Ich habe eine Vermutung, warum es so ist und wie man darin einen tieferen Sinn erkennen kann. Ich versuche es mal zu erörtern ...
So gehe ich stark davon aus, dass es in der fernen Vergangenheit, vielleicht vor 30.000 Jahren, ein Ereignis gab, bei dem ein Mensch oder eine Gruppe von Menschen eine Erfahrung mit dem Jenseits machte. Ob es sich dabei um einen Besuch von den Sternen handelte oder um Wesen, die wir als Gott, Götter oder Engel bezeichnen, spielt letztlich keine Rolle. Entscheidend ist, dass dieses Ereignis den Menschen den Glauben an ein Jenseits vermittelte, den sie seitdem durch Rituale und spirituelle Praktiken in ihrem Alltag leben. Diese Entwicklung lässt sich religionshistorisch gut nachweisen und ist interessant, da sie unabhängig voneinander auf verschiedenen Kontinenten stattfand.
Ab diesem Zeitpunkt bildete sich, beeinflusst durch zeitliche und kulturelle Faktoren, eine frühe Form von Religion heraus, die heute als sogenannte Primärquelle verstanden wird. Diese Quelle lässt sich in Indonesien lokalisieren und breitete sich kulturell aus, sei es durch Missionare oder Handelskontakte. Hierbei gab es zwei historische Stränge: einen im Nahen Osten und einen in Südostasien. Von diesen Strängen aus breiteten sich die großen Religionen aus und vermischten sich zum Teil.
Es ist eine Tatsache, dass die Glaubenssysteme, die aus dieser ursprünglichen Primärquelle hervorgingen, im Laufe der Zeit kulturell und kontextuell angepasst wurden. Dies geschah durch die Modifikation von Glaubensinhalten, die teilweise zu neuen Konzepten eines eigenen Gottes führten. Der Henotheismus war in diesen frühen Formen durchaus präsent, da es einen höchsten Gott gab, der über anderen kleineren Göttern und Himmelswesen stand, wie z.B. im Hinduismus zu sehen ist.
Logischerweise müsste also die älteste Religion diejenige sein, die man annehmen sollte, wenn man an Gott glaubt. Die Begründung dafür ist klar: Originalität und Authentizität. Alternativ könnte man auch die Religionen betrachten, die mit den Lehren der ältesten Religionen die größten Übereinstimmungen aufweisen, wie zum Beispiel das Christentum, das aus den Wurzeln des Sanatana Dharma schöpft, oder den Buddhismus, der teilweise aus dem Hinduismus hervorgeht usw.
Wenn man die Frage ohne den Absolutheitsansprüchen interreligiös betrachtet, könnte man davon ausgehen, dass jede Kultur ihre eigenen Religionen und Glaubenssysteme besitzt, am Ende jedoch alle dasselbe Ziel verfolgen: den höchsten Gott zu folgen! - Denn eines ist sicher: Religionen stammen nicht von Gott, sondern wurden von Menschen konstruiert. Für Gott sitzen seine Kinder alle im selben Boot, nur auf verschiedenen Etagen, wobei manche näher und andere ferner von ihm sind.
Mit dieser Denkweise kann ich mich als Gläubiger gut arrangieren, um die Frage des Religionspluralismus zu verstehen und einen Sinn darin zu finden.
LG.