) Per Gesetz sind die Abschlüsse gleich. Das ist seit Bologna und der Einführung BA/MA so. Seitdem klagen auch die Fachhochschulen ihr Recht auf die Promotion ein, dort gibt es seit 2009 anhängige Verfahren. Formal DARF es hier keinen Unterschied geben. Wer z.B. Stellen nur für Universitätsabsolventen statt FH-Absolventen ausschreibt oder nachweislich eine Sorte pauschal ausschließt, kann sogar verklagt werden.
2.) Inhaltliche Unterscheidung: Universitäten sind forschungsorientiert. Professoren, die dort arbeiten, wollen am liebsten den ganzen Tag Studien machen. Die Lehre ist leider eine weitere Verpflichtung, die sie haben und manchmal wird es spürbar, dass die Professoren dies leider auch machen müssen, aber eigentlich keine Lust darauf haben. Fachhochschulen sind keine forschungsorientierten, sondern praxisorientierten Einrichtungen, deren Fokus die Lehre ist. Hier wird nicht die Frage gestellt, wie man in Zukunft neue Erkenntnisse erzielen kann, sondern wie man diese im Berufsalltag anwendet. Wenn Du Forscher werden willst: Uni. Wenn Du Arbeiter mit akad. Abschluss werden willst: FH. (so zumindest eine plakative Einteilung)
3.) Die gelebte Praxis: Je nach Branche haben sich jedoch Klischees eingelebt. Das fängt bei den Hochschulen an: aufgrund der eigenen Lehrgestaltung, versucht man die Masterstudiengänge als die einzig wahren zu verkaufen und keine Absolventen anderer Hochschulen zuzulassen. Das macht man darüber, indem man z.B. bestimmte Module voraussetzt oder Andere einfach nicht akzeptiert. Das kann man vor dem BA-Studium nicht alles planen, weil sich Interessen erst im Laufe des Studiums entwickeln. Deshalb: Stufenweise entscheiden. Was ist jetzt das Richtige für Dich? Wie entwickeln sich Deine Interessen? Dann ggf. noch mal ein Modul nachholen. Und das setzt sich im Berufsleben fort: die Entscheidung von Personalern ist je nach Branche auch unterschiedlich. Ich würde behaupten: Wichtig ist, dass man gut ist im Studium. Ein sehr guter FH-Absolvent wird eher bevorzugt als ein mäßiger Uni-Absolvent. Häufig sind Personaler von der Vielzahl an Abschlüssen überfordert. Hier muss man in der Bewerbung sehr trennscharf deutlich machen, was das für die Qualifikation für den Job eigentlich bedeutet. Denn Personaler entscheiden hier auch häufig nach Klischees, die sie bereits im Kopf haben.
Formal sind die Abschlüsse gleichgestellt.
Inhaltlich macht ohnehin so gut wie jede Hochschule, was sie möchte. Im Gegensatz zur Schule gibt es an Hochschulen keine allgemein verbindlichen Lehrpläne, sondern stattdessen die so genannte "Freiheit der Lehre".
Jedes Unternehmen kann natürlich bevorzugen, was es selbst möchte. Manche bevorzugen Absolventen ehemaliger Fachhochschulen, andere Universitätsabsolventen, wieder anderen ist das völlig egal.
Nicht wenige Unternehmen bevorzugen auch Absolventen von "ortsansässigen" Hochschulen, weil das Unternehmen da oft zumindest einigermaßen abschätzen kann, welche Inhalte vermittelt wurden. Nicht selten haben die Verantwortlichen selbst am entsprechenden Standort studiert oder es wurden einfach viele Leute eingestellt, die einen Abschluss an der entsprechenden Hochschule erworben haben, sodass man abschätzen kann, was diese Leute an Kenntnissen mitbringen.
Der formale Unterschied zwischen Universitäten und sonstigen Hochschulen (einschließlich ehemaliger Fachhochschulen) ist, dass man an einer Universität promovieren kann, an anderen Hochschulen jedoch nicht. Außerdem ist eine Universität dazu verpflichtet, neben ihrem Lehrauftrag auch ein gewisses Forschungskontingent zu erfüllen, während das für andere Hochschulen optional ist.
Man kann zwar nicht grundsätzlich sagen, dass ein Uniabschluss mehr wert ist als ein FH-Abschluss, da es immer auf die jeweiligen Berufsfelder ankommt. Bei einem praxisorientierten Berufsfeld wird man häufig FH-Absolventen bevorzugen. Problem ist jedoch, dass viele Tätigkeitsbereiche (etwa im höheren Dienst des öffentlichen Dienstes), in denen auch besser bezahlt wird, immer noch die Uni-Absolventen bevorzugt werden. Um die Chancen als FH-Absolvent/in voll zu nutzen, sollte man nach dem Bachelorstudium unbedingt noch ein Masterstudium machen.
Die Wahlmöglichkeit ist auch nicht ganz richtig.
Es kommt ganz alleine nur auf den einzelnen Studiengang an! Da gibt es allerdings gewichtige Unterschiede.
Bei den Ingenieuren war der "Standesunterschied" zwischen Hochschultypen noch nie sehr gross. Es kommt immer drauf an, was jemand so drauf hat was das für eine Persönlichkeit ist.
Meiner Meinung nach ist dieser Bachelor mehr oder weniger nur eine Art gehobene Berufsausbildung der höchstens zu einer Sachbearbeiter/Facharbeiter- Position befähigt. Wer aber z.B. eine Stabsstelle anstrebt, kommt nach wie vor wohl nicht an dem Master vorbei, was in etwa dem früheren Uni-Diplom entspricht.
Den Master bieten jetzt ja auch die meisten FHs an, nur die Promotionsmöglichkeit an den FHs fehlt halt noch. Aber wer von den Ingenieuren möchte schön noch langwierig promovieren, der keine Hochschulkarriere anstrebt?