Hallo,
grundsätzlich haben wir, unabhängig von der Tageszeit, ein freies Betretungsrecht in der Natur. In Bayern beispielsweise hat das sogar Verfassungsrang.
Grundsätzlich, so habe ich das einmal gelernt, heißt, dass es Ausnahmen gibt. In vielen Naturschutzgebieten herrscht ein Wegegebot, sie dürfen nur auf ausgewiesenen Wegen, nicht querfeldein, betreten werden. So sollen beispielsweise trittempfindliche Pflanzen und störungsempfindliche Tiere geschützt werden. Diese Regeln sind an der Grenze des Naturschutzgebietes auf Schildern nachzulesen. Ein paar weitere Einschränkungen gibt es noch, siehe die von Silo123 genannte Regelung. Aber normalererweise ist es erlaubt, in einem Wald zur Nachtzeit abseits der Wege laufen.
Sperrungen wegen der Jagd sind möglich. Dies passiert auch, aber nur bei größeren Drück- oder Treibjagden, wenn viele Jäger gleichzeitig in einem Revier ansitzen und das Wild mit Hunden und Treibern "in Bewegung gebracht" wird. Dies ist in einem Revier aber selten, vielleicht ein- oder wenige Male im Jahr der Fall. Nachts werden keine Drück- und Treibjagden abgehalten. Wenn einzelne Jäger alleine zur Ansitzjagd gehen (dies kann sehr häufig und auch nachts stattfinden) dann wird natürlich nichts abgesperrt. Aber egal ob abgesperrt oder nicht, ob Einzel- oder große Drückjagd, ob es hell oder dunkel ist, ich bin als Jäger immer für meinen Schuss verantwortlich. Ich muss immer wissen, worauf genau ich da schieße. Ich muss sicherstellen, dass es einen "Kugelfang" gibt. Das heißt, der Weg des Geschosses nach Passieren des Wildkörpers muss immer direkt Richtung sichtbaren Erdboden gehen, es darf nicht sein, dass es dahinter waagerecht in eine unübersichtliche Dickung geht, in der sich ja jemand verstecken könnte. (Übrigens der Hauptgrund für Hochsitze: der Schuss von schräg oben führt eher zum Erdboden als waagerecht!)
Kurz gesagt: es gibt nirgends auf der Welt absolute Sicherheit. Aber wenn man bereit ist, bei grüner Fußgängerampel über die Straße zu gehen, obwohl es da Autofahrer gibt, dann braucht man das Risiko schon gar nicht zu scheuen, nachts im Wald zu sein, obwohl es Jäger gibt.