Ich komme mir fremd vor im eigenen Land - was tun?

26 Antworten

Das Beste, was ich dir raten kann, ist dir (später?) einen anderen Weg zu suchen.

Gegen laute Mitschüler kann man nicht wirklich etwas machen.

Je mehr Distanz du zu so Situationen bekommen kannst, desto besser.

Hallo!

Erstmal Glückwunsch. Wenn in deiner Klasse, insgesamt "nur" 18 Schüler sind. Das ist nämlich schon mal besser, als es in vielen anderen Schulklassen Deutschlands, der Fall ist.

Mich würde interessieren in welchem Bundesland du lebst? Schulbildung ist ja Ländersache. Was die Leistungsfähigkeit von Schülern angeht, haben wir in Deutschland, schon fast ein Nord-Süd Gefälle.

Bei mir in Berlin, sind die Schüler oft "schlechter", als zum Beispiel in Bayern, oder Baden Würtemberg.

Interessanterweise hat Bayern, und Baden-Würtemberg, einen höheren Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund, als Berlin.

Wenn bei dir im Unterricht, es unruhig und laut ist, ist die Frage woran es liegt. Du vermutest den Grund darin, dass über 70% der Schüler, einen Migrationshintergrund haben. Meiner Ansicht nach, ist das nur eine sehr oberflächliche Sicht, der Dinge.

Vor ein paar Jahren, geriet die Rütli Schule in Berlin-Neukölln, in die Schlagzeilen. Es gab dort viele Probleme. Der Anteil der Schüler, die einen Migrationshintergrund hatten, lag bei über 80%. Lehrer wendeten sich an die Öffentlichkeit, weil kein "normaler" Unterricht möglich war.

Mittlerweile hat sich dort viel getan. In Berlin ist sie schon fast eine "Vorzeige" Schule. Man hat viel getan. Was man nicht getan hat, ist den "Ausländeranteil" zu senken. Der ist fast gleich geblieben.

Als einzelner Schüler kann man natürlich wenig tun. Letztendlich kann man nur etwas tun, wenn alle zusammen, an einem "Strang" ziehen. In erster Linie Schulleitung, und Kultusministerium. Aber selbstverständlich muss man Lehrer, Schüler und Eltern, mit ins Boot holen.

Ein Anfang wäre, dass du zusammen mit der Schülervertretung, bei der Schulleitung wirbt, dass es Probleme gibt, und das Lösungen gefunden werden müssen. Die Elternvertretung, kannst du auch ansprechen.

Aber ich will dir keine Hoffnung machen. Ein solches "Klima" wie du es beschreibst, ist schwer zu verändern. Oft haben Lehrer und Schulleitung, den Kopf in den "Sand" gesteckt.

Jetzt noch zu deiner Frage, ob ich mich fremd im eigenen Land fühle? Ich bin Berliner. Ich bin mit Türken, Kurden, Arabern, Afrikanern, Albanern, Kroaten, Italienern, Griechen, aufgewachsen und zur Schule gegangen. Ich will nichts beschönigen. Es war nicht immer einfach, alle kulturellen Eigenheiten unter einen "Hut" zu bringen. Das brachte auch Konflikte mit sich.

Aber letztlich sehe ich es als Bereicherung. Ich kenn es ja auch nicht anders. Diese verschiedenen Kulturen gehören für mich zu Deutschland. Denn ein "anderes" Deutschland, habe ich nicht kennen gelernt.

Viele meiner Freunde haben einen Migrationshintergrund. Es gibt vieles was uns unterscheidet. Aber letztlich sehen wir uns alle als Berliner. Egal woher unsere Eltern kamen.

Und es gibt doch nix schöneres, wenn mein Freund Luc, dessen Eltern aus Ghana stammen, in Englisch rappt, und er es nicht hin bekommt, seinen Berliner Dialekt zu unterdrücken. Wa? ;)

Deutschland ist bunt!


Bitterkraut  24.06.2016, 20:06

Und mir wärs todlangweilig, hätte ich nicht Freunde und Bekannte aus aller Herren Länder. nur mit deutschen mein ganzes Leben verbringen, tödlich langweilig.

Und der Zusatzvorteil, wenn ich in Länder fahre, aus denen meine Bekannten kommen, brauch ich kein Hotel.

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BerlinEastside  24.06.2016, 20:37
@Bitterkraut

Ja. In andere Länder reisen, und Freunde besuchen ist toll. Aber fast noch schöner finde ich es, wenn man im eigenen Land, die Möglichkeit hat, andere Kulturen kennen zulernen.

Auf einer türkischen Hochzeit zu tanzen, arabische Gastfreundschaft zu erleben, die Herzlichkeit einer italienischen "Mama" genießen zu dürfen, und in den Genuss von afrikanischer Lebensfreude und Großzügigkeit zu kommen.

Wir sehen oft, was uns Migration "kostet", und wo auch der kleinste kulturelle Unterschied liegt. Aber vor dem was es uns "bringt", und uns bereichert, und die großen Gemeinsamkeiten, verschließen wir nur all zu oft die Augen.

Leider. Denn mit "geschlossenen" Augen, entgeht einem nicht nur das Meiste, sondern vor allem das Beste. :)

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Tjula1  24.06.2016, 20:55
@BerlinEastside

Ja, das mit der Gastfreundschaft ist mir auch schon häufiger aufgefallen! :) Als ich eine Freundin mit rumänischen Wurzeln besuchte, hat ihre Mutter sich extra ihr erkundigt, was denn mein Lieblingsessen ist und das dann gekocht :) Als ich bei Deutsch-Türkinnen eingeladen war, war auch deren Mutter zu Besuch: sie hat für über 20 Leute gekocht, mit vielen Vorspeisen, Hauptspeisen und Nachtischen! Insgesamt waren es bestimmt 10 unterschiedliche Gerichte!! oO Bei einem russischen Bekannten bin ich manchmal zum Tee - und damit meine ich, das alles, was der Kühlschrank hergibt, aufgetischt wird :) Das kannte ich so nicht von den Familien meiner "ur-deutschen" Freunde. Da gab es häufiger mal Leipziger Allerlei aus der Dose (und man wurde böse angeguckt, wenn man das nicht aufaß). 

Inzwischen hab ich mir ein paar Sachen von dieser beeindruckenden Gastfreundschaft abgeguckt und hoffe, dass man sich bei mir auch so wohl fühlt, wie ich es bei ihnen getan habe :)

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Bitterkraut  24.06.2016, 21:00
@BerlinEastside

Meine ausländischen Freunde leben hier, aber ihre Familien/Verwandten oft nicht. Und bei denen bin ich dann eingeladen, was mir auch im Ausland Menschen und Kultur viel näher bringt, als ein All-inclusive-Hotel. Oder sie haben hier gelebt und sind zurückgegangen, wie meine Freunde aus Accra/Ghana, oder aus Jamaica, da hab ich ne Dauereinladung.    

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BerlinEastside  24.06.2016, 21:11
@Tjula1

Das kommt mir alles sehr bekannt vor. Das Verständnis von Gastfreundschaft, ist in anderen Kulturen, oft ein anderes. 

Aber es gibt auch andere Unterschiede. Ich habe afrikanische Freunde. Die haben ein ganz anderes Verhältnis zur Pünktlichkeit, bzw. zu Verabredungen, als wie wir es in Deutschland gewohnt sind.

Zum Beispiel habe ich, zu einem Freund gesagt: "Komm doch am Mittwoch um 17 Uhr vorbei"! Ich habe dann, typisch "deutsch", ab  16.30 gewartet. Er kam nicht. Ging nicht ans Telefon. 

Donnerstag, Nachts um 23.45Uhr klingelt es. Ich lag im Bett, weil ich um 5 Uhr aufstehen musste.

Es war mein Freund. Und ich lernte. Wenn du einen Afrikaner zu dir einlädst, kommt er. Die Frage ist nicht ob. Sondern wann. :D


Aber das ist doch auch so schön. Man kann voneinander lernen. Win-Win Situation nennt man das wohl.

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Leseratte98  26.06.2016, 22:14

Schade, dass so viele nicht nachvollziehen können, was für positive Erfahrungen man mit unterschiedlichen Kulturen machen kann. Ist das etwa nur in Berlin so? Ich freue mich auch jedes Mal, wenn ich merke, wie bunt meine Heimatstadt ist. Vielfalt macht reich. Leute, die sich in ihren Vorurteilen einkerkern, kann ich nur bedauern.

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BerlinEastside  27.06.2016, 12:53
@Leseratte98

Tja...die Meisten Vorurteile, gegen Menschen, aus anderen Kulturen, gibt es ja hauptsächlich dort, wo es kaum andere Kulturen gibt....

Es ist nämlich sehr schwer, Vorurteile aufrecht zu erhalten, wenn man die Menschen, erst mal kennen lernt, und bemerkt, wie ähnlich wir uns sind, trotz Augenscheinlicher Unterschiede.

Denn egal wo jemand herkommt. Letztendlich wollen wir alle in Frieden leben, wünschen uns Glück und Gesundheit, für unsere Familien, eine Zukunft für unsere Kinder, und ein gutes Verhältnis mit unserem Nachbar.

Und Miteinander ist das immer leichter als Gegeneinander!!!

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Wir leben alle auf einem Planten. Wir sind alle Menschen, also heul nicht rum, nur weil deren Penisse größer sind als deiner.

Ach...und ich war in einer Klasse wo nur Deutsche waren...leider hatten viele keinen Bock auf Schule...es war sehr unruhig.Mich würde interessieren wer diese Frage vorformuliert hat...Wenn du nun noch untersuchen würdest was die 5 Deutschen für eine Herkunft haben(Eltern oder Großeltern kamen sicher aus andern Ecken der Welt)....ohoh...das würde dich sicher erschüttern.

Konzentriere dich aufs Lernen und nicht auf solche Fragen, die dir nicht weiter helfen.

Warum kommst Du Dir "fremd" vor? Sind die 13 Anderen keine Menschen? Siehst Du nur das, was Dich anders macht?

"Deutsch" sein ist so unterschiedlich wie "nicht-deutsch" sein – wenn man mal genau hinsieht.
Ich muss aber zugeben, dass ich schon immer Schwierigkeiten hatte, die Unterschiede bei andern Menschen zu sehen. Es war für mich schon als Kind interessanter "andere" Menschen kennen zu lernen.

Denk-mal ...
... darüber nach!