Linguist mit Kreistheorie?
Es gab einen Linguisten, der die Theorie hatte, dass Sprache sich sozusagen in einem Kreislauf verändert. Es gibt Epochen, in denen sie analytisch wird und Epochen, in denen genau das Gegenteil geschieht. Alles, weil die Menschen in ihrer Veränderungsunruhe immer eine Vereinfachung wollen.
Weiss jemand, wie er hiess?
2 Antworten
Hm, der letzte Teil deines Satzes verunsichert mich. Wenn es immer nur um Vereinfachung geht, kann kein Kreislauf entstehen. Dann müsste bei allen Sprachen am Ende ein analytischer Sprachbau stehen.
Aber vielleicht meinst du den zyklischen Sprachwandel. Die Theorie wird Georg von der Gabelentz zugeschrieben. Er formulierte einen Kreislauf der agglutinierenden (=synthetischen) Sprachen, die über die Stufen flektierend und isolierend (analytisch) wieder zu agglutinierenden Sprachen werden.
Die Vereinfachungstendenz kann aber nur eine von mehreren Triebfedern sein. Denn es gibt ja auch die (eher umgekehrte) Tendenz, mehr zu agglutinieren als früher. In Wikipedia stehen 2 Beispiele aus der litauischen Sprache ("neue" Lokalkasus wurden eingeführt).
Auch im Nordgermanischen wurde mal das Agglutinieren eingeführt (dabei ist z.B. Westgermanisch keineswegs agglutinierend, sondern flektierend (Deutsch) bis isolierend (Englisch)). Schon im Altnordischen konnte man das feststellen (mann-gi = kein Mann, "niemand"; in der Edda stehen noch Verbformen mit -at Suffix drin, welche die Verneinung abbilden), und noch heute hat z.B. Schwedisch agglutinierte Elemente (kvinna/kvinnor/kvinnorna = Frau/Frauen/die Frauen). Auch aldri-gi ("niemals") ist mit -gi agglutiniert worden (heutiges Schwedisch "aldrig").
Aber es stimmt schon auch, dass manchmal Kasus verloren gehen. Englisch ist so ein Beispiel, heute gibt es nicht mehr (oder nur noch selten) "thou" (du) und "thee" (dich) (beides ist nun "you").
Auch Finnisch scheint heutzutage zu vereinfachen. Der Komitativ ist nur noch selten als Kasus in Benutzung ("ystävinenne" = mit Ihren Freunden, Höflichkeitsform), stattdessen nimmt man heute meist eine Formulierung ohne den Komitativ, "kahdeksan koiran kanssa" = mit acht Hunden.
Chinesisch hat gegenüber anderen Sprachen derselben Sprachfamilie (z.B. Tibetisch) eine vereinfachte Grammatik, so gingen Kasus verloren (Tibetisch ist eine flektierende Sprache). Manchmal ist es so, dass Sprachen, die über große Gebiete hinweg verteilt sind (Chinesisch, Englisch), eine Vereinfachungstendenz haben, wohingegen "kleine" Sprachen (oft mit nur wenigen Sprechern) oft noch eine komplexere Grammatik (flektierend, agglutinierend) bewahren konnten.
Und ja, das ist eine Theorie von Georg von der Gabelentz.