Eine für mich sehr prägsame (im negativen Sinne) Zeit in meinem Leben, waren die Jahre, die ich im Kinderheim verbringen musste, da meine Mutter starke Depressionen hatte & mein Vater schwer herzkrank war.
Ich bin heute noch, aufgrund dieser Zeit, in Therapie, obwohl die Geschehnisse fast 12 Jahre her sind.
Ich habe eine diagnostizierte Traumafolgestörung, eine Angststörung und Depressionen.
Im Kinderheim hatte ich zwei Suizidversuche, den ersten mit 11 Jahren, den zweiten nicht ganz ein Jahr später mit 12.
Im Heim waren Demütigungen, Machtmissbrauch, (sexuelle) Gewalt, Mobbing usw. an der Tagesordnung.
Man wurde zum Essen gezwungen - hat man seinen Teller nicht aufgegessen, musste man den ganzen Tag am Tisch sitzen, bis der Teller leer war. In dieser Zeit durfte man auch nicht aufs Klo gehen oder so. Wenn du's nicht mehr halten konntest, musstest du halt den ganzen Tag in deinem Urin sitzen.
Eine der Betreuerinnen zwang uns, um abends etwas fernsehen zu dürfen, ihr die Schultern zu massieren. Hörten wir damit auf, hat sie den TV auch direkt ausgeschalten.
Einer der Betreuer hat mich & andere Kinder angefasst.
Von einem anderen Kind im gleichen Alter, wäre ich auch beinahe missbraucht worden, als dieses in mein Zimmer stürmte, sich auf mich stürzte und versuchte mir meinen Pyjama vom Leib zu reißen.
Einer der Jungs aus der Heimgruppe hatte einen riesen Spaß dabei, wenn ich duschen war - ich habe immer in der Badewanne geduscht, da es in der Duschkabine zu eng und dunkel war, was mir als Kind zu große Angst gemacht hat - die Tür mithilfe einer Schere oder Geldmünze aufzusperren, reinzukommen, mich auszulachen & die Tür weit offen stehen zu lassen, sodass die anderen Kinder mich nackt sehen konnten. Von den Erziehern habe ICH dann ärger bekommen, da ICH mich ja nackt vor den Kindern präsentiert hatte.
Im Heim hat man natürlich auch keinerlei elterliche Liebe oder so bekommen. Man wurde nicht in den Arm genommen oder hat gesagt bekommen, dass man was gut gemacht hat. Empathie war für die Erzieher dort ein Fremdwort.
Man ist auch schulisch sehr unter Druck gesetzt worden. Es gab Punktesysteme für Noten, wodurch man sich 1. selbst unter Druck gesetzt hat und 2. gab es auch viel Neid und Konkurrenz unter den Kindern. In meinem Fall war es so, dass ich das erste Kind seit über 10 Jahren war, dass es nach der Grundschule auf eine weiterführende Schule geschafft hat, die nicht eine Hauptschule war. Die Betreuer haben ein riesen Fass aufgemacht, dass das ja so besonders ist, was mir aber mehr Ärger als Freude gebracht hat. Den anderen Kindern hat das natürlich sauer aufgestoßen. Ich bin oft von den anderen vermöbelt worden, weil ich ja, laut den Erziehern, "was besseres bin" und bin auch gezwungen worden, von vielen die Hausaufgaben zu machen, wenn von den Erziehern keiner geschaut hat. In meiner Schule hingegen, war ich das Opfer, weil ich ein Heimkind war, hab keine Freunde gefunden & war extrem unglücklich. Das ging soweit, bis ich meine Eltern angefleht habe, dass ich auf die Sonderschule kann, wie die meisten anderen Kinder in der Heimgruppe. Ich dachte, wenn ich auf deren Schule bin & nicht mehr auf der Realschule, werde ich nicht mehr gemobbt & fertiggemacht. Natürlich durfte ich die Schule nicht wechseln - und heute bin ich dafür sehr dankbar. Aber mein 11 jähriges Ich, wollte sich deshalb u.a. das Leben nehmen.
Im Heim ist man auch extremst von den Erziehern gedemütigt worden, wenn man als Mädchen seine Periode hatte. Das war relativ am Anfang, wo ich das erste Mal menstruiert hatte. Hab meine blutige Unterwäsche in den Wäschekorb geschmissen & was ist dann passiert? Eine Erzieherin nahm meine Unterwäsche (da unsere Wäsche nummeriert war - das waren Stoffetzen mit Zahlen drauf, die in jedes Kleidungsstück genäht wurde, wusste man ja, dass es meine war) und ging damit in den Flur, rief mich her & machte mich zur Sau, dass das ja eklig sei & dass ich gar nicht denken brauche, dass irgendjemand das für mich sauber macht, hat einen Eimer mit Wasser hingestellt (zu dem Zeitpunkt waren dann auch basically alle Heimkinder anwesend und haben das mitbekommen) und meinte, dass ich das schön selber machen soll & vor allen Kindern, musste ich mich auf den Boden knien & meine Unterhose in einem Eimer Wasser sauberschrubben. Ich war damals 10 Jahre alt. Hat dann natürlich dazu beigetragen, dass ich mich bis ins Erwachsenenalter extremst für meine Periode geschämt habe & nicht wusste, wie man damit richtig umgeht.
Und das sind nur ein paar Erlebnisse aus meiner Heimzeit. Ich könnte noch ewig so weitermachen.
War für mich die schlimmste Zeit meines Lebens & sie verfolgt mich immer noch. Habe noch heute Alpträume davon.