Kann es aufgrund der Unendlichkeit nichts Höchstes (Gott) oder höheres als Gott geben, da Unendlichkeit kein Ende kennt?
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4 Antworten
Gott ist nicht das Höchste, sondern die Unendlichkeit selbst.
Die Frage ist zu ungenau um sie beantworten zu können. "Das Höchste" kommt von "hoch" und seinem Superlativ "am höchsten". Es kann alles mögliche bedeuten. Folgendes kann z. B. hoch sein: ein Berg, der Absatz eines Schuhes, Wolken, ein Raum, eine Stirn, ein Turm, Schnee, ein Preis, ein Einsatz, Arbeitslosigkeit, Steuern, Fieber, Blutdruck, Alter, ein Offizier, Ansprüche, Ansehen, Entwicklung, Begabung, ein Ton, eine Stimme, ...
Mathematisch gesehen ist "höher als" eine Ordnungsrelation, die es erlaubt, bestimmte Objekte A und B zu vergleichen, nämlich solche, für die die Aussage "A ist höher als B" sinnvoll ist. Eine Menge, für deren Elemente eine Ordnungsrelation definiert ist, kann ein maximales Element enthalten, muss aber nicht. Z. B. ist die Menge der natürlichen Zahlen 1, 2, 3, ... bezüglich der Relation > (größer als ...) geordnet, enthält aber kein größtes Element. Fasst man > als senkrechte Höhe auf, wäre also z. B. 23 höher als 17, und es gäbe kein "Höchstes". Man kann aber die Menge {1, 2, 3} durch die unendliche Ordinalzahl ω erweitern und festlegen, dass sie größer (höher) ist, als jede natürliche Zahl. Dann ist in dieser Menge ω das Höchste. Andererseits kann eine endlich große Zahl größer als unendlich viele Zahlen sein: Z. B. ist 1 größer als jede der Zahlen 1/2, 2/3, 3/4, 4/5, ... und als 0, -1, -2, -3, ...
Und es gibt in der Mathematik verschiedene Stufen der Unendlichkeit!
Das Seiende und dessen zahlreiche Varianten entwickeln sich stets weiter im Kreis, bis es zu Kopien kommt. Werden - Vergehen - Wiederkehr, so auch Nietzsche. Also kann es nichts Höchstes geben.
Gott ist allmächtig, die Grenzen von Logik und Vorstellungskraft sind in Seiner Hand. Die Unendlichkeit, wie wir sie begreifen, ist ein Spiegel Seiner Herrlichkeit, doch sie bleibt ein Schatten gegen die Realität Seines Wesens. Es mag sein, dass viele Antworten jenseits unseres jetzigen Lebens offen bleiben, verborgen wie ein Garten hinter einem Schleier. Doch Gott gibt in seiner Liebe immer wieder Einblicke – durch Gebet, Offenbarungen oder Boten, die Seine Botschaft tragen.
Im Jenseits, wenn die Gerechten durch das persönliche Gericht Jesu Christi hindurchgehen und in Gottes Gegenwart eintreten, wird das Verborgene offenbar. Dort, wo die Seele im Licht Gottes ruht, in der Ewigkeit "chillt" – ja, dort wird uns das Unvorstellbare zur greifbaren Wahrheit. Doch auch hier, im Gebet, können wir fragen, lauschen, warten – und manchmal antwortet Er, nicht durch Worte, sondern durch das Flüstern des Heiligen Geistes.
A Elen i diriel erchîr,
gwir goll natha na chened,
a phennas na-uirad athan ven.
Na nglîr Enor ha e-garth,
Na galad Le i aear vân.
Oh Gott, der Du alle Sterne hältst,
Deine Wahrheit sei sichtbar,
und Deine Wege höher als unser Pfad.
Im Ruhm Deines Himmels sei unser Ziel,
im Licht Deiner Ewigkeit das ewige Zuhause.“
Gedicht einer Botin Gottes, Ela Nazareth, als Abschluss anstatt eines Resümees.
LG