Ich hatte in meiner Jugend leider mit einem Stalker zu kämpfen. Das war auf der Oberschule, ich war gerade mal 15 Jahre jung. Achtung, langer Roman folgt.
Der Mann (erwachsen, wohlgemerkt) hatte mich mehrmals in der nähe der Schule gesehen und mich heimlich von weitem "geliebt". Anfangs lauerte er "nur" um die Schule herum und beobachtete mich am Ausgang oder Schulhof. Dann ging es aber weiter und er fing an heimlich Fotos von mir zu schießen. Nur Gott weiß, was er mit diesen Fotos angestellt hat aber allein die Vorstellung bringt mich auch heute noch zum brechen. Nach dem ewigen lauern und Fotos schießen, fing er an den Unterricht zu stören und das mehrmals in der Woche. Er ließ jemanden Blumen, Geschenke und Briefe mit sehr unangebrachten perversen Briefen liefern, irgendwann wurde die Lehrerin richtig wütend und laut. Verständlich, da ständig Unbefugte auf dem Gelände waren und in unseren Klassenraum eindringen wollten. Irgendwann rief sie völlig entnervt die Polizei, die haben aber nichts getan, sondern sie nur rausbegleitet. Das brachte überhaupt nichts also ging es noch Monate so weiter. Es ging so weit, dass ich vorher immer checken musste, ob er sich am Ausgang herum trieb und wenn ja, musste ich hinten raus und über den Zaun klettern! Nur so kam ich unbemerkt nachhause.
Das aber klappte aber irgendwann nicht mehr. Irgendwann hatte er meine Route nachhause herausgefunden, lief aufdringlich neben mir her und versuchte mich einzuladen. Ich schrie, fluchte und tobte aber ihn kümmerte es herzlich wenig. Ich betonte unzählige Male, dass ich minderjährig bin und lieber tot wäre, als ihn kennen zu lernen. Er belächelte mich nur und ließ sich nicht abschütteln. Die Polizei wie gesagt, unternimmt so gut wie gar nichts. Erst wenn Opfer sterben, werden die Täter gejagt aber vorher werden kaum Vorkehrungen geschlossen, da sie oft Mitleid mit männlichen Tätern haben und das Problem herunter spielen. "Er sei doch nur verliebt", "so sind Männer halt", habe ich schon viel zu oft gehört. Bis heute wundern sich Menschen, wieso kaum ein Opfer den Mund auf macht.
Nach Monaten lief ich wie gewohnt nachhause, mit dem Wissen, dass er mich wieder verfolgt. Ich schrieb beim laufen meinem älteren Bruder eine Sms und sagte bescheid, wann ich zuhause bin. Ich hatte ihn wenige Tage vorher in alles eingeweiht und er wollte das selbst in die Hand nehmen. Als ich zuhause ankam, ließ ich absichtlich die Eingangstür einen Spalt offen. Der Mann schlich ebenfalls ins Haus und wollte scheinbar nach oben bis zur Wohnungstür, nur hatte er nicht mit meinem Bruder gerechnet. Mein Bruder ist groß und breit und war damals in jungen Jahren verdammt fit. Er schnappte sich den Mann und verpasste ihm im Treppenhaus die Prügel seines Lebens. Ich versteckte mich oben und hörte alles mit. Der Stalker hat Rotz und Wasser geheult und um Gnade gewinselt. Mein Bruder hatte ihn heftig zugerichtet, warnte und drohte ihm, dass beim nächsten Annäherungsversuch er noch zusätzlich mehrere Onkels und Cousins dazu holen würde. Unsere Familie ist extrem groß. Dazu kam es aber nie, da die Prügel von einem einzelnen Mann anscheinend mehr als ausreichend war. Man wäre ja lebensmüde, wenn nicht. Danach sah ich ihn nie wieder. Ich hoffe bis heute, dass er aus dieser Lektion etwas gelernt aber ich bezweifle es. Solche Täter suchen sich dann eher Opfer, die keine männlichen Beschützer haben.