Wie neutralisiert man das Gefühl von Verunreinigung bei Zwangshandlungen (Waschzwang)?

3 Antworten

Hi Augenblickler,

Zwänge sind fast immer mit Ängsten gekoppelt: die Zwangshandlung vermindert die Ängste. Beim Waschzwang z. B. ist es die Angst vor "Kontamination" oder "Erkrankung".

Verhaltenstherapeutisch gibt es durchaus mehrer Möglichkeiten, die aber letztlich auf etwas ähnliches herauslaufen. Eine sehr typische Therapie aus der kognitiven Verhaltenstherapie ist die sogenannte "Exposition mit Reaktionsverhinderung". D. h. der Betroffene wird der angstauslösenden Situation ausgesetzt ohne die angstreduzierenden Reaktionen/Zwangshandlungen durchzuführen, also er fasst die Türklinke an, OHNE sich danach die Hände zu waschen. Dies kann mit sich steigernden Situationen schleichend geschehen oder direkt mit eher extremeren Situationen. ZUm einen setzt eine gewisse Gewöhnung ("Habituation") ein und zum anderen die Erkenntnis dass zum einen die Ängste irgendwann abflauen und zum anderen, dass die Ängste nicht so stark werden wie befürchtet.

Zwänge können auch auf kindliche Entwicklungsstörungen zurückzuführen sein (im äußerst klassischen Sinne kann, nach Freud, beispielsweise eine Störung der analen Phase zu einer Zwangsstörung führen; dies darf man aber nicht zu dogmatisch sehen, aber es ist tatsächlich eine Möglichkeit, die man häufig findet). Verdrägte Konflikte und Traumata können zu Zwangsstörungen führen. Hier würde eher an psychoanalytischer/tiefenpsychologischer Ansatz ansetzen.

Mittels Hypnosetherapie kann man ganz wunderbar beides kombinieren. So gibt es sehr vielversprechende Ansätze Zwangststörungen und die damit verbunden Ängste durch eine Kombination von Hypnotherapie und Verhaltenstherapie zu therapieren. Mit Hilfe hypnoanalytischer Techniken kann man auch möglicherweise vorhandenen lebensgeschichtlichen Ursachen nachgehen. Bei reinen Ängsten hat sich die Kombination aus Hypno- und Verhaltenstherapie bereits in vielen Studien als hocheffektiv und nachhaltig herausgestellt. Sie zeigt aber auch bei Zwängen gute Erfolge.

Ein anderer Punkt ist wie lange die Zwänge sich bereits, unbehandelt, chronifiziert und ggf. ausgeweitet haben (Zwänge neigen sehr dazu sich auszudehnen; Beispiel: heute muss nur das Besteck am Esstisch ordentlich liegen... nach einigen Jahren Jahr verbringt man bereits 1/3 des Tages mit Ordnungszwängen in den verschiedensten Lebensbereichen; und auch sämtliche Rollen Toilettenpapier müssen in der Besenkammer millimetergenau aufeinander gestapelt sein).

Gäbe noch viel mehr dazu zu erzählen, aber ich hoffe das hilft Dir erstmal...

LG

Ein Verhaltenspsychiater kann dir da am besten weiterhelfen, denn das ist eine tiefgehende psychologische Störung, die man nur durch lange Therapie in den Griff bekommt. Man muss zuerst mal herausfinden, woher dieser Waschzwang kommt und dort ansetzen, und dann muss das gesamte Verhaltensmuster rekonditioniert werden, sodaß du in dieser Beispielsituation nicht mehr das Gefühl hast, das alles gewaschen werden muss.


Man kann sich in Therapie begeben, so dass man lernt, mit der Krankheit umzugehen