Ab welchem Alter verarbeitet das Gehirn alles genauso wie bei Erwachsenen?

2 Antworten

Bei der Geburt ist nur der Hirnstamm, die Region, die Vitalfunktionen wie Herzschlag und Atmung kontrolliert, voll funktionsfähig. Sogar wo ein Schmerz herkommt, muß ein neugeborenes Kind erst lernen.
Insbesondere wird das autobiographische Gedächtnis erst ab einem Alter von etwa 3 Jahren ausgebildet und ist erst im Alter von etwa 6 Jahren voll funktionsfähig. Die Anzahl der Neuronen bleibt dabei etwa gleich, die Zahl der Synapsen erhöht sich aber etwa um den Faktor 16. Die Entwicklung der übrigen Bereiche wird durch die Lebenserfahrungen (Umwelt) gesteuert. Drei- bis Zehnjährige haben dann etwa doppelt so viel Synapsen wie Erwachsene, dadurch lernen sie besonders leicht.
Nicht das größte Hirn ist das leistungsfähigste, sondern das Hirn mit der für die Lebensbedingungen am besten angepassten Struktur. Vor der Pubertät besteht für den Heranwachsenden die Aufgabe Erfahrungen (Wissen) zu erwerben, die dann nach der Pubertät verwendet werden können. Das Gehirn eines Erwachsenen stellt nur etwa 2% seines Gewichts dar, verbraucht aber 20% der Energie und bei Jugendlichen teilweise doppelt so viel. Nach der Pubertät ist der große Energieverbrauch des Hirns überlebendsschädlich und deshalb werden in der Pubertät etwa die Hälfte der Synapsen des Gehirns abgebaut. Aber auch nach der Pubertät müssen zur Aufrechterhaltung der Struktur in bestimmten Teilen des Gehirns ständig neue Neuronen und an diesen entsprechende Synapsen als Ersatz für abgestorbene Neuronen gebildet werden. Nicht verwendete Synapsen werden nicht mehr versorgt und werden dadurch funktionsunfähig. Häufig verwendete Synapsen werden gestärkt.
Wahrnehmung heißt eine Gesamtheit von Sinneseindrücken mit einer bekannten Struktur zu vergleichen. Wiederholen sich solche Gesamtheiten von Sinneseindrücken, so wird die angelegte Struktur gefestigt. Dabei wird die Möglichkeit diese Gesamtheit von Sinneseindrücken mit anderen Sinneseindrücken zu verknüpfen mehr und mehr abgebaut.
Die Effektivität geht zu Lasten der Flexibilität.


Timo3681 
Beitragsersteller
 13.03.2025, 13:12

Littlethought

Was ist mit der These, das in dem ersten 3 Jahren nur Leere ist und man nichts mitbekommt und in einer Nacht in 3. Lebensjahr sieht man ganz viele Bilder aufblitzen?

Littlethought  13.03.2025, 17:00
@Timo3681

Diese These scheint ein Phantasieprodukt zu sein, das durch keine empirischen Untersuchungen belegt ist, sondern im Prinzip widerlegt ist.

Timo3681 
Beitragsersteller
 13.03.2025, 17:11
@Littlethought

Wie meinst Du es genau mit widerlegt? Woher weiß man, ob man in 3. Lebensjahr in einer Nacht viele Bilder träumt, was nur in dieser einen Nacht so wäre oder ob es nicht so ist?

Littlethought  13.03.2025, 19:06
@Timo3681

Du befindest dich in einem vollkommenem Irrtum in Bezug auf die Träume. Das, was du als Bild bezeichnest ist eine Konstruktion des Gehirns das, die jeweiligen Erwartungswerte zu einer Einheit ergänzt, die dann als Bild interpretiert wird. Hierzu ist die Funktion des Sprachzentrums notwendig. Das Denken (auch das in Bildern) setzt sprachliche Begriffe voraus. Im Schlaf ist aber das Sprachzentrum als Teil des Großhirns ausgeschaltet. Selbst die rein visuelle Wahrnehmung benötigt die Einschätzung des zukünftigen Ablaufs um Zwischenbilder zu erzeugen, damit zwischen der akustischen und der visuellen Wahrnehmung keine Diskrepanzen entstehen. Die akustische Wahrnehmung ist etwa 100 mal schneller als die visuelle.
Thesen, wie die obige von dir, haben den Wert von Kaffeesatzinterpretationen.

Das hat nichts mit Träumen zu tun. Ab etwas 3 Jahren hat man als Baby ein sogenanntes Ich Bewusstsein was ich immer entwickelt bis zum Tod.