Ich schildere dir mal meine Erfahrungen:
Ich war fast 40 Jahre Fleischesser und habe mir nie groß Gedanken über meinen (doch recht großen) Fleischkonsum gemacht. Klar, ich wusste das Schnitzel nicht auf Bäumen wachsen, aber mal ehrlich, das war eben nur ein Stück Fleisch. Kein Schwein, keine Schreie, keinen Bolzenschuss, keine zuckenden Reflexe nach dem durchschneiden der Kehle, keinen Blutstrom der aus dem Hals schießt, kein an den Hinterläufen aufgehängtes Lebewesen das gerade seinen entgültig letzten Atem ausgehaucht hat. All das habe ich nicht gesehen. Es war eben nur ein Stück Fleisch auf das ich an dem Tag eben gerade Bock hatte.
Ich war schon immer ein tierlieber Mensch. Während andere Kinder den Spinnen die Beine ausgerissen und gelacht haben, habe ich sie in die Hand genommen und vor ihnen versteckt. Ich kann mich noch erinnern das ich echt riesig schiss vor Heuschrecken hatte weil die ja ordentlich beißen können. Aber als sich meine "Freunde" eine vornehmen wollten, hab ich sie trotz großer Angst gepackt und bin gerannt...
Merkst du wie paradox das eigentlich ist? Jedes noch so winzige Tierleben war mir wichtig und gleichzeitig habe ich andere Tiere für mich umbringen lassen um sie zu essen...
Ich schweife ab.
Wie gesagt, lange bin ich durchs leben gelaufen und habe dieses Paradoxum verdrängt. Die Wirtschaft hat ihr übriges getan um all das Leid unter der Oberfläche zu verstecken. Lachende Schweine und glückliche Kühe auf den Packungen... Erst mit 39 habe ich das System immer mehr hinterfragt und schließlich wusste ich, ich darf nicht mehr wegsehen.
Als habe ich mich gezwungen Earthlings anzusehen und die Doku traf mich so hart wie ein Vorschlaghammer. Es hat mir die Augen geöffnet und meine Sichtweise massiv verändert.
Seit dem sehe ich in den Regalen nicht nur Fleisch, sondern ich sehe Bilder von getöteten Tieren. Ich sehe Blut und höre die Schreie... Und gleichzeitig sehe ich Menschen, die (so wie ich vorher) wie blind die Sachen kaufen und gar nicht wissen wie sie da hin kamen.
Anfangs hat mich das fertig gemacht. Wie können Menschen so etwas unterstützen. Ich habe mich hilflos, machtlos gefühlt weil niemand es hören wollte. Ich habe versucht meine Familie aufzuklären. Sie wollten es nicht hören, was mich noch mehr fertig gemacht hat. Freunde, Bekannte, Familie, alle stopften tote Tiere in sich hinein ohne auch nur einen winzigen Gedanken an das Tier dahinter zu verschwenden. Man sieht nur noch blinde Menschen und man möchte ihnen die Augenbinde abnehmen. Aber sie wehren sich verzweifelt, schlagen dir die Hände weg und ziehen die Augenbinde wieder runter und beschimpfen dich...
Kannst du vielleicht ein wenig verstehen wie es mir in dieser Zeit ging?
Ich denke, einige Veganer bleiben einfach in dieser Phase hängen und versuchen ihr Leben lang andere "zu bekehren". Ich hab recht schnell gemerkt, dass diese Sicht der Dinge nur noch mehr Leid bringt. Ich habe akzeptiert das die Menschen die Wahrheit nicht hören wollen, solange sie es nicht wirklich von selbst wollen. Eine bessere Alternative ist es, den Menschen vorzuleben, dass man auch ohne Fleisch, Milch und Eier hervorragend leben kann und es kein Verzicht ist, sondern vielmehr eine Bereicherung.