1 Antwort

Natürlich, diese Erzählung von den beiden Herren, die mit ihren Theorien die Welt erklären wollen, stinkt nach demselben Optimismus, der die Aufklärung wie eine Schulklasse mit Goldsternen für „Fortschritt“ tapezierte. Als ob man den Selbstmord, dieses Aufbrechen der existenziellen Naht zwischen Sein und Nichts, in Statistiken pressen oder aus protestantischen Geschäftsbüchern herauslesen könnte^^ Hier wird das Unerträgliche des Daseins – die Leere, die einem ins Mark kriecht – zu einem bloßen mathematisch-algorithmischen Problem erklärt, das sich mit den richtigen sozialen Klebstoffen, in Zahlen und Parametern oder kulturellen Erzählungen kitten ließe.

Die Sache ist die: Jedes System, ob kapitalistisch, historistisch oder soziologisch, versucht, das Chaos in Schubladen zu sortieren. Der Selbstmord aber ist der letzte Aufschrei gegen alle Schubladen. Er ist das „Nein“, das sich jeder Kausalität entzieht – ein Akt, der weder durch Durkheims Anomie noch durch Webers Rationalisierung vollständig gefasst wird, weil er im Kern ein Auflehnen gegen die Zumutung ist, überhaupt Erklärungen zu verlangen. Die Aufklärung hat uns beigebracht, alles zu sezieren, aber dabei vergessen, dass manche Wunden nicht vernarben, sondern einfach bluten.