Ich rede nicht vom spielzeugüberfrachteten Kinderzimmer, sondern vom "Kleinkram" zwischendurch: der teure Lieblingsjoghurt, ein Extra-Eis, eine Zeitschrift, auch mal ein T-shirt. Ich habe schon länger Diskussionen mit meiner Mutter über solche Extras, ein Surfkurs für den Nachwuchs hat jetzt das Fass zum Überlaufen gebracht. Wo ist eine gesunde Grenze erreicht?
Ich habe mich bei allen 3 Enkeln immer mit meiner Tochter abgesprochen,so gab es nie Probleme!

es gibt ein prinzip der kognitiven dissonanz, das als "overjustification" bezeichnet wird. wenn ein kind etwas von sich aus gerne tut (intrinsische motivation) ist es schlecht, wenn man ihm dafür externe anreize in form von belohnungen bietet (extrinsische motivation). wenn man ein kind zu viel belohnt, dann tut es dinge nicht mehr von sich aus, sondern für externe anreize, sind diese weg, verschwindet auch das verhalten (lernen, lesen, hausarbeit,...)
besser ist es hier mit kleinen belohnungen zu arbeiten, die man auch nicht jedes mal erhält, sondern bloß ab und an (partielle bekräftigung). so erhöht man den anreiz von dingen, da die intrinsische motivation, also die vom kind selbst ausgeht, nicht durch extrinsische motivation, belohnungen aber auch bestrafungen, überschreibt.
zusätzlich fördern kleine belohnungen und milde bestrafungen die interne rechtfertigung dafür ein bestimmtes verhalten zu zeigen. man wäscht z.b. für einen kleinen keks ab, fragt sich dann gewissermaßen, warum man abgewaschen hat, der kleine keks ist aber nun z.b. ein so geringer äußerer anreiz, dass man ihn nicht als begründung für das verhalten zulässt. somit denkt man sich, dass man abgewaschen haben muss, weil man es gerne tut. wenn es einem nicht gefällt, hätte man es ja auch schließlich sein lassen können ;)
lange rede, kurzer sinn: zu viele belohnungen können nicht nur teuer sein, sondern kindern auch schaden, indem sie kindern die möglichkeit nehmen, eine eigene motivation zu entwickeln. aus sicht dieser sozialpsychologischen theorien ist es also sinnvoll wenig zu belohnen und mild zu bestrafen.
nur so als kleiner einblick in die psychologie und eine wissenschaftliche begründung für deine mutter ;)
seregwen am 21. August 2008 15:35 ...im übrigen werden durch diese prozesse belohnungen, die leicht zu erreichen sind als weniger positiv angesehen, als belohnungen, für die man etwas leisten musste (justification of effort). dann lieber kleinere belohnungen, für die man etwas tun musste und die einem dadurch besser gefallen, als einfach einen surfurlaub geschenkt bekommen, der am ende weniger wert ist, als eine tasse kakao sein kann.
waggerla am 21. August 2008 15:40 Kann man das in kleiner Version als Küchenmagnet haben? prädikatwertvoll :o)
boah!
... siehst Du das nicht ein wenig zu professionell und dem Blickwinkel der EINEN Seite der Psychologie NICHT kindsgerechter Anwendung ? Wer so handelt wie Du es typisch deutsch beschreibst, sollte davon Abstand nehmen, Kinder in die Welt zu setzen !
seregwen am 23. August 2008 08:29 ich denke nicht, dass man etwas "zu" professionell betrachten kann. es gibt immer mehrere sichtweisen auf dinge, wozu nunmal auch eine "professionelle" gehört. außerdem gebe ich lieber ein begründetes wissenschaftliches statement ab, als einfach zu schreiben "find ich doof."...die wissenschaft und empirie ist doch genau dafür da, um solche erklärungen abzugeben, sonst bräuchte man diese dinge schließlich nicht zu untersuchen.
und sicherlich ist das auch nur eine seite, und nicht mal nur die eine seite der psychologie, sondern eine seite in der psychologie, aber eine durchaus bewährte.
ich halte mich lieber an die wissenschaft und nicht an unbegründeten alltagsglauben, aber das ist meine persönliche meinung. jedem steht es frei, seinem kind mit wochenlangem hausarrest zu drohen und es für jede note zu belohnen, die psychologie sagt dazu: das ist kontraproduktiv.
ich denke außerdem, dass es genau der sinn einer solchen plattform ist, möglichst viele sichtweisen zu beleuchten. das hier war meine, fangt damit an, was ihr wollt =)
Ich würde es bei Kleinigkeiten belassen, auch mal hier oder da mal ein zwei EUR (je nach Alter auch ein bissl mehr).
Von Oma gibt es i.d.R sowieso noch ein bissl mehr. Aber wenn du dein Kind nich all zu sehr verwöhnt haben willst, dann solltest du eindringlich darauf hinweisen, das du dies nicht wünschst und das größere Sachen (z.B. Surfkurs) mit dir abzusprechen sind.

man kann ein kind extrem verwöhnen. warum sollte man sonst ein kind in die welt setzen?
Senselessways am 21. August 2008 15:25 Sehe ich anders - weil aus einem verwöhnten Kind oft ein unglaublich unumgänglicher Erwachsener wird.
gertrude2 am 21. August 2008 15:27 das ist falsch! wenn ich ein kind verwöhne, damit ich meine ruhe habe, dann ist das kind als erwachsener unerträglich. sollte ich aus liebe das kind verwöhnen und nebenbei auch erziehen, dann besteht kaum die gefahr, daß das ein kind unselbständig und unerträglich wird.
das seh ich anders. es lernt nicht, dass es nicht alles haben kann, bzw wächst in einem lebensstandart auf, den es dann wahrscheinlich nicht halten kann. das geht meiner meinung nach alles auf kosten der selbstständigkeit!
gertrude2 am 21. August 2008 15:37 ich wollte eigentlich keine diskussion beginnen, aber bevor ich ein kind in die welt setze, dann überlege ich vorher, ob ich es auch finanziell gerecht werde und zwar nicht für die ersten 5jahre. außerdem hört bei mir bestimmt nicht die erziehung mit 18 auf und da wird auch sicherlich nicht der geldhahn zugedreht.
Indem man Kinder stets und ständig finanziell unter die Arme greift wird ihnen sehr wohl einiges genommen!!! DEIN KIND wird nie wirklich selbstverantwortlich handeln können weil es genau weiß "Mama und Papa helfen schon!" da ihr ja den aufgedrehten Geldhahn zur Verfügung stellt! Als Kind habe ich mir manchmal eine reiche Mutter gewünscht aber wenn ich heute darüber nachdenke?! Nee ich bin auch mit weniger materiellem Überfluss ein verantwortlicher und vor allem glücklicher Mensch geworden! ODER GERADE DESWEGEN!!!!
waggerla am 21. August 2008 15:33 Da kann man doch nicht von richtig oder falsch sprechen. Ich kenn einen Materialisten, der als Kind aus Liebe und mit Erziehung total verwöhnt wurde. Die Person ist zwar selbständig, aber ein furchtbarer Egoist und Egozentriker.
gertrude2 am 21. August 2008 15:39 es gibt auch arme egoisten und egozentriker. man kann das nicht davon abhängig machen.
Dazu fällt mir folgendes ein: Als ich klein war habe ich mir eine echte "Herzchen-Barbie" gewünscht weil alle meine Freundinnen so eine hatten! Da meine Mutter Alleinerziehend war und ihr Gehalt nur für's Nötigste reichte konnte sie mir die Barbie nicht einfach so zwischendurch kaufen! Ich wünschte sie mir und träumte regelrecht davon sie zu haben. Zum Geburtstag bekam ich sie nicht! Da war erst einmal eine neue Schultasche und Klamotten dran! So begann ich mein Taschengeld (bekam ich nur wenn ich im Haushalt mitgeholfen hatte) zu sparen und zu Ostern bekam ich dann die Hälfte des Geldes dazu und ich kaufte mir meine heissersehnte Herzchen-Barbie! Das war ein wahnsinnig schönes Gefühl und KEIN MENSCH UND NICHTS hätte mich glücklicher machen können!
Wäre meine Mutter nicht so knapp bei Kasse gewesen hätte sie mir die Barbie vielleicht auch SOFORT nach Äusserung meines Wunsches gekauft! Aber hätte ich dann dieses Gefühl "sich was WÜNSCHEN" so intensiv spüren können? Hätte ich dann gelernt dass man für Arbeit belohnt wird? Hätte ich dann dieses vollkommene Glück spüren können als ich ENDLICH meine Barbie in den Händen hielt? Die klare Antwort ist NEIN!!!! Als Kind wurden mir so manche Wünsche nicht erfüllt aber Heute weiß ich das es besser so ist als so wie es bei meiner Freundin war: Die hat JEDEN Wunsch erfüllt bekommen! So gut wie jeden! Sie brauchte nie auf einen ihrer geäusserten Wünsche lange warten! Heute ist sie unzufrieden obwohl sie ALLES hat was man sich denken kann! ICH musste mein HAB UND GUT hart erarbeiten und habe nicht alle meine TRÄUME erfüllen können ABER ICH BIN BESCHEIDEN UND GLÜCKLICH!!!! DAFÜR BIN ICH MEINER MUTTER UNHEIMLICH DANKBAR!!!!
Nun:
Wenn das Kind klar erkennen kann, daß die Extras von der Oma kommen und keine Forderungen für die Zukunft implizieren dürfen, schon gar nicht an die Eltern ...
Wenn das Kind für die (mehr oder weniger) kleinen Extras immer noch dankbar sein kann ...
Wenn das Kind nicht denkt, daß ihm alles von allein und ohne Anstrengung zusteht, sondern auch noch leistungsbereit bleibt, in der Schule z.B. ...
... dann finde ich das nicht schlimm.

Die Grenze kann man gar nicht so einfach legen. Solange sich der Nachwuchs noch freuen kann und die Geschenke zu schätzen weiß...

Verwöhnen ist schon nicht schlecht, aber man sollte es Nie übertreiben und dem auch Grenzen setzen. So ist es am Besten.

Ich würde das mit deiner mutter noch mal klar besprächen und ihr sagen das es zuviel ist. Gib ihr regel sonst gibt das früher oder später richtig ärger

kommt aufs finanzielle an!
Nein - das ist ein ganz schlechtes Kriterium: wenn ich mir alles leisten kann, kaufe ich dem Kind alles. Wie soll das Kind dann lernen, daß es sich auch mal für was anstrengen muß? Und was, wenn es selber später mal nicht so viel verdient wie die lieben Eltern? Die Ansprüche werden dann ja nicht weniger...

Wenn das Kind ein Hobby hat, dann sollte man es auch fördern. Aber nicht zu viel extra Sachen kaufen usw. Wenn man das macht, dann lernt das Kind, nie Kleinigkeiten zu schätzen...

Du mußt deiner Mutter klare Grenzen setzen. Wenn sie allerdings den Surfkurs bezahlt, hätte ich dagegen nichts einzuwenden. Warum bist du denn dagegen?
Wie alt ist denn das Kind?? Den Surfkurs zu bezahlen find ich nichtmal schlecht. Ist was sportliches an der frischen Luft-wenns dem Kind Spaß macht, warum nicht. Da hab ich schon eher Probleme beim 20-sten T-Shirt... Allerdings muss man auch sagen, dass man froh sein sollte, wenn die Großeltern Interesse an ihren Enkeln haben. Die zu verwöhnen ist das Privileg der Großeltern. Also vielleicht ab und zu mal ein Auge zudrücken!
Hallo, Ihr lieben Mütter, ich verstehe die Diskussion(en) nicht! WIR sind als Kinder "wenig" verwöhnt worden, obwohl dies mit Sicherheit angebracht gewesen wäre. Kinder kann man nicht genug "verwöhnen"; dies spiegelt sich nicht nur in materiellen Dingen wieder - aber auch. Die Erklärungen sollten beim materiellen "Verwöhnen" aber nicht fehlen, nämlich dann, aus dem freiwilligen Verwöhnen eine Forderung entsteht! Hier könnte die Diskussion einsetzen, denn wenn das Kind das Verwöhnen genießt und dabei auch erfährt, dass es "damit" eine besondere Stellung einnimmt und es nicht selbstverständlich, das Kind dies auch akzeptiert und strahlende Augen dabei bekommt - eben nicht als selobstverständlich ansieht ... dann ist der richtige Weg beschritten! Ich ? Ich bin alleinerziehender Vater und habe mit meinen Kinder NUR gute Erfahrungen gemacht (mit Ausnahme ein paar Übergriffsversuchen - Pubertät eben !).
ach, wären alle Großeltern so einsichtig!
So sollte das ja auch sein, allein nur um Familienstreitigkeiten nicht erst entstehen zu lassen und auch dem Nachwuchs ein klein bissl darauf zu trainieren, das man nicht immer alles vorn und hinten reingeschoben bekommen kann.
Daher halte ich solche Absprachen auch für sehr wichtig, zumal ich weiß, das Omis ihren Enkeln immer gerne mal ein bissl mehr zustecken wollen ;)
Auch dann habe ich meine Tochter vorher gefragt,ob das in Ordnung sei!!!
das ist eine ganz tolle einstellung, vollimleben. habe seit zwei jahren auch noch nie ein problem mit meiner mutter gehabt. wir sprechen uns immer ab. im gegensatz zu meiner schwiegermutter-hoffentlich-nicht-in-spe...und das sorgt oft für differenzen in der familie...furchtbar.