Wie würdet ihr den Film "Mein Freund Harvey" interpretieren?
Ich lese im Internet viele Deutungen, die den Hauptfokus eher auf die Freundlichkeit der Hauptperson legen. 'Harvey' wird dabei eher zu einer Art Betäubungsmittel, sozusagen einem Opium für das Volk, das den Hauptcharakter ruhig stellt und freundlich werden lässt und dass man ihm diese Betäubung allerdings gönnt. Nach dem Motto, lasst ihn doch spinnen, wenn er glücklich damit ist.
In meinen Augen greift diese Deutung zu kurz. Diese Deutungen gehen ja immer davon aus, dass Harvey nicht existiert. Sie sind sozusagen 'atheistisch' und sehen in Harvey eher so etwas wie eine Droge. Aber dabei gibt uns der Film ja immer wieder auch Hinweise, dass Harvey wirklich existiert. Sowohl die Schwester, als auch der Chefarzt sind am Ende davon überzeugt, dass es Harvey gibt. Es geht in meinen Augen im Film also viel eher um die Frage nach dem Glauben. Und es wird auch hinterfragt, wie wir als Gesellschaft mit Menschen umgehen, die sich in unseren Augen etwas einbilden. Z.B. Gott.
Als Katholik sage ich, dass Gott existiert. Atheisten sagen, dass es eine Einbildung ist. In meinen Augen symbolisiert Harvey Gott. Es gibt im Film keine empirischen Beweise, dass Harvey existiert, wir können nur den Zeugnissen der drei Personen glauben. Der Rest hält es für Einbildung und möchte dieser Einbildung mit Medikamenten begegnen.
D.h. ich würde den Film so interpretieren, dass er unser naturwissenschaftliches Weltbild hinterfragt und nicht, dass es darum geht, dass die Hauptperson sehr freundlich ist.
Wie seht ihr das?
2 Antworten
Die Zuwendung zu Harvey zeigt die Flucht aus der Realität. Alle die sich auf Harvey einlassen, verlassen mit dem Hasen zumindest eine zeitlang die Realität.
Die spirituelle Zuwendung zu Gott kann man manchmal als Realitätsverlust oder Realitätsflucht verstehen.
Ich glaube nicht das der Film das darstellen will. Der Film zeigt doch auch das Nächstenliebe und Freundschaft aufeinander wirken.
Eine Flucht vor der Realität existiert. Jeder lässt sich ein wenig anders ablenken. Imaginäre Freunde und imaginäre Götter gehören dazu. Ebenso wie der Barbesuch mit Harvey, Fremden und Alkohol.
Ich glaube, es steckt alles ein bisschen drin!
Eine Hommage an die Schrulligkeit, gleichzeitig ein Plädoyer gegen das nüchterne Effizienzdenken und für die Macht der Phantasie... und Übernatürlichkeit und Religion schwingen natürlich auch mit.
Gerade dadurch, dass der Film sich nicht auf eine Deutung festlegt und uns nicht belehren oder erziehen will, ist er ja so schön und poetisch! Und dass wir bis zum Ende im Unklaren bleiben, ob Harvey nun wirklich existiert oder nicht, passt da genau dazu.
Die Frage ist ja, ist der Hase denn nicht real? Am Ende vom Film bekommen wir ja viele Hinweise, dass Harvey wirklich existiert.