Was für Mentalitäts-Unterschiede gibt es zwischen Deutschen und Spaniern?
Meiner Erfahrung nach sind Spanier zurückhaltender und Deutsche offener. Was sind Eure Erfahrungen?
Z.B. wird in Deutschland in den Supermärkten ständig ein schönes Wochenende gewünscht. Sowas habe ich in Spanien noch nie erlebt.
Ich hatte in Spanien mal einen spanischen Mitbewohner in meiner WG. Der hat seit 6 Monaten kein einziges Wort mit uns geredet! Der wusste nach 6 Monaten nicht mal, wie die anderen heißen. Aber auch die anderen Spanier waren eher zurückhaltend, während die Deutschen offener waren und sofort Gespräche anfingen.
4 Antworten
Ich finde es lustig, denn ich habe überwiegend genau gegenteilige Dinge erlebt.
Da sind eher die Deutschen die verschlossenen, mag dran liegen dass ich aus Norddeutschland komme - uns sagt man ja nach besonders verschlossen zu sein, während Spanier im Speiseraum vom Hostel einen teils schon ansprechen, bevor man überhaupt gemerkt hat, dass jemand in den Raum gekommen ist.
Oder ich beim Feiern in anderen Ländern oft Spanier (männlich und weiblich) kennengelernt habe, eher als Deutsche, die Deutschen haben einen dann höchstens angesprochen wenn sie einen haben Deutsch sprechen hören, nachdem man schon eine Stunde neben denen getanzt hat.
Spanierer wirken mehr wie Gruppenmenschen, egal ob sie die Gruppe vorher shcon kennen oder nicht, währen Deutsche meinem Empfinden nach eher Individualisten sind.
Ich kann da AgeOfSagi zustimmen, ich fand sie auch etwas emotionsloser - egal ob bei positiven oder negativen Themen, aber insgesamt extrovertierter als viele Deutsche.
Ich komme auch aus Norddeutschland. und GERADE im Norden Deutschlands sind die Menschen offener. Ich habe 20 Jahre in Deutschland gewohnt und 4 Jahre in Spanien. Daher denke ich, dass ich das schon beurteilen kann. Ein lustiger Moment war z.B. als ich von Spanien nach Deutschland gereist bin und da hatte ich mich etwas mit Minzöl eingesprüht und sowohl die Kassiere als auch die Kunden in Deutschland im Supermarkt machten sofort Bemerkungen. Sowas wäre mir in Spanien nie passiert. Oder auch wenn ich im Winter kurze Hosen trage, bekomme ich in Deutschland sehr viel öfter die zu-kalt-Frage gestellt als in Spanien. Bei gleichen Temperaturen wohl gemerkt. Ich hatte mal einen WG-Nachbarn in Spanien (er war Spanier), der hat mit den anderen seit 6 Monaten gar nichts geredet und wusste nicht mal wie die anderen heißen. Das ist zwar ein Extrembeispiel, fügt sich aber wunderbar ein in die anderen Erfahrungen die ich mit Spaniern gemacht habe. In meiner Zeit in Valencia, wo ich auch in einer WG lebte, waren es ausgerechnet die Spanier, die am zurückhaltendsten waren! Die aus anderen Ländern waren da sehr viel kontaktfreudiger.
Spaniern ist Respekt vor anderen Menschen sehr wichtig. Sie sind gesellig, offen und herzlich. Gleichzeitig sind sie temperamentvoll. Sie verhalten sich im Straßenverkehr sportlich-fair. Sie denunzieren andere nicht, die ihnen nichts getan haben. Sie verstehen etwas von sehr gutem Essen. Wegen der Hitze ist es Tradition, den Arbeitstag mit einigen Stunden Pause zu unterbrechen und eher in den Abend hinein zu arbeiten. Dementsprechend spielt sich das Leben, auch das der Kinder, bis in den späten Abend hinein ab. Das hat auch mit der falschen Zeitzone zu tun, Spanien müsste von Natur aus westeuropäische Zeit haben, hat aber mitteleuropäische. In der Kneipe haben Spanier kein Sitzfleisch, sie kommen nur kurz rein, trinken ein kleines Bier, besprechen etwas mit irgendwem und sind dann schnell wieder weg. Wenn sie ausgehen und sich auf öffentlichen Straßen und Plätzen mit anderen treffen meiden sie nicht so sehr die Gastronomie wie es Italiener tun. Einen Hund an der Leine mit sich zu führen, der alles vollkackt, ist in Spanien nicht so üblich. Spanische Kellner sind sehr beleidigt, wenn man das Trinkgeld in kleinen Münzen gibt. Hochzeiten, aber auch Taufen, mit extrem vielen Gästen und astronomischen Kosten sind in Spanien Tradition. Ein Kulturgut war schon immer genauso populär wie Fußball: der Stierkampf. Spanier sind fast alle katholisch, und eigentlich war das wichtigste christliche Fest im Winter, wo die Kinder beschenkt werden, ursprünglich nicht Weihnachten, sondern der Dreikönigstag.
Spanier sind sachlicher, trockener und weniger emotional als Deutsche, dabei jedoch sehr extravertiert und gesellig, während Deutsche introvertierter sind, oft zum Neid neigen, aber auch starkes Mitleid mit Schwachen haben im internationalen Vergleich.
Jedoch äffen uns die Spanier seit Jahrzehnten nach in Politik und Landesentwicklung.
Schau dir in Spanien abends die Kneipen der Einheimischen an. Dicke voll und laut im Gegensatz zu unseren.
Ist in Deutschland auch nicht anders. Nur dass die Spanier 2 Stunden später zu essen beginnen. In DE sind die Lokale auch voll und laut. Ich habe das selbst erlebt. Aber die Deutschen sind immer offen für neue Bekanntschaften und Kontakte. Die Spanier klammern sich eher an vertraute Personen, statt neue kennenzulernen.
Der Hauptunterschied ist, dass Spanier Familienmenschen sind und es keinen Generationenkonflikt gibt
Sie sind sehr umgänglich und Konservationstalente. Du kannst zwei wildfremde Spanier ans Telefon setzen und sie unterhalten sich eine halbe Stunde lang vergnügt und bereichernd. Spanier sind auch sehr solidarisch, tolerant, inklusiv. Seit jeher. Ohne dass man ihnen das sagen muss. Jeder soll sein Leben leben.
Es wird keiner im Vorbeigehen gemustert. Du erkennst Deutsche am stechenden Röntgen-Blick in Spanien oder auch daran, dass man schon 20 Meter vorher anzeigen muss, auf welcher Seite man vorbeigeht. In Spanien reicht es, wenn man eine halbe Sekunde vorher auf seine rechte Seite ausweicht, sich aber bei einer zufälligen Berühung - statt die Ellbogen auszufahren - höflich entschuldigt.
Zum anderen wollen Spanier nicht mit dem Kopf durch die Wand (erst recht nicht, wenn die Tür, also die Lösung, 2 Meter daneben liegt). Sie verfolgen einen Plan, ihr Leben, ohne ständig verunsichert von einem Extrem ins andere zu fallen und davon zu reden, in ihrem Leben ständig etwas radikal ändern zu müssen.
Das generell. Davon gibt es Ausnahmen und auch die Region spielt eine Rolle. Menschen im Süden und am Meer sind umgänglicher als Menschen im Norden oder in Bergregionen.
Dass diese umgänglich sind, soll nicht heißen, dass sie jetzt mit jedem zu jeder Zeit über alles reden oder ständig ihr Leben hinterfragt sehen wollen, sondern dass sie gewisse Normen im Umgang beachten, die Deutschen teilweise völlig unbekannt sind, denn in Deutschland zählt das Ergebnis, der Zweck heiligt die Mittel, Menschen sind ungeduldig, weil verunsichert und grundsätzlich negativ denkend.
In Spanien nicht. Sie müssen sich grundsätzlich nicht mit dir abgeben, da sie ihr Leben dort haben, ihre Vorstellung von Freunden und Freundlichkeit, ihre Vorstellung von Hygiene und Spaß, ihre Bestätigung von Freunden und Familie, die bedingungslos zu ihnen halten - ohne toxische Manipulation. Sie haben ihre Vorstellung davon, nicht alles sofort zu verlangen, geduldig zu sein, sich auf einem kulturellen Level zu verstehen, den sie mit anderen Latino-Ländern teilen.
Vielleicht war auch das Thema ein falsches. Arbeit oder Studium ist nicht etwas, was 100% des Gesprächsstoffes ausmacht. Was auch, wenn diejenige Person arbeitslos ist: Es berührt sie vielleicht, von Arbeit zu reden. Hinzu kommt, dass es derzeit eine Art Übertourismus gibt, der den Spaniern das Leben verteuert. Will heißen: manch protzige Art kommt dort auch nicht gut an, wenn sie von Leuten kommt, die sich dort nicht ihren Lebensunterhalt verdienen.
Es sind andere Verhaltensnormen, ein anderer Umgangston. Spanier schweigen lieber, als sich in einen Konflikt zu begeben, nehmen lieber Abstand von Personen, die ihrer Meinung nach zu fordernd, toxisch oder schlecht gelaunt sind. Aber im Einzelfall gibt es natürlich auch Psychopaten oder Leute, die rassistisch sind oder es in einer WG oder unter Kulturfremden nicht aushalten. Die meisten Spanier gehören aber nicht dazu.
Und ja: Spanier zeichnen sich dadurch aus, sehr extrovertiert zu sein. Das beginnt bereits im frühen Kindesalter und wird auch so von der Gesellschaft gefordert.
Bin Spanier, wohne in Spanien, kenne Leute wie dich zu genüge.
Finde nicht, dass Spanier extravertriert sind.